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Gebäudemodernisierungsgesetz

SHK-Handwerk: ver­läss­li­che Hei­zungs­wahl statt Po­li­tik-Hö­rig­keit

„Wenn die Politik weiterhin alle zwei Jahre die Regeln ändert, sind ihre Vorgaben kein verlässlicher Rahmen für eine solch weitreichende Entscheidung“, betonte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker.

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„Wenn die Politik weiterhin alle zwei Jahre die Regeln ändert, sind ihre Vorgaben kein verlässlicher Rahmen für eine solch weitreichende Entscheidung“, betonte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker.

Der Fachverband rät Hausbesitzern, die eine alte Heizung modernisieren möchten, die Auswahl des Geräts nicht von tagesaktuellen Entscheidungen der Politik abhängig zu machen. Dies gelte auch für die nun angestoßene Reform des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG). „Wenn die Politik weiterhin alle zwei Jahre die Regeln ändert, sind ihre Vorgaben kein verlässlicher Rahmen für eine solch weitreichende Entscheidung“, betonte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker.

Politische Volatilität als Risiko

Obwohl der technologieoffene Ansatz grundsätzlich zu begrüßen sei, dürfe dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die übergeordnete Linie bestehen bleibt: Der Gebäudesektor muss CO2-neutral werden. „Ob die Vorgabe nun laute ‚65-%-Erneuerbare-Energien‘ oder ‚X-%-Biomethan‘: Die entscheidenden Fragen beim Einbau einer Heizung für die nächsten 20 Jahre sind andere“, so Becker.

Er macht deutlich, dass die Heizsysteme der Zukunft längst bekannt und langfristig die günstigsten sind. Daran ändere eine erneute Reform des GEG nichts. Im Gegenteil: Der CO2-Preis werde fossile Heizsysteme massiv verteuern, wozu derzeit auch die Fernwärme überwiegend gehöre. „Auch wenn das Heizungsgesetz tot ist, die Wärmepumpe lebt. Ihr gehört die Zukunft.“

„Grüngas“: eine teure Wette auf ungewisse Zukunft

Die Hoffnung, eine Gasheizung dauerhaft mit „Grüngas“ (Biomethan oder Wasserstoff) weiterbetreiben zu können, bezeichnet Becker als eine teure Wette auf eine unsichere Zukunft. „Weder Biomethan noch Wasserstoff werden in den nächsten Jahren in der Menge zur Verfügung stehen, die für den Gebäudesektor nötig wäre“, erklärt er. Wer darauf setze, werde nach heutiger Schätzung am Ende deutlich mehr für seine Wärme bezahlen als mit einer zukunftsfähigen Heizung. Der Fachverband weist bereits seit Längerem darauf hin, dass Biomethan keine günstige Alternative sein wird, auch angesichts der bereits im aktuellen GEG enthaltenen „Biotreppe“ und der Erwartung, dass die nächste Bundesregierung den Anteil ab 2030 schnell erhöhen könnte, um die Klimaziele zu erreichen.

Langfristig günstig: Wärmepumpe und Pelletheizung

Hausbesitzern in Baden-Württemberg rät Becker, nicht das Gesetz, sondern den eigenen Geldbeutel zum Maßstab ihrer Entscheidung zu machen. Schon heute seien Wärmepumpe und Pelletheizung langfristig die günstigsten Heizungsarten, auch wenn die Anfangsinvestition höher ausfalle. Dies gelte insbesondere, da Baden-Württemberg bereits 2040 klimaneutral sein will und fossile Energieträger somit fünf Jahre früher als im Rest Deutschlands nicht mehr genutzt werden dürfen.

Förderung nutzen, Klarheit schaffen

Positiv hebt Becker hervor, dass die Bundesregierung den Einbau klimafreundlicher Heizungen bis mindestens 2029 fördern möchte. Da jedoch mit Veränderungen hin zu einer stärkeren sozialen Staffelung zu rechnen sei, rät der Verband den Kunden, lieber zeitnah die Förderung auf der jetzigen Basis zu beantragen.

Insgesamt sei es nun entscheidend, so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen. „Wir als Handwerk kommen mit vielen gesetzlichen Rahmenbedingungen zurecht, sobald sich unsere Betriebe auf das neue System eingestellt haben“, so Becker. Die Phase der latenten Verunsicherung, die anderthalb Jahre andauerte, sei mit den Eckpunkten des GMG in eine Phase höchster Unsicherheit übergegangen, solange nicht bekannt sei, was genau ab dem 1. Juli 2026 gelten soll. Ein Gesetz in nur drei Monaten zu ändern, genau zu dem Zeitpunkt, an dem die 65-%-Regel in Großstädten in Kraft treten soll, sei nicht ohne Risiko. „Ob dieser Versuch gelingt, ist ungewiss. Gewiss hingegen ist: Damit verlängert man Verunsicherung und Abwartehaltung. Erneute Verzögerungen beim Zeitplan können wir uns nicht leisten“, appelliert Becker an die Regierung.

Handwerk als verlässlicher Berater

Der Verband empfiehlt allen Hausbesitzern mit sanierungsbedürftigen Heizungen, sich beim örtlichen Heizungsfachbetrieb zu informieren, welche Modernisierungsmöglichkeiten sich für das jeweilige Gebäude eignen. Die Innungsfachbetriebe SHK in Baden-Württemberg beraten zu den verschiedenen Heizungstechnologien und aktuellen Fördermöglichkeiten. „Gerade weil die Beratungspflicht abgeschafft werden soll, kommt auf unsere Handwerksbetriebe eine noch größere Verantwortung zu, den Menschen zu erklären, was langfristig die beste Heizung für ihr Gebäude ist“, so Becker. „Dazu müssen sie wissen, was gilt.“

Appell für „Energiefrieden“

Becker bedauert, dass die schwarz-rote Koalition die Anregung des baden-württembergischen SHK-Handwerks und anderer Akteure nicht berücksichtigte, einen Kompromiss aller Parteien der Mitte für einen „Energiefrieden“ zu suchen. Nur dieser hätte langfristig klare Rahmenbedingungen geschaffen. Die Reaktionen auf die Eckpunkte zum GMG geben vielmehr Anlass zur Sorge, dass die Heizungsfrage weiterhin im Zentrum der politischen Auseinandersetzungen stehen wird. Nur mit langfristig verlässlichen Regeln werde die Wärmewende in Deutschland gelingen. „Es muss Schluss damit sein, dass die Politik die Verbraucher verunsichert“, fordert Becker abschließend. ■
Quelle: Fachverband SHK BW / fl

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