Kaum ein Problem beeinträchtigt Bestandsanlagen so häufig wie ungleich verteilte Volumenströme. Einige Heizkörper werden sehr heiß, während andere kaum Wärme abgeben. Gleichzeitig treten häufig störende Fließgeräusche auf. Ursache hierfür ist in der Regel ein fehlender oder unzureichender hydraulischer Abgleich. Insbesondere in älteren Gebäuden wurden Heizungsanlagen oft nur überschlägig ausgelegt. In der Folge werden Heizkörper in Kesselnähe überversorgt, während weiter entfernte Heizflächen zu wenig warmes Wasser erhalten. Um diese Mängel auszugleichen, wird in der Praxis häufig die Pumpenleistung erhöht oder die Vorlauftemperatur angehoben. Diese Maßnahmen führen jedoch lediglich zu einem höheren Energieverbrauch, ohne das grundlegende Verteilproblem zu beheben.
Abgleich zwischen Heizkörper und Rohrsystem
Das Volumenstrom-Messgerät „Hydra“, das der Installations-Experte Erwin Hallabrin erfunden hat, verfolgt einen dezentralen Ansatz. Erwin Hallabrin - Vater des Herstellers und Geschäftsführers von MaHa Marketing und Handel, Mark Hallabrin - nahm hierbei die Regulierung nicht zentral über das Gesamtsystem vor, sondern direkt am einzelnen Heizkörper. Dazu wird ein Strömungs- und Messsystem zwischen Heizkörper und Rohrleitung installiert.
„Hydra“ misst kontinuierlich den Volumenstrom und soll dafür sorgen, dass jede Heizfläche exakt mit der benötigten Wassermenge versorgt wird. Laut Konzept geschieht dies unabhängig von der Entfernung zum Wärmeerzeuger. Ziel ist eine gleichmäßige Wärmeverteilung im gesamten Gebäude sowie eine Reduzierung von Geräuschen in den Leitungen. Der Hersteller gibt hierbei ein Einsparpotenzial von 10-20 % an, wobei die tatsächliche Energieeinsparung vom Ausgangszustand der Anlage abhängt und nicht pauschal auf alle Gebäude übertragen werden kann.
Messung über Turbine und Sensorik
Im Inneren des Ventils von Hydra arbeitet eine Kombination aus mechanischer und elektronischer Messtechnik: Eine kleine Turbine wird vom durchströmenden Heizungswasser angetrieben, deren Drehgeschwindigkeit in direktem Zusammenhang mit dem Volumenstrom steht. Der integrierte „Hall-Sensor” am Volumenstrommessgerät erfasst diese Bewegung und wandelt sie in elektrische Signale um, aus denen die Durchflussmenge berechnet wird.
Für das System wird eine sehr hohe Messgenauigkeit mit einer Abweichung von lediglich 0,0005 % angegeben, was deutlich unter den üblichen Genauigkeiten in der Praxis liegt. Anders als in realen Heizungsanlagen, in denen Ablagerungen wie Magnetit oder Schmutzpartikel langfristig Einfluss auf bewegliche Komponenten nehmen können, ist der „Hall-Sensor” wartungsfrei. Die Wartungsfreiheit ergibt sich, weil der Sensor lediglich zur Messung dient und nicht dauerhaft am Heizkörper anliegt und somit keiner Dauerbelastung ausgesetzt ist.
Bild: MaHa Marketing und Handel / Britta Schlapp
App unterstützt eine vereinfachte Einregulierung
Zur Unterstützung auf der Baustelle steht eine Smartphone-App zur Verfügung. Der Installateur gibt dort das Baujahr des Gebäudes, den durchschnittlichen Energieverbrauch, die insgesamt beheizte Fläche sowie die gewünschte Temperaturspreizung ein. Auf dieser Grundlage ermittelt die Anwendung den erforderlichen Volumenstrom für den jeweiligen Heizkörper. Der berechnete Sollwert kann anschließend direkt mit dem gemessenen Ist-Wert verglichen und die Einstellung am Ventil beziehungsweise am Heizkörper vorgenommen werden. Dadurch soll sich die Einregulierung deutlich beschleunigen.
Für die Berechnung greift die App auf die in den Wärmeschutzverordnungen hinterlegten spezifischen Heizlasten zurück, die in Abhängigkeit vom Baujahr als Näherungswerte dienen. Nach Angaben des Herstellers entspricht dieses Vorgehen der in der Praxis seit Langem üblichen überschlägigen Auslegung im Gebäudebestand und ermöglicht zugleich eine dokumentierte Einstellung der Volumenströme. Darüber hinaus können bereinigte Heizlasten von Energieberatern in die App übernommen werden. Auf dieser Grundlage lässt sich die Einregulierung auch unter Verwendung von Heizlasten nach DIN EN 12831 durchführen.
Gesetzliche Anforderungen: Verfahren B erhöht den Druck
Seit 2025 ist für größere Wohngebäude der hydraulische Abgleich nach Verfahren B verpflichtend. Das Verfahren erfordert eine raumweise Heizlastberechnung sowie den Nachweis der eingestellten Volumenströme. Insbesondere im Gebäudebestand ist der Aufwand häufig hoch, da vollständige Planungsunterlagen oftmals fehlen.
Nach Angaben des Herstellers unterstützt das System den Fachhandwerker, indem es den Ist-Zustand des Gebäudes anhand der verfügbaren Gebäudedaten erfasst, die erforderlichen Volumenströme berechnet und die tatsächlich am Heizkörper fließenden Volumenströme messtechnisch erfasst und dokumentiert. Grundlage der Berechnung ist die Wärmemengenformel (Q = c × ΔT × m). Die gemessenen Werte können unmittelbar für die Einstellung der Heizkörper genutzt und zur Dokumentation des hydraulischen Abgleichs herangezogen werden. Eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 wird dadurch jedoch nicht ersetzt. Sofern entsprechende Heizlastdaten – beispielsweise aus einer Berechnung durch einen Energieberater – vorliegen, können diese in das System übernommen und für den hydraulischen Abgleich verwendet werden.
Markteinführung und Feedback aus der Praxis
Die Markteinführung des Volumenstrom-Messgeräts „Hydra“ erfolgt bewusst über den direkten Kontakt zum Fachhandwerk, denn für den Hersteller Hallabrin stehen persönliche Gespräche mit Installateuren im Vordergrund. Ziel dieser Strategie ist ein kontrolliertes Wachstum sowie eine enge Abstimmung mit den Anforderungen aus der Praxis.
Erste Rückmeldungen aus SHK-Betrieben zeigen, dass das System vor allem in komplexen Bestandssituationen eingesetzt wird. Dazu zählen beispielsweise unsanierte Altbauten mit Einrohrheizungen oder ältere Fußbodenheizungen ohne ausreichende Einstellmöglichkeiten. In diesen Fällen berichten die Anwender insbesondere von einer spürbaren Zeitersparnis bei der Einregulierung und loben die einfache Handhabung im Baustellenalltag. Konkret konnte bei der Sanierung eines Studentenwohnheims mit über hundert Heizkörpern der hydraulische Abgleich innerhalb weniger Tage durchgeführt werden. Entscheidend war dabei die Möglichkeit, das System ohne Eingriffe in das bestehende Rohrnetz zu installieren.
Förderung und Wirtschaftlichkeit
Maßnahmen zur Effizienzsteigerung von Heizungsanlagen können im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) finanziell unterstützt werden. Nach Angaben des Herstellers ist der Einsatz des Systems im Rahmen einer Heizungsoptimierung mit einem BAFA-Zuschuss von 15 % förderfähig. Wird das System im Zuge einer Heizungserneuerung eingesetzt, kann es als Bestandteil der Gesamtmaßnahme in die KfW-Förderung mit einem Fördersatz von 20 % einbezogen werden. Zu beachten ist, dass sich die tatsächliche Förderfähigkeit stets nach den zum Zeitpunkt der Antragstellung gültigen Förderrichtlinien sowie den technischen Anforderungen der jeweiligen Förderprogramme richtet.
Bild: MaHa Marketing und Handel
Einordnung für den SHK-Betrieb
Der dezentrale Ansatz bietet insbesondere im Gebäudebestand praktische Vorteile, da er auch dann eingesetzt werden kann, wenn vollständige Planungsunterlagen oder Rohrnetzberechnungen nicht vorliegen. Nach Angaben des Herstellers werden die Volumenströme an jedem Heizkörper direkt gemessen und auf den berechneten Sollwert eingestellt. Da es sich um ein statisch abgeglichenes System handelt, sollen die eingestellten Volumenströme dauerhaft erhalten bleiben, sofern nachträglich keine Veränderungen an der Heizungsanlage oder den Ventileinstellungen vorgenommen werden.
Das System ersetzt jedoch nicht grundsätzlich die normgerechte Auslegung nach DIN EN 12831, sofern diese vorgeschrieben ist. Auch die tatsächlich erzielbaren Energieeinsparungen hängen – wie bei jedem hydraulischen Abgleich – von den jeweiligen Randbedingungen des Gebäudes, dem Anlagenzustand sowie dem Nutzerverhalten ab.
Fazit
Mit dem Volumenstrom-Messgerät „Hydra“ verfolgt der Hersteller einen praxisorientierten Ansatz für den hydraulischen Abgleich im Gebäudebestand. Im Mittelpunkt steht die messtechnische Erfassung der Volumenströme an den einzelnen Heizkörpern, wodurch sich die Einregulierung unmittelbar anhand der tatsächlich fließenden Wassermengen vornehmen und dokumentieren lässt. Insbesondere bei Bestandsgebäuden mit unvollständigen Planungsunterlagen kann dies den Arbeitsaufwand für das SHK-Handwerk reduzieren und die Transparenz bei der Einstellung der Anlage erhöhen.
Nach Angaben des Herstellers versteht sich das System dabei nicht als Ersatz für die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, sondern als Mess- und Dokumentationswerkzeug, das den hydraulischen Abgleich in der praktischen Umsetzung unterstützt. Liegen normgerecht ermittelte Heizlasten vor, können diese in den Abgleich einbezogen werden. Entscheidend für die Einregulierung ist anschließend der tatsächlich eingestellte Volumenstrom am Heizkörper, der mit dem System direkt gemessen werden kann.
Ob und in welchem Umfang sich daraus Vorteile hinsichtlich des Zeitaufwands, der Dokumentation und der Energieeffizienz ergeben, hängt – wie bei anderen Verfahren zum hydraulischen Abgleich auch – von den jeweiligen Randbedingungen des Gebäudes und der Heizungsanlage ab. Mit seinem messbasierten Ansatz bietet „Hydra“ dem SHK-Handwerk jedoch eine interessante Ergänzung bestehender Verfahren. Gerade im Gebäudebestand kann die direkte Erfassung und Dokumentation der Volumenströme dazu beitragen, den hydraulischen Abgleich nachvollziehbarer und effizienter umzusetzen. Damit erweitert das System das Spektrum verfügbarer Werkzeuge um eine praxisnahe Lösung, die die Qualität und Transparenz der Einregulierung unterstützen kann.
- Ungleich verteilte Volumenströme zählen zu den häufigsten Ursachen für Effizienzverluste in Bestandsheizungsanlagen.
- Das Messgerät „Hydra“ misst den Volumenstrom direkt am jeweiligen Heizkörper und ermöglicht dessen dokumentierte Einregulierung.
- Die dezentrale Regelung eignet sich insbesondere für Bestandsgebäude mit unvollständigen Planungsunterlagen oder ohne Rohrnetzberechnung.
- Die Sollwerte werden aus Gebäudedaten und Temperaturspreizung berechnet und mit den gemessenen Volumenströmen abgeglichen.
- Eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 wird durch das System nicht ersetzt, kann jedoch integriert werden.
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