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Projektsteckbrief Wärmepumpen-Großprojekt in Oldenburg

Für die Stadt Oldenburg stellt das Projekt laut Thorsten Weber, Geschäftsführer der Weber & Reil GmbH, eine bislang einmalige Maßnahme dar: Mehrere größere Bestandsgebäude werden ohne fossile Unterstützung vollständig auf Luft/Wasser-Wärmepumpentechnik umgestellt. Konkret umfasst das Projekt drei Bestandsgebäude: ein Wohngebäude mit 40 Wohneinheiten, ein von der Stadt Oldenburg angemietetes Verwaltungsgebäude sowie ein weiteres Wohngebäude mit 20 Wohnein­heiten.

Ziel ist ein vollständiger Verzicht auf Gas

Ursprünglich war vorgesehen, die Warmwasserbereitung teilweise noch über eine unterstützende Gasanlage abzusichern. Der Investor entschied jedoch frühzeitig, vollständig auf fossile Energieträger zu verzichten, wodurch insbesondere bei der zentralen Warmwasserbereitung eine anspruchsvolle technische Aufgabe entstand.

Herstellerwahl

Zunächst prüfte Weber gemeinsam mit dem technischen Dienst von Vaillant eine Lösung auf Basis der neuen Wärmepumpengeneration des Herstellers. Nach intensiver Abstimmung wurde jedoch der Entschluss gefasst, dass die notwendigen Produkte und Erfahrungen für dieses spezielle Großprojekt noch nicht ausreichend vorhanden waren.

Daraufhin wandte sich Weber an AIT-Alpha Innotec. Der Hersteller überzeugte mit Beratungskompetenz im Bereich größerer Wärmepumpenanlagen und konkreten hydraulischen Lösungsvorschlägen. Gemeinsam mit der Heiztechnik und Behälterbau Joachim Zeeh GmbH aus Bockau, die die projektspezifischen Speicher-­Sonderlösungen fertigt, konnte schließlich das Gesamtkonzept umgesetzt werden.

Wärmepumpenkonzept

Im Juni 2026 werden insgesamt neun Luft/Wasser-Wärmepumpen der Marke AIT-Alpha Innotec mit insgesamt rund 180 kW Heizleistung installiert. Die Anlagen verteilen sich auf die drei Bestandsgebäude mit jeweils vier, drei und zwei Wärmepumpen. Jedes Gebäude erhält eine eigene Heizungsanlage.

Eine ursprünglich angedachte zentrale Containerlösung wurde verworfen, da zusätzliche Genehmigungen erforderlich und die Schallschutzauflagen schwieriger umzusetzen gewesen wären. Dies hätte zudem die Kosten in die Höhe getrieben, da die Leitungsführung im öffentlichen Raum zu aufwendig geworden wäre.

Warmwasserbereitung als größte Herausforderung

Die zentrale Herausforderung des Projekts ist die Versorgung der Wohneinheiten mit Warmwasser. Bei 40 Wohneinheiten wären laut Weber allein für die Warmwasserbereitung teilweise zusätzliche Leistungen von bis zu 70 kW notwendig gewesen. Andere Unternehmen hatten deshalb häufig Hybridlösungen mit zusätzlicher Gasunterstützung vorgesehen.

Heizflächen im Bestand

Die Gebäude stammen aus den späten 1970er- bzw. frühen 1980er-Jahren. Vorhanden sind klassische Heizkörper sowie teilweise ältere Radiatoren, jedoch keine Fußbodenheizung. Alle Heizflächen wurden einzeln aufgenommen und berechnet. Für jeden Heizkörper wurde überprüft, ob die Leistung bei den künftig niedrigeren Vorlauftemperaturen ausreichend ist. Insgesamt wurden rund 280 Heizflächen überprüft.

Zusätzlich erhalten alle Anlagen neue Ventile, neue Thermostatköpfe und einen hydraulischen Abgleich. Nur ein Teil der Heizkörper muss tatsächlich ausgetauscht werden, da die Gebäude bereits energetisch verbessert wurden, unter anderem durch Fenstertausch, Dachsanierung und Hohlraumdämmung.

Planung und Umsetzung

Die Heizlastberechnung erfolgte gemeinsam mit einem Energieberatungsbüro. Hierbei wurden sämtliche Gebäude einzeln analysiert, Wandaufbauten bewertet, energetische Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt sowie jede einzelne Heizfläche berechnet.

Bauablauf

Die Arbeiten begannen Anfang Juni 2026. Die geplante Bauzeit beträgt rund vier Wochen, während der die Bewohner in ihren Wohnungen verbleiben können. Geplant sind:

  • Fundamentarbeiten
  • Verlegung der Leitungen
  • Aufstellung der Wärmepumpen per Kran
  • Umbau der Heizungsräume
  • Austausch einzelner Heizkörper
  • Thermostatventiltausch
  • hydraulischer Abgleich.

Kommunikation mit Mietern

Nach Abschluss der Arbeiten plant Weber & Reil Informationsveranstaltungen für die Bewohner durchzuführen. Dabei soll unter anderem das sich künftig verändernde Heizverhalten erläutert werden, das sich durch die Verwendung von Wärmepumpen ergibt. Ebenso besteht Erklärungsbedarf hinsichtlich der richtigen Nutzung von Thermostaten sowie eines geeigneten Lüftungsverhaltens im Gebäudebestand.

Bedeutung für das SHK-Handwerk

Inzwischen installiert Weber & Reil über 200 Wärme­pumpen pro Jahr, überwiegend in Einfamilienhäusern und kleineren Wohnanlagen. Das Oldenburger Projekt stellt dennoch auch für dieses Unternehmen eine besondere Herausforderung dar. Weber betrachtet es als wichtigen Beitrag, um Vorbehalte gegenüber Wärmepumpen im Bestand abzubauen und anderen SHK-Betrieben Mut zu machen, auch große Bestandsobjekte zu bearbeiten und vollständig auf nachhaltige Wärmeversorgung umzustellen.

  • Die Heizlast wurde für jedes Gebäude und jede Heizfläche separat durch ein Energieberatungsbüro berechnet.
  • Die bestehenden Heizkörper werden gesondert geprüft und bei unzureichender Leistung ersetzt.
  • Die Anlagen werden als ­dezentrale Systeme mit jeweils eigener Wärmepumpen­technik pro Gebäude umgesetzt.
Die Experten entwickeln gemeinsam individuelle und zukunftssichere Projektlösungen.

Bild: Weber & Reil

Die Experten entwickeln gemeinsam individuelle und zukunftssichere Projektlösungen.
Die Servicetechniker sind täglich zuverlässig unterwegs – ein starker Teamgeist unterstützt.

Bild: Weber & Reil

Die Servicetechniker sind täglich zuverlässig unterwegs – ein starker Teamgeist unterstützt.
Alle Anlagen erhalten neue Ventile und Thermostatköpfe.

Bild: Weber & Reil

Alle Anlagen erhalten neue Ventile und Thermostatköpfe.
Fachkräfte bei der Instal­lation einer modernen Wärmepumpe.

Bild: Weber & Reil

Fachkräfte bei der Instal­lation einer modernen Wärmepumpe.
Vorbereitungsarbeiten für die Aufstellung der Wärmepumpen per Kran für das Großprojekt in Oldenburg.

Bild: Weber & Reil

Vorbereitungsarbeiten für die Aufstellung der Wärmepumpen per Kran für das Großprojekt in Oldenburg.

Weber & Reil GmbH – ­Unternehmensgeschichte

Die Weber & Reil GmbH wurde 1985 von Reinhardt Weber im niedersächsischen Bösel gegründet. Nach dessen Tod im Jahr 1999 übernahm sein Sohn Thorsten Weber die Verantwortung für den Betrieb und führte das Unternehmen zunächst allein weiter.

Später stieß der Meister Wolfgang Reil zum Unternehmen hinzu. Aus dem ursprünglichen Familienbetrieb Weber entwickelte sich gemeinsam mit Reil im Jahr 2005 die heutige Weber & Reil GmbH. Das Unternehmen wurde – im Zuge seines starken Wachstums – an den heutigen Hauptstandort in Edewecht verlegt, wo zunächst rund 20 Mitarbeiter beschäftigt waren.

Schon früh setzte der Betrieb konsequent auf Wärmepumpentechnik und erneuerbare Energien. Auf dem Firmengelände entstand unter anderem der erste niedersächsische Erdwärme-Lehrpfad, der die frühe technologische Ausrichtung des Unternehmens unterstreicht.

Ende 2019 schied Reil altersbedingt aus dem Unternehmen aus. Weber führte den Betrieb anschließend noch etwa zwei Jahre allein weiter, bevor 2023 der langjährige Mitarbeiter Gunnar Keske als weiterer Geschäftsführer hinzukam. Keske übernahm die Anteile von Wolfgang Reil.

Heute ist das Unternehmen mit Standorten in Edewecht, Bösel, Oldenburg und Garrel vertreten und beschäftigt über 60 Mitarbeiter sowie rund zehn Auszubildende. Mit Tochter Christin Weber, gelernte Anlagenmechanikerin SHK, steht die nächste Generation für die Unternehmensnachfolge bereit.

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