Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

PFAS in Trinkwasser-Installationen: „Ich sehe keinen Handlungsbedarf.“

SBZ: Herr Dr. Borchers, wie kam es zu dieser Unter­suchung – und warum haben Sie sich für einen praxisnahen Ansatz entschieden statt für eine klassische Laborstudie?

Dr. Ulrich Borchers: Der Anstoß kam vom VDMA-Fachverband Armaturen. Die Hersteller wollten wissen, ob Armaturen, Dichtungen oder andere Installationskomponenten aus Kunststoffmaterialien PFAS ans Trinkwasser abgeben könnten. Ursprünglich hatten die Hersteller dafür eine Laborinstallation vorgeschlagen, in der verschiedene Armaturen systematisch unter kontrollierten Bedingungen getestet werden sollten. Das wäre aber mit einem gewissen finanziellen Aufwand verbunden gewesen.

Ich habe dann vorgeschlagen, zunächst die Praxis zu nutzen. Unser Institut ist ohnehin regelmäßig an Unter­suchungen im Rahmen von Abnahmen neuer Installationen beteiligt. Das gibt uns Zugang zu realen Anlagen kurz nach der Inbetriebnahme – also genau in dem Moment, in dem eine mögliche Migration am ehesten zu erwarten wäre. Warum also nicht dort ansetzen und schauen, was unter realen Bedingungen tatsächlich passiert? Das schien mir der sinnvollere erste
Schritt.

SBZ: Ihre Untersuchung zeigt, dass sich in den beprobten Trinkwasser-­Installationen keine nennenswerte Migration von PFAS nachweisen ließ. Hat Sie dieses Ergebnis überrascht?

Borchers: Ehrlich gesagt war ich von Anfang an nicht besonders besorgt. Wenn wir davon ausgehen, dass in der Praxis zugelassene Materialien verbaut werden – und das sollte der Standard sein –, dann taucht in diesem Bereich kein Stoff auf, der zu der PFAS-20-Gruppe gehört. Das Umweltbundesamt, konkret die KTW-Gruppe, die für Kunststoffe im Trinkwasserbereich zuständig ist, hatte das im Vorfeld genauso eingeschätzt. Die Messergebnisse haben das dann praktisch belegt.

Wir hatten zwar einen kleinen Ausreißer bei einer einzelnen Probe in Köln. Der Wert war leicht erhöht, lag aber noch deutlich unterhalb der Grenzwerte. Eine Nachprobe zwei Monate später bestätigte dann die Unbedenklichkeit, sodass wir auch hier von keiner nennenswerten Belastung durch die Installationskomponenten sprechen konnten.

Wer ­regelkonform ­arbeitet, muss sich keine Sorgen ­machen.

SBZ: Wie haben die Armaturenhersteller auf die Ergebnisse reagiert?

Borchers: Mit spürbarer Erleichterung. Wobei ich sagen muss, dass die eigentliche Besorgnis der Hersteller nicht nur die Trinkwasserseite war. Was sie umtreibt, ist die breitere PFAS-Regulierungsdiskussion auf europäischer Ebene. Wenn bestimmte Ausgangsstoffe irgendwann nicht mehr eingesetzt werden dürfen oder nicht mehr verfügbar sind, könnte das Herstellungsprozesse beeinflussen – unabhängig davon, ob diese Stoffe ans Trinkwasser übergehen oder nicht. Das war im Arbeitskreis immer wieder ein Hintergrundrauschen.

SBZ: Ihre Untersuchung stützt sich auf 55 Proben aus 17 Gebäudewasserversorgungsanlagen, überwiegend in Neubauten in NRW. Wie belastbar sind diese Ergebnisse für eine generelle Einschätzung?

Borchers: Das ist eine berechtigte Frage. Repräsentativität im statistischen Sinne kann eine Studie dieser Größe nicht beanspruchen. Aber das war auch nicht ihr Ziel. Unsere Studie war bewusst klein angelegt – als erster Schritt, um zu prüfen, ob überhaupt ein Problem besteht.

Und die Antwort ist klar. Wir haben nicht einmal einen Befund erhalten, der einen ernsthaften Verdacht begründet hätte. Ich sehe auch keinen Grund, warum sich das in anderen Regionen oder bei älteren Installationen grundlegend anders verhalten sollte, sofern zugelassene Materialien verbaut wurden. Daher bin ich trotz der überschaubaren Probenzahl geneigt zu sagen: Das Bild dürfte stimmen.

SBZ: Wäre eine breitere Folgeuntersuchung nicht dennoch sinnvoll?

Borchers: Ich halte das nicht für zwingend erforderlich. Mir ist zudem bekannt, dass einzelne Hersteller vorsorglich eigene Migrations­untersuchungen mit ihren Materialien durchgeführt haben. Das zeigt, dass die Branche das Thema ernst nimmt und sich eigenverantwortlich damit auseinandersetzt – auch über unsere Studie hinaus.

Wir haben nicht einen Befund erhalten, der einen ernsthaften Verdacht begründet hätte.

SBZ: Warum wurden bei Ihrer Untersuchung keine älteren Bestandsanlagen berücksichtigt?

Borchers: Ältere Installationen sind, sofern keine neuen Komponenten verbaut werden, kaum betroffen. Organische Verbindungen, die aus Dichtungen oder Kunststoffbauteilen migrieren könnten, werden mit der Zeit ausgespült. In einem fließenden System stellt sich kein Gleichgewicht ein, das zu einer dauerhaften Anreicherung führt. Das ist bei Metallen anders. Hier werden Schadstoffe – etwa Blei – kontinuierlich abgegeben, solange das Rohr oder die Komponente vorhanden ist. Aber bei organischen Spurenstoffen gilt: Was nicht mehr nachgeliefert wird, ist irgendwann auch weg.

SBZ: Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den Ergebnissen konkret für den SHK-Alltag ableiten?

Borchers: Im Wesentlichen sind die Ergebnisse für das SHK-Handwerk sehr positiv. Wer regelwerkskonform arbeitet, kann sich beim Thema PFAS in der Trinkwasser-Installation entspannen. Es gibt keinen zusätzlichen Handlungsbedarf und keinen weiteren Grenzwert, den SHK-Betriebe in Bezug auf die Trinkwasser-Installation im Blick behalten müssten. Der Ball liegt hier bei den Wasserversorgern.

Was bleibt, ist ein Argument mehr für das, was ohnehin gilt: Keine Materialien und Bauteile einbauen, deren Zulassung und Herkunft unklar sind. Wer das beherzigt, ist auch bei PFAS auf der sicheren Seite – das bestätigt diese Untersuchung.

SBZ: Herr Dr. Borchers, vielen Dank für die aufschlussreichen Erläuterungen.

Jetzt weiterlesen und profitieren.

+ SBZ E-Paper-Ausgabe – jeden Monat neu
+ Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv
+ Fokus SBZ: Sonderhefte (PDF)
+ Webinare und Veranstaltungen mit Rabatten
uvm.

Premium Mitgliedschaft

2 Monate kostenlos testen