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Infrarotheizung und Photovoltaik – effektive Kombination für energieeffiziente Neubauten

Ein im Jahr 2023 im Kreis Dithmarschen an der Nordseeküste errichtetes Effizienzhaus 55 wurde mit Infrarot-Heizelementen, einer 30-kW-Photovoltaikanlage und einem 15-kW-Batteriespeicher kombiniert. Ziel war, eine weitgehende Unabhängigkeit bei der Energieversorgung zu erreichen. Das Haus wird ausschließlich mit einer Infrarotheizung des Herstellers Vitramo aus Tauberbischofsheim beheizt, wobei rund 80 % seines gesamten Jahresenergiebedarfs solar gedeckt werden.

Entscheidungsprozess pro Infrarotheizung

Bei der Planung der Heizungsanlage wurde zunächst der Einsatz einer Wärmepumpe in Betracht gezogen. Den Ausschlag für eine alter­native Lösung gab jedoch die Besichtigung eines Firmengebäudes aus dem Elektrohandwerk. Dort sind Infrarotheizungen unauffällig in Decken und Wänden integriert und sorgen sowohl in Büroräumen als auch in der Werkshalle für eine angenehme Strahlungswärme an den Arbeitsplätzen. Der dafür benötigte Strom wird von einer Photo­voltaikanlage auf dem Dach erzeugt. Der Verzicht auf eine kostenintensive Wärmepumpe sowie auf eine wasserführende Heizungsinstallation überzeugte schließlich davon, dieses Konzept auch im künftigen Einfamilienhaus umzusetzen.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren mehrere Faktoren: Der Neubau entspricht dem Effizienzhaus-55-Standard und ist so gut gedämmt, dass nur ein vergleichsweise geringer Heizenergiebedarf besteht. Vor diesem Hintergrund erschien ein kom­plexes wassergeführtes Heizsystem, insbesondere unter Kostengesichtspunkten, wenig sinnvoll. Außerdem arbeitet eine Infrarotheizung nahezu wartungs- und verschleißfrei. Lediglich die Photovoltaikanlage wird einmal jährlich überprüft, wodurch die laufenden Kosten sehr gering bleiben. Im Sinne einer möglichst einfachen Haustechnik wurde außerdem auf eine kontrollierte Wohnraumlüftung ­verzichtet.

Aus fachlicher Sicht sprechen weitere Argumente für den Einsatz von Infrarotheizungen. Dazu zählen das geringe Gewicht der Geräte, die einfache Montage an Wand oder Decke sowie die unmittelbare Wärmeabgabe ohne Vorlaufzeit. Auch der geräuschlose Betrieb wird als Vorteil hervorgehoben. Besonders sinnvoll ist der Einsatz in Kombination mit einer Photovoltaikanlage, da selbst erzeugter Solarstrom kostengünstiger und ökologisch vorteilhafter ist als Strom aus dem Netz.

Abgestimmtes Konzept: Haus, Heizung, PV-Anlage und Speicher greifen ineinander

Das Wohngebäude bietet auf zwei Etagen rund 150 m2 Wohnfläche. Große Fenster und Türen nach Süden lassen reichlich Tageslicht ins Haus und erzielen durch passive Solargewinne eine natürliche Vorwärmung. Ein Energieberater bezifferte den Jahresheizwärmebedarf auf knapp 7900 kWh und für die Trinkwassererwärmung wurden zusätzlich rund 2500 kWh veranschlagt.

Die Photovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von 30 kW ist auf zwei Dachflächen verteilt: Auf dem nach Süden und Westen ausgerichteten Walmdach des Wohngebäudes befinden sich 8 kW und weitere 22 kW auf der angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Maschinenhalle. Vorab wurde eine durchschnittliche jährliche Stromerzeugung von rund 30.000 kWh berechnet.

Ein Batteriespeicher mit 15 kW Kapazität speichert den nicht unmittelbar verbrauchten Solarstrom zur späteren Nutzung. Dem zunächst auf etwa 20 % geschätzten Netzstrombezug wird die Einspeisevergütung für überschüssig erzeugten Solarstrom gegenübergestellt. Ziel ist es, den gesamten Energiebedarf über das Jahr hinweg möglichst kostenneutral zu bilanzieren.

Zehn Deckenheizelemente für raumgenaue Wärme

Insgesamt wurden zehn Infrarot-Deckenheizelemente der Baureihe VH von Vitramo installiert. Vier Geräte verfügen über eine Leistung von 350 Watt, sechs weitere über jeweils 850 Watt.

Die Verteilung erfolgt über das gesamte Gebäude: Im offen gestalteten Erdgeschoss befinden sich drei Elemente über Küche, Essbereich und Wohnzimmer. Ergänzend sind jeweils einzelne Geräte in beiden Fluren, in zwei Arbeitszimmern, im Hauswirtschaftsraum, im Ankleidebereich sowie im Schlafzimmer installiert.

Die Steuerung erfolgt raumweise über Thermostate nach Ökodesign-Vorgaben, wodurch der Energieverbrauch bedarfsgerecht reduziert wird. Die Infrarottechnik erwärmt dabei nicht die Luft, sondern direkt Wände, Decken, Böden sowie Personen, was als besonders gleichmäßige und staubarme Wärme wahrgenommen wird.

Die Warmwasserbereitung übernimmt ein 6-kW-­Heizstab, der einen 120-l-Speicher versorgt. In den beiden Bädern sorgen elektrische Fußbodenheizungen für zusätzlichen Komfort und unterstützen zudem das schnelle Abtrocknen der Räume nach dem Duschen. Das Gesamtkonzept setzt vollständig auf elektrische Energieversorgung und entspricht damit einem zunehmend verbreiteten Ansatz moderner Gebäudetechnik.

Infrarot entfaltet seine Stärken im Gesamtsystem

Das Objekt zeigt exemplarisch, wie sich Infrarotheizungen insbesondere in einem gut gedämmten Neubau in Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeicher sinnvoll einsetzen lassen. Vorteile wie geringe Wartungsanforderungen, einfache Installation sowie eine präzise raumweise Steuerbarkeit sprechen für dieses System. Die Wirtschaftlichkeit steht dabei in direktem Zusammenhang mit dem Eigenverbrauchsanteil des selbst erzeugten Solarstroms: Je höher dieser ausfällt, desto günstiger gestaltet sich die ­Gesamtbilanz.

Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden Verbrauchs- und Einspeisedaten systematisch ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass trotz vollständiger Strombasierung des Gebäudes im Jahresmittel sogar ein rechnerischer Überschuss entstand. Gleichzeitig fällt die vergleichsweise niedrige Einspeisevergütung von rund 8 Cent pro kWh ins Gewicht.

Im Jahr 2025 lag der Eigenverbrauch bei ­etwa 12.000 kWh, wovon rund 3700 kWh aus dem Netz bezogen wurden, während gleichzeitig ­etwa 20.000 kWh ins Netz eingespeist wurden. Um den Eigenverbrauch weiter zu erhöhen, wird zusätzlich ein Elektrofahrzeug integriert, wobei die entsprechende Ladeinfrastruktur bereits vor­handen ist.

Die großflächige Photovoltaik auf den Gebäudedächern trägt wesentlich zur positiven Energiebilanz bei. Selbst ohne die zusätzliche Hallenfläche wäre das System voraussichtlich wirtschaftlich tragfähig, sodass alternative Heizsysteme nicht mehr in Betracht gezogen wurden.

Zur weiteren Erhöhung der Versorgungssicher­heit ist zudem eine Erweiterung der Stromver­sorgung vorgesehen, die bei Netzausfall einen Inselbetrieb ermöglichen soll.

  • Das Gebäude im Effizienzhaus-55-Standard weist einen jährlichen Heizwärmebedarf von knapp 7900 kWh und zusätzlich etwa 2500 kWh für die Trinkwasser­erwärmung auf.
  • Die Infrarotheizung arbeitet ohne wasserführendes ­System und wird mit einer 30-kW-Photovoltaikanlage und einem 15-kW-Batterie­speicher kombiniert.
  • Die Photovoltaikanlage deckt etwa 80 % des Gesamtenergiebedarfs.
  • Ein 120-l-Trinkwarmwasserspeicher mit 6-kW-Heizstab deckt den Warmwasserbedarf ab.
  • Die Wirtschaftlichkeit des ­Systems hängt maßgeblich vom Eigenverbrauchsanteil des ­erzeugten Solarstroms ab.