Immer mehr Kommunen müssen über zeitweilige Einschränkungen bei der Wasserentnahme nachdenken. Die Ursachen sind sinkende Grundwasserpegel und häufigere Trockenperioden. Eine Gegenmaßnahme liegt darin, Wasser in Gebäuden und Sanitärräumen effizienter zu nutzen. Doch wie lässt sich das am besten umsetzen? Welche Maßnahmen und technischen Innovationen können dabei helfen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Und welchen Nutzen können SHK-Betriebe daraus ziehen? Das erklärt Frank Wiehmeier (VDMA Sanitärtechnik und -design) im Interview mit SBZ-Redakteurin Beate Geßler.
SBZ: Herr Wiehmeier, Trinkwasser ist ein wertvolles und lebenswichtiges Gut. Lassen Sie unser Gespräch mit einer persönlichen Frage beginnen – was tun Sie selbst, um Wasser zu sparen?
Frank Wiehmeier: Wie viele andere Menschen nutze ich die zahlreichen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen und die meistens mit Technik zu tun haben. Eine Spülmaschine verbraucht viel weniger Wasser als das Abspülen von Hand. Wer mit dem Auto in die Waschanlage fährt, spart ebenfalls Wasser. Das Smarte an solchen Lösungen ist, dass sie auch noch komfortabel sind. In der Dusche benutze ich eine wassersparende Brause. Solche Brausen verbrauchen nur 6 bis 8 l Wasser pro Minute, ohne das Duscherlebnis zu beeinträchtigen. Das bedeutet eine Einsparung von bis zu 60 % Wasser im Vergleich zu herkömmlichen Produkten. Nebenbei spare ich Energie, weil weniger Warmwasser erhitzt werden muss.
SBZ: Ein bewusster und effizienter Umgang mit Wasser ist heute wichtiger denn je. Wie reagiert die Politik darauf?
Wiehmeier: Wir leben in Zeiten zunehmender Wasserknappheit. Begründet ist das vor allem durch die wachsende Weltbevölkerung und die intensive Nutzung in Energiewirtschaft, Landwirtschaft und Industrie. Der Klimawandel verstärkt dies noch. In vielen Regionen sinken die Grundwasserpegel. Außerdem kommt es immer häufiger zu Trockenperioden, die immer länger anhalten.
Wasser ist unser wertvollstes Gut – deshalb sollte es bei jeder neuen Planung und Sanierung an erster Stelle stehen.
Wenn aber die Verbraucher aus diesem Grund Einschränkungen oder Verbote bei der Wassernutzung hinnehmen müssen, dann erzeugt das Unmut. Daher versuchen viele Politiker auf kommunaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene, die Wasserwirtschaft möglichst resilient aufzustellen und so die sichere Versorgung mit Trinkwasser zu gewährleisten. Auf europäischer Ebene hat die Europäische Kommission beispielsweise die Wasserresilienzstrategie ins Leben gerufen.
SBZ: Worum geht es bei der Strategie konkret?
Wiehmeier: Die Wasserresilienzstrategie wurde im Sommer 2025 vorgestellt und ist Teil der Umwelt- und Klimapolitik der EU. Sie soll Vorsorge treffen, dass in Europa auch in Zukunft genug sauberes Wasser zur Verfügung steht – trotz Dürren und Überschwemmungen. Zu diesem Zweck schafft sie ein Bewusstsein in Politik und Öffentlichkeit mit der zentralen Aussage: Achtung, Leute, Wasser ist endlich, systemkritisch und strategisch relevant! Und sie prägt den Begriff einer „wasserbewussten Wirtschaft“.
SBZ: Das klingt ja erst einmal schön und gut. Aber wie genau soll mehr Versorgungssicherheit erreicht werden?
Wiehmeier: Prinzipiell setzt die Wasserresilienzstrategie auf drei Kernbereiche: erstens auf den Schutz und die Wiederherstellung des Wasserkreislaufs, zweitens auf den Aufbau einer Wirtschaft, die Wasser effizient nutzt, und drittens auf die Sicherung von bezahlbarem Trinkwasser für alle Menschen.
Zu den Maßnahmen zählen beispielsweise der Aufbau einer modernen Wasserinfrastruktur, die Reduzierung von Leckagen im System sowie die Einführung digitaler Lösungen wie Smart Metering. Außerdem will die EU das Wassersparen in Gebäuden und Betrieben fördern, das Wasserbewusstsein der Endverbraucher stärken und mehr Transparenz und Anreize für nachhaltige Kaufentscheidungen schaffen.
Bislang wird das Potenzial moderner Sanitär- und Installationstechnik in der Politik oft übersehen.
SBZ: Und wie kann diese Transparenz erreicht werden?
Wiehmeier: Damit Handwerker und Kunden die Effizienz auf einen Blick erkennen können, unterstützen wir ein EU-weites Wasserlabel. Die Interessenvertretung des Industrieverbunds VDMA Sanitärtechnik und -design zielt darauf ab, dass Wassereffizienz in Wohngebäuden künftig viel stärker ins politische Bewusstsein rückt. Denn bislang wurde das Potenzial moderner Sanitär- und Installationstechnik in der Politik oftmals übersehen.
SBZ: Ein wichtiger Baustein der Strategie ist der Grundsatz „Wassereffizienz zuerst“. Was verbirgt sich dahinter?
Wiehmeier: Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sind die Haushalte und die öffentliche Wasserversorgung in Europa für 28 % der Wasserentnahmen verantwortlich. Die Idee hinter dem Prinzip „Wassereffizienz zuerst“ ist, dass wir bei jeder Neuplanung oder Sanierung zunächst prüfen, wie Wasser effizient genutzt werden kann, bevor wir über zusätzliche Ressourcen nachdenken.
Für das SHK-Handwerk heißt das: Produkte und Systeme, die weniger Wasser verbrauchen, stehen an erster Stelle. Ziel ist dabei auch, die Energiekosten zu senken. Damit leistet die deutsche und europäische Sanitärindustrie ihren Beitrag zur EU-Strategie.
SBZ: An welche Produkte und Systeme für mehr Wassereffizienz denken Sie dabei?
Wiehmeier: Die Sanitärindustrie bietet eine Vielzahl an technischen Lösungen an, etwa Armaturen mit Durchflussbegrenzung, Brausen mit innovativer Strahltechnologie, berührungslose Sensorarmaturen und intelligente Systeme für das Wassermanagement. Auch Kreislaufsysteme für Betriebswasser gehören dazu. Sie sind zwar noch nicht so weit verbreitet, werden aber ständig weiterentwickelt. All diese Produkte schonen die Wasservorräte, erfordern häufig nur geringe Investitionen und senken die Betriebskosten. Für die Handwerker ist dies ein starkes Argument gegenüber ihren Kunden.
Das Handwerk spielt für mehr Effizienz bei der Wassernutzung in Gebäuden eine zentrale Rolle.
SBZ: Welchen Nutzen können Handwerker und SHK-Betriebe hieraus ziehen?
Wiehmeier: Für mehr Effizienz bei der Wassernutzung spielt das Handwerk eine Schlüsselrolle. Denn die besten technischen Lösungen entfalten ihren Nutzen nur, wenn sie vom Endkunden auch angenommen und anschließend fachgerecht eingebaut werden. Für SHK-Betriebe bedeutet das ein enormes Potenzial für zusätzlichen Umsatz. Sie sind regelmäßig vor Ort, kennen die örtlichen Gegebenheiten und können besser als jeder andere einschätzen, wie sich Wasser und Energie effizient nutzen lassen.
Dadurch können sich Handwerker als kompetente Berater positionieren, die nicht nur Produkte verkaufen, sondern auch individuelle Lösungen für das jeweilige Gebäude entwickeln. Dieser USP schafft Vertrauen und stärkt die Kundenbindung. Gleichzeitig erfordert die neue Nachfrage nach Effizienzlösungen mehr Know-how. Wer sich weiterbildet und Fachwissen aufbaut, grenzt sich im Wettbewerb klar ab. So wird das Handwerk zum zentralen Partner für mehr Wassereffizienz und sichert sich gleichzeitig neue Geschäftsfelder.
SBZ: Sie sprachen ja bereits das Thema Betriebswasser an. Welche Potenziale stecken in der Aufbereitung von Grauwasser und der Nutzung von Regenwasser?
Wiehmeier: Grauwasser und Regenwasser sind Bestandteile von Betriebswasserkonzepten, die Trinkwasser ersetzen oder ergänzen können. Auch darin sehe ich ein großes Potenzial für Nachhaltigkeit und Kostensenkung. Grauwasser stammt aus dem Haushalt, ist bereits benutzt und kann nach Aufbereitung wiederverwendet werden. Regenwasser wird meist von Dachflächen gesammelt und ist kein Abwasser, sondern eine zusätzliche Ressource.
Bis zu 51 % des Bedarfs an Wasser im Haushalt können mithilfe von Betriebswasser ersetzt werden.
Im Rahmen der Konsultationen zur Wasserresilienzstrategie haben wir die EU-Kommission zu einer wissenschaftlichen Prüfung aufgefordert, um herauszufinden, welche Wasserqualitäten künftig für welche Nutzungen im Wohngebäude geeignet sind. Das Einsparpotenzial ist enorm: Bis zu 51 % des Bedarfs an Wasser im Haushalt können mithilfe von Betriebswasser ersetzt werden.
SBZ: Wie lässt sich das umsetzen?
Wiehmeier: In erster Linie muss der Installateur ein zweites Leitungsnetz einrichten und über das nötige Know-how verfügen. Hier liegt eine weitere Chance für SHK-Betriebe, ihre Geschäftstätigkeit zu erweitern. Häusliches Grauwasser aus Dusche, Waschmaschine oder Waschbecken kann nach der Aufbereitung für die Toilettenspülung oder die Gartenbewässerung genutzt werden – ebenso wie Regenwasser.
Für das Handwerk geht das ebenfalls mit zusätzlichen Erlösen durch die Installation und Wartung sowie mit einer Positionierung als kompetenter Partner für nachhaltige Lösungen einher – und ist damit ein weiterer Wettbewerbsvorteil.
SBZ: Herr Wiehmeier, vielen Dank für das Gespräch.
Hansgrohe SE
Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sind die Haushalte und die öffentliche Wasserversorgung in Europa für 28 % der Wasserentnahmen verantwortlich.
Bild: Hansgrohe SE
Wassersparende Brausen verbrauchen nur 6 bis 8 l Wasser pro Minute, ohne das Duscherlebnis zu beeinträchtigen.
Europäische Wasserresilienzstrategie
Prognosen zufolge wird der weltweite Wasserbedarf 2030 die verfügbaren Ressourcen um 40 % überschreiten. Die EU-Kommission hat daher eine Wasserresilienzstrategie entwickelt, um Europa auf Wassermangel und wasserbedingte Katastrophen vorzubereiten.
Die Strategie verfolgt unter anderem folgende Ziele:
Wiederherstellung und Schutz des Wasserkreislaufs von der Quelle bis zum Meer
Sicherstellung der Resilienz gegen Überschwemmungen, Dürren und Wassermangel
Verbesserung des Wasserrückhaltevermögens an Land
Verhinderung von Wasserverschmutzung
Bekämpfung von Schadstoffen im Trinkwasser, einschließlich PFAS
Verringerung des Wasserverbrauchs
Verbesserung der Wassereffizienz um 10 % bis 2030
Weniger Lecks in Wasserleitungen und Modernisierung der Wasserinfrastruktur
Sensibilisierung der Öffentlichkeit
Unterstützung einer vernünftigen Wasserpreispolitik
Ab Dezember 2025 findet alle zwei Jahre ein Forum zur Wasserresilienz statt. Dort treffen sich Akteure und interessierte Parteien, um die Fortschritte zu überprüfen und die Umsetzung der Strategie zu überwachen.
Der Industrieverbund VDMA Sanitärtechnik und -design vereint zahlreiche führende Industriemarken der Sanitärbranche unter einem Dach. Mit starker Stimme vertritt das Bündnis die deutsche und europäische Sanitärindustrie und Installationstechnik gegenüber Politik und Gesellschaft sowie zentralen Partnern wie Handwerk, Handel und Messewesen. Zu den Mitgliedern zählen Markenhersteller von Armaturen und Brausen, von Sanitärobjekten wie Badewannen, Duschflächen und Duschabtrennungen, von Badmöbeln und Accessoires, von Installationskomponenten vor und hinter der Wand sowie von Systemen zur Wasseraufbereitung. Der Verbund steht für einen Industriezweig, der in Deutschland rund 58.000 Beschäftigte zählt und einen Umsatz von 9,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.
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