Ausgangspunkt für Prof. Dr. Alexander Neumanns persönliche Langzeit-Studie war der Bau seines eigenen Hauses mit einem Haushalt von maximal vier Personen. Das Niedrigenergiehaus entstand 1999/2000 und wurde, entsprechend dem damaligen Standard, mit einer Ölheizung ausgestattet. Es umfasst insgesamt 240 m² Fläche; davon entfallen 215 m² auf die nutzbare Wohnfläche mit 60 m² Büroeinheit im Kellergeschoss und mit 155 m² im Erd- und Dachgeschoss.
Schritt 1 in 2005: Solarthermie
Bereits beim Hausbau wurden die Voraussetzungen für eine Solarthermieanlage geschaffen. Nach der ersten finanziellen Belastung durch den Hausbau wurde sie 2005 nachgerüstet. In den ersten Jahren lag der Heizölverbrauch für Heizung und Warmwasser bei rund 2000 l pro Jahr. Mit der Solarthermie sank er auf durchschnittlich 1500 l. Von April bis Oktober konnte die Ölheizung komplett abgeschaltet werden. Das Warmwasser wurde in dieser Zeit ausschließlich über die Solarthermie erzeugt.
Schritt 2 in 2020: PV-Anlage mit Speicher und Plug-in-Hybrid-Fahrzeug
Im Jahr 2020 folgte der nächste große Schritt in Richtung persönlicher Energiewende: Die Installation einer Photovoltaikanlage sowie die Anschaffung eines Plug-in-Hybridfahrzeugs. Die erste PV-Anlage mit einer Leistung von 8,96 kWp wurde auf der optimal nach Südwesten ausgerichteten Dachfläche installiert. Ergänzt wird sie durch einen rund 8 kWh großen Batteriespeicher von BYD und einen Wechselrichter von Kostal. Beide Komponenten befinden sich im Abstellraum hinter der Garage. Die notwendige Starkstromleitung war bereits beim Hausbau verlegt worden.
Mit einer leicht reduzierten Fahrleistung von rund 23.500 km pro Jahr wurden 2023 und 2024 jeweils etwa 1000 l E10 verbraucht. Zusätzlich wurden rund 450 kWh Strom zu Hause geladen, was etwa 4000 elektrisch gefahrenen Kilometern entspricht. Der Plug-in-Hybrid wurde vor allem für die kurzen Arbeitswege elektrisch genutzt, während längere Strecken weiterhin mit Benzin zurückgelegt wurden. Der durchschnittliche Verbrauch lag bei 136 PS System-Leistung bei etwas über 5 l Benzin.
Hinzu kommt der Haushaltsstromverbrauch von durchschnittlich 3250 kWh pro Jahr. Im Jahr 2024 konnten davon 84 % durch den selbst erzeugten Strom der 8,9-kWp-Photovoltaikanlage mit Speicher gedeckt werden; nur 16 % stammten aus dem Netz. Die PV-Anlage erzeugte je nach Jahr zwischen 8820 und 10.450 kWh Strom. Für den Zeitraum 2020 bis 2024 ergibt sich damit ein Gesamtenergieverbrauch von rund 27.450 kWh, wobei etwa 15.000 kWh auf Heizöl entfielen, rund 9200 kWh auf Benzin (Plug-in-Hybrid) sowie weitere 3250 kWh auf Strom.
Großer Schritt 3 in 2025/2026
In den Jahren 2025/2026 erfolgte der nächste große Schritt der persönlichen Energiewende, denn die Investition in ein reines Elektroauto statt dem Plug-in-Hybrid, eine Wärmepumpe, eine zweite PV-Anlage mit Notstrommöglichkeit sowie einen wasserführenden Kaminofen wurde getätigt. Nachdem das Haus 2024 am Außenverputz ausgebessert und neu gestrichen worden war, folgte 2025 die technische Modernisierung. Im Juni wurde ein reines Elektrofahrzeug angeschafft. Im September ersetzte eine Propan-Wärmepumpe von M-Tec (Modell AHPA412) die alte Ölheizung.
Die Umsetzung erfolgte professionell aus einer Hand, für die sich Prof. Dr. Alexander Neumann ausdrücklich bedankt: Körber Wärmetechnik GmbH & Co. KG aus Schefflenz planten und setzten die Wärmepumpe, die zweite PV-Anlage und die gesamte Elektroinstallation als Gesamtsystem um. Dadurch konnten die Komponenten frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. Bereits bei der Installation der Wärmepumpe wurden die elektrischen Voraussetzungen für die spätere Erweiterung mit der zweiten Photovoltaikanlage geschaffen.
Ergänzt wurde die Anlage durch einen 1000-l-Warmwasser-Pufferspeicher, der zwei Aufgaben erfüllte: Im Durchlaufprinzip wird kaltes Wasser für Dusche und weiteren Warmwasserbedarf erwärmt. Gleichzeitig dient er als Puffer für die Wärmeversorgung der Heizkörper. Da das Gebäude über klassische Heizkörper und nicht über eine Fußbodenheizung verfügt, übernimmt der Speicher eine zentrale Funktion.
Zusätzlich wurde ein wasserführender Kaminofen vom Typ Schmitzker Alicante installiert. Er verfügt über eine Nennleistung von 14,5 kW. Davon werden 5,5 kW über die Raumluft und 9 kW über die Wasserseite abgegeben. Die Wärme wird in den Pufferspeicher eingespeist und kann damit zur Beheizung des gesamten Hauses genutzt werden.
Auch die bestehende Solarthermieanlage wurde wieder eingebunden. Sie unterstützt die Erwärmung des Warmwasserspeichers und ermöglicht im Sommer die Warmwasserbereitung ohne Wärmepumpe. Dadurch können Betriebszyklen reduziert und die Lebensdauer der Wärmepumpe verlängert werden.
Die schrittweise Umstellung auf Solarthermie, Photovoltaik, Wärmepumpe und Elektrofahrzeug reduzierte den jährlichen Gesamtenergieverbrauch von 38.500 kWh im Jahr 2000 über 33.500 kWh ab 2005 und 27.450 kWh ab 2020 auf heute nur noch rund 10.000 kWh.
Nach der Umstellung auf Wärmepumpe und Elektrofahrzeug ergibt sich heute folgender jährlicher Energiebedarf: rund 3200 kWh für das Elektroauto (davon etwa 2600 kWh aus dem eigenen Hausstrom), rund 4000 kWh für die Wärmepumpe sowie etwa 2800 kWh für den Haushaltsstrom. Insgesamt entspricht dies einem Energieverbrauch von rund 10.000 kWh pro Jahr inklusive etwa 600 kWh externem Ladestrom. Im Vergleich zum bisherigen Verbrauch von rund 27.450 kWh bedeutet dies eine Reduktion um etwa 64 %. Der heutige Energiebedarf beträgt damit nur noch rund 36 % des ursprünglichen Verbrauchs.
Mit der Anschaffung des reinen Elektroautos in 2025 wurde eine Überschuss-Lade-Wallbox von Kostal installiert. Sie ist auf den Kostal Smart Meter abgestimmt und ermöglicht es, das Fahrzeug bevorzugt mit selbst erzeugtem Strom zu laden. Dadurch lässt sich der Bezug von Netzstrom für das E-Auto weitgehend vermeiden. Der deutlich gestiegene Energiebedarf durch Elektrofahrzeug und Wärmepumpe zeigte jedoch schnell die Grenzen der bisherigen Anlage, denn selbst an sonnigen Tagen reichte der Stromspeicher nicht aus, um den Bedarf über die Nacht zu decken.
Die bestehende Anlage auf der Südwestseite wurde um eine zweite PV-Anlage auf der Nordostseite mit 12 kWp und einem zusätzlichen 15-kWh-Stromspeicher ergänzt. Mit einer Gesamtleistung von nun 21 kWp werden seit April und auch künftig rund 18.000 kWh Solarstrom pro Jahr erzeugt.
Damit kann ein hoher Anteil des Energiebedarfs durch Eigenstrom gedeckt werden. Ausgehend von einem ursprünglichen Energiebedarf von 37.124 kWh ergibt sich rechnerisch ein jährlicher Energieüberschuss von rund 8000 kWh.
Entwicklung Energiebedarf hin zu einem Netto-Energie-Erzeuger
Nach den ersten Erfahrungen aus dem Winterbetrieb werden künftig mindestens 6400 kWh Eigenverbrauch und maximal 3000 kWh Strombezug aus dem Netz erwartet. Gleichzeitig können voraussichtlich rund 11.600 kWh überschüssiger Solarstrom ins Netz eingespeist werden. Daraus ergeben sich jährliche Energiekosten von etwa 350 Euro für den Stromnettozukauf sowie rund 350 Euro für externes Laden des Elektrofahrzeugs. Die zukünftigen Gesamtenergiekosten liegen damit bei etwa 700 Euro pro Jahr.
Vor der Umstellung (Jahre 2020-2024) entstanden jährliche Energiekosten von rund 3180 Euro, nämlich etwa 1500 Euro für Heizöl, 1800 Euro für Benzin und 300 Euro für Strom, abzüglich rund 420 Euro Einspeisevergütung. Bei konservativer Betrachtung ergibt sich damit eine erwartete Einsparung von etwa 2500 Euro pro Jahr. Bei den heutigen Energiepreisen wäre die Vergleichsrechnung noch deutlicher. Rund 1800 Euro für Heizöl und 2000 Euro für Benzin stehen hierbei lediglich etwa 120 Euro Nettostromkosten gegenüber. Daraus ergibt sich ein Aufwand von rund 3680 Euro pro Jahr und eine mögliche Einsparung von etwa 2980 Euro jährlich.
Das Elektroauto mit einem Anschaffungspreis von 35.000 Euro (Listenpreis 42.000 Euro) wäre unabhängig von der Energiewende des Gebäudes angeschafft worden. Durch die steuerliche Förderung der privaten Nutzung von Dienstfahrzeugen mit einem reduzierten Satz von 0,25 % ist ein Elektrofahrzeug aktuell wirtschaftlich attraktiver als ein vergleichbarer Verbrenner. Der daraus resultierende Steuervorteil von rund 9000 Euro über fünf Jahre Nutzungszeit unterstützt die Umstellung auf elektrische Mobilität.
Die Investitionen in Wärmepumpe, wasserführenden Kaminofen als Reservesystem, erneuten Anschluss der Solarthermie sowie die Photovoltaikanlage mit Speicher beliefen sich nach Förderung auf insgesamt 45.000 Euro. Die Erneuerung der Heiztechnik stand zudem aufgrund des Alters der bisherigen Anlage von mehr als 25 Jahren ohnehin an. Werden die Kosten für das Reservesystem Kaminofen und den erneuten Anschluss der Solarthermie mit rund 5000 Euro herausgerechnet, verbleibt eine Investition von etwa 40.000 Euro für Wärmepumpe, Photovoltaik und Speicher.
Die Gesamtinvestition von 45.000 Euro amortisiert sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen erst nach etwa 15 bis 18 Jahren. Werden jedoch nur die tatsächlichen Zusatzkosten gegenüber ohnehin notwendigen Ersatzinvestitionen betrachtet, verkürzt sich die Amortisationszeit entsprechend.
Die Investition von rund 21.000 Euro in die zweite Photovoltaikanlage inklusive Speicher ist wirtschaftlich betrachtet aktuell nur schwer darstellbar und kann als großzügig dimensioniert bewertet werden. Gleichzeitig senkt sie die zukünftigen Energiekosten über mehrere Jahrzehnte deutlich – insbesondere bei einer angenommenen Anlagenlebensdauer von rund 30 Jahren.
Ein weiterer Faktor ist die zukünftige Anschaffung eines zusätzlichen Elektrofahrzeugs. Dadurch können die Energiekosten voraussichtlich um weitere rund 1250 Euro pro Jahr reduziert werden. Die Amortisationszeit der Investition sinkt damit auf etwas mehr als zehn Jahre. Werden zusätzlich die Kosten für das Reservesystem mit wasserführendem Kaminofen herausgerechnet, ergibt sich im günstigsten Fall eine Amortisationszeit von rund 7,5 Jahren. Angesichts des langfristigen Mehrwerts und der ohnehin notwendigen Erneuerung der Heiztechnik ist dies ein vertretbarer Zeitraum.
Wird jedoch eine moderate Kreditfinanzierung berücksichtigt, wird die Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition deutlich schwieriger. Werden zusätzlich Förderungen nach dem Gebäudeenergiegesetz sowie steuerliche Vorteile durch die dienstliche Nutzung des Elektrofahrzeugs herausgerechnet, lässt sich die Investition rein wirtschaftlich kaum noch darstellen.
Zusammenfassung Wirtschaftlichkeit der Investitionen
Die Investition ist jedoch ein wichtiger Baustein, wenn die gesetzlich verankerte Energiewende hin zur Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045 gelingen soll. Besonders in den Bereichen Wärme und Verkehr besteht weiterhin großer Handlungsbedarf, da diese Sektoren ihren Klimazielen bislang deutlich hinterherlaufen.
Darüber hinaus verbessert die energetische Modernisierung langfristig den Wert der Immobilie. Gebäude mit geringer Energieeffizienz und hohem Sanierungsbedarf werden künftig zunehmend schwieriger zu vermarkten sein. Damit die Klimaneutralität auch wirtschaftlich umgesetzt werden kann, wird es neben weiter steigenden CO₂-Preisen und damit höheren Kosten für fossile Energieträger wie Gas und Öl weiterhin staatliche Unterstützung für den Umstieg brauchen.
Eine Befragungsstudie des Studiengangs BWL – Nachhaltiges Bauen und Ressourcenmanagement – Bau, Haustechnik, Elektro im 4. Semester des Kurses HD24D von Januar bis März 2026 zeigt, dass grundsätzlich bei vielen Eigenheimbesitzern die Bereitschaft zu Investitionen in die Energiewende vorhanden ist. Voraussetzung ist jedoch häufig die Perspektive, dass sich diese Maßnahmen langfristig wirtschaftlich rechnen.
Für den Autor steht fest: Da die Investition technisch möglich und langfristig wirtschaftlich sinnvoll ist, wurde sie umgesetzt. Sie reduziert den persönlichen CO₂-Fußabdruck deutlich und schafft die Gewissheit, einen eigenen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft zu leisten. Der abschließende Appell richtet sich an die Politik: Private Energiewenden dürfen nicht ausgebremst werden. Nur wenn Bürgerinnen und Bürger weiterhin unterstützt und eingebunden werden, kann die Energiewende insgesamt erfolgreich gestaltet werden.
- Die schrittweise Umstellung zu Solarthermie, Photovoltaik, Wärmepumpe und Elektrofahrzeug reduzierte den jährlichen Gesamtenergieverbrauch stark.
- Die Photovoltaikanlagen wurden von 8,96 kWp auf insgesamt 21 kWp mit Batteriespeichern erweitert und ermöglichen eine jährliche Eigenstromerzeugung von rund 18.000 kWh.
- Die Wärmepumpe mit 1000-l-Pufferspeicher arbeitet zusammen mit Solarthermie und wasserführendem Kaminofen als integriertes Heizsystem für das Bestandsgebäude mit Heizkörpern.
- Der Netzstrombezug sinkt durch hohen Eigenverbrauch auf etwa 3000 kWh pro Jahr, während rund 11.600 kWh Stromüberschuss ins Netz eingespeist werden.
- Die Investitionen in Wärmepumpe, Photovoltaik und Speicher amortisieren sich (je nach Annahmen) in etwa 7,5 bis 18 Jahren und werden durch Förderungen sowie Ersatzinvestitionen beeinflusst.
- Das Gesamtsystem entwickelt das Gebäude sowie den Eigentümer vom Nettoenergieverbraucher zu einem Nettoenergieerzeuger mit einem jährlichen Energieüberschuss von rund 8000 kWh.
Bild: Alexander Neumann
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