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Trinkwasser schützen – auf möglichst hohem Niveau

Eng verbunden mit der im Jahr 2023 novellierten Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ist die DIN EN 1717. Diese bedeutsame Norm regelt europaweit, wie Trinkwasser vor Verunreinigungen geschützt werden kann. Schon 2001 wurden zwar wichtige Grundlagen in einer Erstausgabe der Norm geschaffen, doch brauchte es zunächst zehn Jahre, bis die Umsetzung in der gesamten Europäischen Union 2011 Geltung bekam.

Tino Reinhardt (Geberit) hat als Obmann des Normenausschusses die Entwicklungen der letzten 22 Jahre begleitet und kommentierte die zähen Einigungsprozesse, die sich oftmals um Details drehten. „Die Philosophie der 1717 hat sich bis heute nicht geändert“, stellte er klar. „Der grundsätzliche Aufbau ist geblieben. Es wurden seitdem lediglich zahlreiche Präzisierungen vorgenommen.“

Absicherung von Trinkwasser noch präziser beschrieben

Seit Februar 2026 ist die Neuausgabe der DIN EN 1717 „Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherungseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen durch Rückfließen“ verabschiedet. Die Norm enthält wichtige Änderungen, um den euro­päischen Standard mit nationalen Ergänzungen zu harmonisieren. Wesentliche Inhalte der deutschen Ergänzungsnorm DIN ­1988-100 wurden direkt in die DIN EN 1717 integriert.

Die Philosophie der DIN EN 1717 hat sich bis heute nicht ­geändert.

Tino Reinhardt, Geberit

Neuerdings gelten beispielsweise strengere Vorgaben für Inspektion und Wartung von Sicherungsarmaturen wie Systemtrennern, um die Trinkwassergüte dauerhaft zu sichern. Auch gibt es jetzt Definitionen einzelner Flüssigkeitskategorien (z. B. Trennung von Trink- und Nichttrinkwasser), um die präzise Auswahl passender Sicherungseinrichtungen vornehmen zu können.

UBA-Empfehlungen maßgebend geworden

Engen Bezug zur Trinkwasserverordnung nimmt auch das Umweltbundesamt (UBA), wenn es beispielsweise um Untersuchungspflichten (§ 31 ­TrinkwV) geht oder wenn der technische Maßnahmenwert bei einer Legionellenkontamination erreicht wird. Lars Neveling (Bundesvereinigung der Firmen im Gas- und Wasserfach – figawa) machte deutlich, wie die Hierarchie von Vorgaben ineinandergreift, damit letztlich die möglichst hohe Trinkwasserqualität in Deutschland sichergestellt werden kann.

Nur ein wichtiger Punkt ist beispielsweise, dass die Probennahme für erwärmtes Trinkwasser aufgrund der im Oktober 2025 herausgegebenen UBA-Empfehlung „Systemische Untersuchungen von Trinkwasserinstallationen auf Legionellen nach Trinkwasserverordnung – Probennahme, Untersuchungsgang und Angabe des Ergebnisses“ deutlich präzisiert wurde und maßgebend geworden ist. Neveling wies darauf hin, dass dies praktische Auswirkungen für Gebäudebetreiber und Untersuchungsstellen habe sowie mehr Planungsaufwand mit sich bringe bzw. im Einzelfall auch deshalb bestehende Probennahmestellen angepasst werden müssten.

Was im Sommer als Kaltwasser ­bereits ­angewärmt ins ­Gebäude geliefert wird, ist anfälliger für eine Kontamination durch Legionellen.

Lars Neveling, figawa

Die besagte UBA-Empfehlung zur Probennahme wirkt sich auch auf die Überarbeitung des DVGW-Arbeitsblattes W 551 aus, das sich auf die Prävention, Ursachenklärung und Beseitigung von Legionellenkontaminationen konzentriert. Zu einer längst geplanten Novellierung gab es im vergangenen Jahr eine Fülle von Einsprüchen, und dann kam auch die neue maßgebliche UBA-Empfehlung zur Probennahme hinzu. Deshalb wird sich die Neufassung des DVGW-Arbeitsblattes W 551 verzögern.

Kaltes Trinkwasser kommt erwärmt ins Gebäude

Neveling konzentrierte sich aber nicht nur auf den aktuellen Stand wichtiger normativer Vorgaben und amtlich festgelegter Handlungsschritte, die sich weitgehend auf die Versorgung mit warmem Trinkwasser im Gebäude konzentrieren. Er ist auch der Frage nachgegangen, ob ein Zusammenhang zwischen Legionellenvorkommen und „kaltem“ Trinkwasser besteht, das jedoch während Hitzeperioden am Übergabepunkt des Gebäudes in mancher Region eigentlich nicht mehr als kalt bezeichnet werden kann.

Tausende Probennahmen ausgewertet

Durch die Auswertung Tausender Probennahmen aus den Jahren 2019 bis 2023 drängte sich ihm die Erkenntnis auf, dass es neben der Temperatur im Kaltwasser noch weitere Gründe geben müsse, die zu einer Legionellenkontamination führen können. Dies unterstrich er mit zahlreichen Charts der Untersuchungen und resümierte daraus, dass auch der Zeitpunkt der Probennahme – ob zur warmen Sommerzeit oder während kühler Wintermonate – durchaus Rückschlüsse zulassen kann. Er wählte dafür die griffige Aussage: „Was im Sommer als Kaltwasser bereits angewärmt ins Gebäude geliefert wird, ist anfälliger für eine Kontamination durch Legionellen.“

Beim Thema ­Legionellen muss der Fokus auf dem Nutzungs­verhalten in den ­einzelnen ­Gebäudestockwerken liegen.

Prof. Carsten Bäcker, FH Münster

Wie wird ein Gebäude tatsächlich genutzt?

Prof. Carsten Bäcker vom Technologie-Campus Steinfurt der Fachhochschule Münster lieferte praxisorientierte Lösungen für Planung und Betrieb. Gleich zu Beginn unterstrich er eine wichtige Vorgehensweise, um Ursachen für kritische Befunde bei der Trinkwasserhygiene aufzuspüren: „Die Nutzung eines Gebäudes mit seinen einzelnen Stockwerken muss im Fokus stehen. Schließlich können Etagen mit ähnlicher Installation dennoch anders im Gebrauch sein.“

Die Voraussetzung für hygienisch einwandfreies Trinkwasser sei die Verweildauer in der Trinkwasser-Installation. Keinesfalls dürfe sie länger als 72 Stunden betragen, besser sollte sie noch kürzer als 24 Stunden sein. Wenn dies nicht allein durch den Trinkwasserverbrauch erreicht werde, müsse es durch regelmäßiges Spülen sichergestellt werden.

Bäcker stellte klar, dass Legionellen auch in kaltem Wasser vorkommen, sich jedoch bei Temperaturen unter 20 °C nicht nennenswert vermehren würden. Im Gegensatz zum Temperaturbereich zwischen 25 und 45 °C: Hier würden sich ideale Bedingungen für ein Legionellenwachstum ergeben, wenn Stagnation hinzukomme.

Leitungsverlauf hat Einfluss auf Stagnation

Aufgrund von Simulationen in seinem Fachbereich kommentierte er Auswertungen von umfangreichen Messergebnissen. Dabei ging es um eine Stockwerksverteilung im Kaltwasserbereich, die entweder aus einer T-Stück-Installation, einer Reihenleitungsinstallation oder einer Ringleitungsinstallation bestand.

Der Unterschied zeigte sich deutlich: Bei der konventionellen Stockwerksverteilung als T-Stück und Reihenleitungsinstallation ergab sich am Tag über 14 Stunden hinweg eine Temperatur in der Stockwerksverteilung von über 25 °C, während nur zwei Stunden lang die Temperatur unter 20 °C lag. Bei der Installation mit Ringleitung dagegen ließ sich die Temperatur in der Stockwerksverteilung fast 17 Stunden am Tag unter 20 °C halten. Chart 20 seines Vortrags macht dies deutlich und steht Interessenten zum Download zur Verfügung (siehe Infokasten).

Was Kaltwasser nicht kalt lässt

Daraus zog Bäcker die Erkenntnis: Werden in Risikoinstallationen Stich- bzw. Reihenleitungen realisiert, befinden sich damit etwa 20 % des gesamten Leitungsvolumens in der Stockwerksverteilung sowohl im erwärmten als auch im kalten Trinkwasser im temperaturkritischen Bereich zwischen 25 und 45 °C. Und dies mehr oder weniger dauerhaft, wenn Entnahmestellen lediglich unregelmäßig genutzt werden.

Autor
Thomas Dietrich
ist als Branchenkenner und freier Autor seit Jahrzehnten für die SBZ tätig.

Bild: Thomas Dietrich

Zwei engagierte Professoren stehen für ein anspruchsvolles Fachprogramm (v. r.): Prof. Franz-Peter Schmickler und Prof. Carsten Bäcker führten durch die Jubiläumsveranstaltung.

Bild: Thomas Dietrich

Zwei engagierte Professoren stehen für ein anspruchsvolles Fachprogramm (v. r.): Prof. Franz-Peter Schmickler und Prof. Carsten Bäcker führten durch die Jubiläumsveranstaltung.
Per Wurfmikro konnten sich die Teilnehmer Gehör verschaffen: Nachfragen und ­Kommentare zu jedem Fachvortrag ­waren wie immer ausdrücklich ­erwünscht.

Bild: Thomas Dietrich

Per Wurfmikro konnten sich die Teilnehmer Gehör verschaffen: Nachfragen und ­Kommentare zu jedem Fachvortrag ­waren wie immer ausdrücklich ­erwünscht.

Das Sanitärtechnische Symposium

Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 1998 hat sich das Sanitärtechnische Symposium der Fachhochschule Münster zum renommierten Branchentreff entwickelt und findet fast jährlich auf dem Technologie-Campus Steinfurt statt. Sanitärplaner, SHK-Unternehmer und Vertreter von Sanitärherstellern nutzen den Tagestermin, um sich über aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse der Ver- und Entsorgungstechnik im Sanitärbereich zu informieren und auszutauschen. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima unterstützt als Handwerksorganisation den Expertentreff seit vielen Jahren.

Der nächste Termin für das Sanitärtechnische Symposium ist am 18. Februar 2027.

Fachvorträge zum Download

Über die Trinkwasserthemen hinaus gab es noch Fachvorträge zum Schallschutz gemäß DIN 4109, zum Brandschutz, zum kommenden europäischen Hygienezeichen und zum Baurecht (Titel: „Stehen ­allgemein anerkannte Regeln der Technik einem ­innovativen Bauen entgegen?“). Einen Großteil der auf der Veranstaltung gehaltenen Vorträge gibt es zum Download unter:

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