Fettabscheider werden gemäß DIN EN 1825-2 bemessen. Auf die Norm und auch auf die DIN 4040-100 verweist ebenfalls das Merkblatt DWA-M 760 „Fetthaltiges Abwasser“ im Abschnitt 10.1.2 „Bemessung und Auswahl von Fettabscheideranlagen“. Es können folgende Bemessungsverfahren angewendet werden:
a) nach Messergebnissen des tatsächlichen Spitzenabflusses QS (gut geeignet für bestehende Anlagen)
b) Bemessungsmethode auf Basis der angeschlossenen Entwässerungsgegenstände/Auslaufventile
c) Bemessungsmethode auf Basis der Betriebsart
d) spezielle Berechnungen für Sonderfälle, sofern durch die Entwässerungsbehörde genehmigt.
Wenn der Schmutzwasserabfluss QS nach b) und c) ermittelt wird, sollte der höhere Abflusswert der beiden Berechnungen verwendet werden. Gemäß Abschnitt 6.1 der DIN EN 1825-2 wird die Nenngröße NS des Abscheiders nach folgender Gleichung ermittelt:
NS = QS · ft · fd · fr
Dabei ist:
NS berechnete Nenngröße des Abscheiders
QS maximaler Schmutzwasserabfluss in l/s
ft Erschwernisfaktor in Abhängigkeit von der Temperatur im Zufluss
fd Dichtefaktor für die maßgebenden Fette/Öle
fr Erschwernisfaktor für den Einfluss von Spül- und Reinigungsmitteln
Nach der Berechnung ist die nächsthöhere Nenngröße maßgebend. Im Abschnitt 4 der DIN EN 1825-1 werden folgende bevorzugte Nenngrößen für Fettabscheider angegeben: 1, 2, 4, 7, 10, 15, 20 und 25. Andere Nenngrößen sind grundsätzlich zulässig.
Bild: Bernd Ishorst
Faktor ft
Hohe Abwassertemperaturen beeinträchtigen die Abscheidewirkung von Fettabscheidern maßgeblich. Im Abschnitt 6.2.2 der DIN EN 1825-2 werden folgende Erschwernisfaktoren in Abhängigkeit von der Temperatur im Zufluss angegeben:
ft = 1,0 bei Temperaturen des Schmutzwassers am Einlauf von ≤ 60 °C
ft = 1,3 bei ständigen oder gelegentlichen Temperaturen des Schmutzwassers am Einlauf von > 60 °C
Faktor fd
Nach Abschnitt 6.2.3 der DIN EN 1825-2 gilt ein Dichtefaktor von 1,0 für fetthaltiges Schmutzwasser von Küchen, Schlachtbetrieben sowie von Fleisch- und Fischverarbeitungsbetrieben. Bei Fetten und Ölen mit einer Dichte von > 0,94 g/cm³ beträgt der Dichtefaktor 1,5. Im Anhang B der DIN EN 1825-2 werden entsprechende Dichten für verschiedene maßgebende Fette und Öle angegeben.
Faktor fr
Spül- und Reinigungsmittel dürfen die Abscheidewirkung von Fettabscheidern nicht beeinträchtigen und keine stabilen Emulsionen bilden. Daher sollten folgende Erschwernisfaktoren für diesen Einfluss gemäß Abschnitt 6.2.4 der DIN EN 1825-2 verwendet werden:
fr = 1,0, wenn keine Anwendung von Spül- und Reinigungsmitteln erfolgt
fr = 1,3 bei ständiger oder gelegentlicher Anwendung von Spül- und Reinigungsmitteln
fr ≥ 1,5 für Sonderfälle, zum Beispiel Krankenhäuser
Bild: Bernd Ishorst
Schmutzwasserabfluss QS nach Verfahren b)
Die Bemessungsmethode auf Basis der Anzahl und Art der Einrichtungsgegenstände und Auslaufventile entsprechend dem Bemessungsverfahren b) führt zu realistischen Ergebnissen bei bereits bestehenden und neu zu planenden Küchen sowie Fleisch- und Fischverarbeitungsbetrieben. Der maximale Schmutzwasserabfluss QS wird hierbei nach folgender Gleichung ermittelt:
QS = Σ n · qi · Zi (n)
Dabei ist:
QS maximaler Schmutzwasserabfluss in l/s
n Anzahl der Einrichtungsgegenstände/Auslaufventile gleichen Typs
qi maximaler Schmutzwasserabfluss des Einrichtungsgegenstandes/Auslaufventils in l/s
Zi (n) Faktor der Gleichzeitigkeit aus Tabelle A.1 (Bild A) und A.2 (Bild B) der DIN EN 1825-2
Hinweis: Für alle nicht in den Tabellen A.1 und A.2 enthaltenen Einrichtungsgegenstände bzw. Auslaufventile sollten die entsprechenden Werte entweder durch Messung oder durch den Hersteller des jeweiligen Produkts bestimmt werden.
Schmutzwasserabfluss QS nach Verfahren c)
Die Bezugsgröße beim Bemessungsverfahren c) ist die jeweilige Betriebsart von gewerblichen Küchenbetrieben oder Fleischverarbeitungsbetrieben. Die Armaturen und Einrichtungen finden hierbei keine Berücksichtigung. Die Ermittlung des maximalen Schmutzwasserabflusses erfolgt nach folgender Gleichung:
QS = V · F / (t · 3600)
Dabei ist:
QS maximaler Schmutzwasserabfluss in l/s
V durchschnittliches tägliches Schmutzwasservolumen in l
F einheitsloser Stoßbelastungsfaktor in Abhängigkeit von der Betriebsart gemäß Tabelle A.5 (Bild C) der DIN EN 1825-2
t durchschnittliche tägliche Betriebszeit in Stunden
Hinweis: Die Ermittlung des durchschnittlichen täglichen Schmutzwasservolumens V kann durch Messung der Frischwasserentnahme oder alternativ durch Berechnung erfolgen.
Bild: Bernd Ishorst
Bild: Bernd Ishorst
V in gewerblichen Küchenbetrieben
Das durchschnittliche tägliche Schmutzwasservolumen von gewerblichen Küchenbetrieben wird nach folgender Gleichung berechnet:
V = M · VM
Dabei ist:
V durchschnittliches tägliches Schmutzwasservolumen in l
M Anzahl der täglich produzierten warmen Essensportionen
VM betriebsspezifische Wassermenge je warmer Essensportion aus Tabelle A.3 (Bild D) der DIN EN 1825-2 in l
V in Fleischverarbeitungsbetrieben
Für Fleischverarbeitungsbetriebe wird das durchschnittliche tägliche Schmutzwasservolumen nach folgender Gleichung ermittelt:
V = MP · VP
Dabei ist:
V durchschnittliches tägliches Schmutzwasservolumen in l
MP tägliche Wurstwarenproduktion in kg (Bild E)
VP betriebsspezifische Wassermenge je kg Wurstwarenproduktion nach Tabelle A.4 (Bild E) der DIN EN 1825-2 in l
Bild: Bernd Ishorst
Bild: Bernd Ishorst
NS nach Verfahren b)
Wie die Bestimmung der Nenngröße von Fettabscheidern nach der Bemessungsmethode b) und damit auf Basis der angeschlossenen Entwässerungsgegenstände/Auslaufventile erfolgen kann, zeigen die Berechnungsbeispiele 1 und 2.
Berechnungsbeispiel 1
Gegeben:
Hotelküche mit Einrichtungsgegenständen gemäß Angaben in Bild F und mit:
ft = 1,0 (Temperatur übersteigt nie 60 °C)
fd = 1,0 (Dichte des Fettes < 0,94 g/cm³)
fr = 1,3 (Einsatz von Spül- und Reinigungsmitteln)
Gesucht:
Nenngröße NS des Fettabscheiders
Formel:
NS = QS · ft · fd · fr
Lösung:
NS = 5,35 · 1,0 · 1,0 · 1,3
Ergebnis:
NS = 6,96
Die nächstgrößere bevorzugte Nenngröße der Abscheideranlage ist NS 7.
Berechnungsbeispiel 2
Gegeben:
Kleiner Fleischverarbeitungsbetrieb mit Einrichtungsgegenständen gemäß Angaben in Bild G und mit:
ft = 1,3 (Temperatur übersteigt 60 °C)
fd = 1,0 (Dichte des Fettes < 0,94 g/cm³)
fr = 1,3 (Einsatz von Spül- und Reinigungsmitteln)
Gesucht:
Nenngröße NS des Fettabscheiders
Formel:
NS = QS · ft · fd · fr
Lösung:
NS = 2,74 · 1,3 · 1,0 · 1,3
Ergebnis:
NS = 4,63
Die nächstgrößere bevorzugte Nenngröße der Abscheideranlage ist NS 7.
NS nach Verfahren c)
Wie die Bestimmung der Nenngröße von Fettabscheidern nach der Bemessungsmethode c) und damit auf Basis der Betriebsart erfolgen kann, zeigen die Berechnungsbeispiele 3 und 4.
Berechnungsbeispiel 3
Gegeben:
Werksküche/Mensa mit:
M = 1000 warme Essensportionen pro Tag
t = 10 Stunden Betriebszeit
VM = 5 l/Essensportion (Bild D)
F = Stoßbelastungsfaktor 20 (Bild C)
ft = 1,0 (Temperatur übersteigt nie 60 °C)
fd = 1,0 (Dichte des Fettes < 0,94 g/cm³)
fr = 1,3 (Einsatz von Spül- und Reinigungsmitteln)
Gesucht:
Nenngröße NS des Fettabscheiders
Formeln:
V = M · VM
QS = V · F / (t · 3600)
NS = QS · ft · fd · fr
Lösung:
V = 1000 · 5
V = 5000 l/d
QS = 5000 · 20 / (10 · 3600)
QS = 2,78 l/s
NS = 2,78 · 1,0 · 1,0 · 1,3
Bild: Bernd Ishorst
Ergebnis:
NS = 3,61
Die nächstgrößere bevorzugte Nenngröße der Abscheideranlage ist NS 4.
Berechnungsbeispiel 4
Gegeben:
Mittlerer Fleischverarbeitungsbetrieb mit:
T = 10 Stunden Betriebszeit an jeweils fünf Betriebstagen pro Woche
VP = 15 l/kg Wurstwarenproduktion (Bild E)
MP = 6 GV/Woche mit 100 kg/GV (Bild E)
F = Stoßbelastungsfaktor 35 (Bild C)
ft = 1,0 (Temperatur übersteigt nie 60 °C)
fd = 1,0 (Dichte des Fettes < 0,94 g/cm³)
fr = 1,3 (Einsatz von Spül- und Reinigungsmitteln)
Gesucht:
Nenngröße NS des Fettabscheiders
Formeln:
V = MP · VP
QS = V · F / (t · 3600)
NS = QS · ft · fd · fr
Lösung:
MP = (6 GV/Woche · 100 kg/GV) / 5 Tage
MP = 120 kg/d
V = 120 kg/d · 15 l/kg
V = 1800 l/d
QS = 1800 · 35 / (10 · 3600)
QS = 1,75 l/s
NS = 1,75 · 1,0 · 1,0 · 1,3
Ergebnis:
NS = 2,28
Die nächstgrößere bevorzugte Nenngröße der Abscheideranlage ist NS 4.
Sonderfälle
Bei industriellen Betrieben sollte gemäß Abschnitt 6.3 der DIN EN 1825-2 die Bestimmung der Nenngröße NS des Fettabscheiders basierend auf betriebsspezifischen Untersuchungen vorgenommen werden.
Schlammfangvolumen
Nach Abschnitt 6.4 der DIN EN 1825-2 muss das Volumen von Schlammfängen mindestens 100 · NS in l betragen. Für Schlachthöfe und ähnliche Betriebe werden mindestens 200 · NS in l empfohlen.
Nachgeschaltete Abwasserhebeanlagen
Die Fördermenge einer nachgeschalteten Abwasserhebeanlage muss mindestens dem maximalen Schmutzwasserabfluss QS zum Fettabscheider entsprechen. Für den Fall, dass über die Abwasserhebeanlage noch weitere Schmutzwasserabflüsse abgeleitet werden, sind diese zusätzlich zu berücksichtigen. Die Bestimmung der Förderhöhe für Abwasserhebeanlagen/Pumpen muss gemäß DIN EN 12056-4 erfolgen.
- Grundlage für die Bemessung von Fettabscheidern liefert die DIN EN 1825‑2. Dabei können verschiedene Bemessungsverfahren angewendet werden.
- In die Berechnung der Nenngröße des Abscheiders fließen neben dem maximalen Schmutzwasserabfluss auch Erschwernisfaktoren für Temperatur, für Dichte und für den Einfluss von Spül- und Reinigungsmitteln ein.
- Wird der Schmutzwasserabfluss nach der Bemessungsmethode b) und c) ermittelt, dann ist der höhere Abflusswert der beiden Berechnungen maßgeblich.
- Die Bemessungsmethode b) auf Basis der Anzahl und Art der Einrichtungsgegenstände und Auslaufventile führt zu realistischen Ergebnissen bei bereits bestehenden und neu zu planenden Betrieben.
- Die Bezugsgröße beim Bemessungsverfahren c) ist die jeweilige Betriebsart. Armaturen und Einrichtungen finden dabei keine Berücksichtigung.
- Die Fördermenge einer nachgeschalteten Abwasserhebeanlage muss mindestens dem maximalen Schmutzwasserzufluss zum Fettabscheider entsprechen. Werden weitere Schmutzwasserabflüsse abgeleitet, sind diese zusätzlich zu berücksichtigen.
Relevante Regelwerke
Weitere Infos auf www.sbz-online.de
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www.bit.ly/sbz_abwasser