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Digitale Türenöffner fürs Fachhandwerk: Beratung für den Alltag

Jakob Obermair öffnet Türen. Manchmal sind es Glastüren zu einer Badausstellung, manchmal Bürotüren in einem Fachhandwerksbetrieb, manchmal auch nur die sprichwörtliche Tür zu einem Thema, das viele wichtig finden, im Alltag aber immer wieder verschieben: Digitalisierung.

An diesem Tag führt eine dieser Türen in die Elements-Badausstellung in München Süd. Hinter der Glasfront glänzen Armaturen, Badkojen sind wie kleine Räume aufgebaut, auf dem Tisch liegt ein Laptop. Jakob Obermair sitzt ­Boubacar ­Wassa und Christian Plieske gegenüber. Die beiden Fachhandwerker haben mit „WP Sanitär“ erst im Frühjahr ihr eigenes Unternehmen gegründet und sind inzwischen Kunden der GC-­Gruppe. Noch ist vieles im Aufbau: Aufträge, Abläufe, Außenwirkung. Jetzt geht es darum, welche digitalen Lösungen ihnen im Alltag wirklich helfen können. „Für uns ist wichtig, dass es von Anfang an draußen auf der Baustelle funktioniert und wir im Büro nicht alles doppelt machen müssen“, so Christian Plieske.

Beratung im Alltag

Obermair ist Digital-Coach bei Gienger ­München, einem Partnerhaus der GC-Gruppe. Er fährt zu Fachhandwerkern, erklärt die ­DigitalBox und zeigt, was mit Online Plus und Schnittstellen, ­BEEM, dem Ersatzteilservice und Webseitenlösungen möglich ist. Der 26-Jährige bleibt nicht bei Menüpunkten stehen. Er erklärt, fragt nach, wartet auf Reaktionen. Was davon passt zu einem jungen Betrieb? Was ist sofort hilfreich, was erst später? Aus der ­DigitalBox wird in diesem Moment keine Produktliste, sondern ein Gespräch über den Arbeitsalltag.

Genau dort beginnt Obermairs Arbeit. Seit 2019 arbeitet er für die Großhandelsgruppe. Vorher war er bei der Polizei, dann brachte ihn seine Schwester „auf den Gienger“, wie er selber sagt. Er machte ein Praktikum, begann die Ausbildung im Groß- und Außenhandelsmanagement und merkte früh, dass ihm der direkte Kontakt zu den Kunden liegt. Besonders die Tage im Abex und die Termine bei Fachhandwerkern blieben hängen. Digitale Tools erklären, Fragen beantworten, Lösungen verständlich machen. „Das lag mir sehr gut und hat mir Spaß gemacht“, sagt Jakob Obermair. Heute ist er seit vier Jahren als Digital-­Coach unterwegs. Sein Arbeitsalltag wechselt zwischen Kundenterminen, Ausstellung und digitalen Services. Oft beginnt es mit einem Hinweis aus dem Innen- oder Außendienst: „Dann gibt mir der Vertrieb Bescheid, dass da ein interessierter Betrieb ist.” Er greift zum Telefon, vereinbart einen Termin und fährt los. Dabei trifft er längst nicht nur auf Betriebe, die beim Thema Digitalisierung ganz am Anfang stehen. „Viele Betriebe sind schon digital“, sagt Obermair. Das Problem sei häufig nicht die grundsätzliche Ablehnung. Es sei der Faktor Zeit. Zwischen Baustelle, Kundendienst, Angebotserstellung und Materialbeschaffung bleibt wenig Raum, um sich mit neuen Systemen zu beschäftigen, auch wenn diese Entlastung bringen könnten.

Bausteine statt Komplettpaket

Deshalb muss Obermair schnell zeigen, wo digitale Lösungen helfen. GC BEEM ist dann nicht einfach eine App, sondern ein direkter Weg für Anfragen. Online Plus ist nicht nur ein Onlineshop, sondern ein Werkzeug für Beschaffung und Bestellung. Und der Ersatzteilservice kann dem Monteur vor Ort helfen, schneller zum passenden Produkt zu kommen. Im Termin mit WP Sanitär wird die DigitalBox deshalb nicht als fertiges Paket präsentiert, das für jeden Betrieb gleich aussieht. Es geht um Bausteine. „Wir wussten gar nicht, was beim Gienger alles möglich ist”, sagt Boubacar Wassa. Für den jungen Betrieb könnte die eigene Website ein erster wichtiger Schritt sein. Andere Themen können später eine sinnvolle Ergänzung sein.

Damit die Digitalisierung läuft

Doch was in der Ausstellung verständlich klingt, muss später im Betrieb funktionieren. Wenn sich ein Kunde nicht einloggen kann, ein Angebot in GC Online Plus nicht sichtbar ist oder eine Schnittstelle in der Fachhandwerkersoftware nicht sauber läuft, landet die Anfrage nicht bei Obermair im Auto, sondern beim Digital-Team von Gienger in Markt Schwaben. Janine Baur und Jolina Walters schauen nicht auf Badkojen, sondern auf Protokolle, Preisgültigkeiten und Fehlermeldungen. Beide sind 21 Jahre alt, beide haben ihre Ausbildung beim Großhändler gemacht, beide sind heute e-Business-Consultants. Janine Baur kam über ihren Bruder zur Gruppe, der in der Ausstellung arbeitete. Während der Ausbildung landete sie zeitweise im IT-nahen Bereich. Die Arbeit gefiel ihr, seit Januar 2024 ist sie fest im Digital-Team. Jolina Walters kam über eine Veranstaltung des „Girls Days“ ins Unternehmen. Ihr Vater war schon lange Kunde beim Gienger. Später musste sie sich entscheiden, wohin es nach der Ausbildung gehen sollte. Am Ende fiel die Entscheidung zugunsten der digitalen Themen. „Das passte einfach besser zu mir.”

Jakob Obermair ist seit vier Jahren als Digital-Coach unterwegs. Sein Arbeitsalltag wechselt zwischen Kundenterminen, Ausstellung und digitalen Services.

Bild: GC Gruppe

Jakob Obermair ist seit vier Jahren als Digital-Coach unterwegs.
Sein Arbeitsalltag wechselt zwischen Kundenterminen, Ausstellung und digitalen Services.

Detektivarbeit am Bildschirm

Offiziell sind Baur und Walters e-Business-­Consultants. Praktisch bedeutet das: Sie halten digitale Prozesse am Laufen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Online Plus und allem, was daran hängt. „Jeder Kunde braucht seine eigene, individuelle Lösung“, sagt Janine Baur. Ein Kunde braucht neue Zugangsdaten. Ein anderer hat sich gesperrt. Ein Angebot taucht nicht auf. Mal ist ein Problem mit einem Klick gelöst. Mal beginnt eine längere Suche über Kundennummern, Vorgangsnummern, Protokolle und Tickets. Jolina Walters fasst es so zusammen: „Wir kümmern uns darum, dass unser Kunde einen reibungslosen Ablauf mit unserem Bestellsystem hat.“ Dahinter steckt oft Detektivarbeit. Bei Datanorm können Preise oder Rabatte falsch in der Fachhandwerkersoftware erscheinen. Bei IDS muss der Warenkorb korrekt übertragen werden.

Für den Betrieb soll es einfach funktionieren. Im Hintergrund müssen Baur und Walters prüfen, weiterleiten, nachfassen. Gerade deshalb ist ihre Arbeit so wichtig. Digitalisierung im Fachhandwerk endet nicht mit der Einführung eines Tools. Je mehr Kunden online bestellen, Schnittstellen nutzen und Rechnungen elektronisch verarbeiten, desto wichtiger wird der Support dahinter, so Walters. Ein digitales System muss nicht nur im Beratungsgespräch überzeugen. Es muss funktionieren, wenn der Betrieb damit arbeitet.

Gleichzeitig verändert sich die Kundschaft. Baur und Walters erleben einen Generationswechsel. „In vielen Familienbetrieben übernehmen jüngere Nachfolgerinnen und Nachfolger. Sie beschäftigen sich schneller selbst mit Online Plus, brauchen teilweise weniger Schulung und erwarten digitale Möglichkeiten ganz selbstverständlich”, erklärt Baur. Das macht die Arbeit der e-Business-Consultants nicht überflüssig. Sie verändert sie. „Der Support wird, glaube ich, immer eine Rolle spielen“, sagt Jolina Walters. Vielleicht gehe es künftig weniger um klassische Schulungen, dafür stärker um elektronischen Rechnungsversand, Schnittstellen oder neue Formen des Stammdatenaustauschs. Denn wenn es hakt, braucht es weiterhin Ansprechpartner.

Was Baur und Walters motiviert, sind nicht die Tickets selbst. Es sind die Momente, in denen ein Problem gelöst ist. Wenn ein Kunde wieder Zugriff hat. Wenn eine Schnittstellenanbindung funktioniert. Wenn jemand am Telefon merkt, dass er jetzt weiterarbeiten kann. „Wenn jemand anruft und wir lösen das Problem und dann sagt: ‚Ah, danke, jetzt hast du mir wirklich geholfen.‘ Das ist halt schön“, sagt Walters.

Eine Tür reicht nicht

Damit schließt sich der Kreis zu Jakob Obermair. Er steht beim Kunden, öffnet die erste Tür und zeigt, welche digitalen Möglichkeiten es gibt. ­Janine Baur und Jolina Walters begleiten den Weg dahinter. Für Fachhandwerksbetriebe ist genau dieses Zusammenspiel entscheidend. In der Elements-Ausstellung klappt irgendwann der Laptop zu. Wassa und Plieske wissen noch nicht endgültig, welche digitalen Bausteine sie zuerst nutzen werden. Aber der Weg ist klarer geworden. Später, wenn im Alltag eine Frage auftaucht, wenn ein Zugang klemmt oder ein Angebot nicht sichtbar ist, beginnt die nächste Szene nicht mehr zwischen Badkojen und Armaturen, sondern am Telefon im Digital-Team.

Jakob Obermair öffnet die Tür. Janine Baur und Jolina Walters sorgen mit dafür, dass sie im Alltag nicht wieder zufällt.

  • Ein Digital-Coach zeigt Fachbetrieben praxisnahe ­Lösungen, die Abläufe vereinfachen und den Einstieg erleichtern.
  • Individuelle Beratung und technischer Support sorgen dafür, dass digitale Werkzeuge im Betriebsalltag zuverlässig ­funktionieren.
  • Mit passgenauen digitalen Bausteinen und persönlicher Begleitung gelingt die Digitalisierung Schritt für Schritt.
Jolina Walters (Gienger / GC-Gruppe) schaut im Großhandel nicht auf Badkojen, sondern auf Protokolle, Preisgültigkeiten und Fehler­meldungen. Sie ist e-Business-Consultant.

Bild: GC Gruppe

Jolina Walters (Gienger / GC-Gruppe) schaut im Großhandel nicht auf Badkojen, sondern auf Protokolle, Preisgültigkeiten und Fehler­meldungen. Sie ist e-Business-Consultant.