ERFA-Gruppen gelten in der Branche als bewährtes Instrument, damit Handwerksbetriebe voneinander lernen können. Beim Verband Garant Bad + Haus übernimmt nun Hans-Arno Kloep, Geschäftsführer der Querschiesser Unternehmensberatung, die externe Moderation zweier solcher Gruppen.
Im Interview spricht er über seine Herangehensweise, die Herausforderungen für das Handwerk in den kommenden Jahren und die Frage, wie weit die Digitalisierung in der Branche tatsächlich vorangeschritten ist.
Garant: Sie werden künftig zwei der insgesamt fünf Garant Bad + Haus ERFA Gruppen als externer Moderator übernehmen. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Kloep: Ich denke wir sind uns einig, dass es sich hier um eine Win-Win-Situation handelt. Ich bin sehr gut in der Branche vernetzt. Damit kann ich den ERFA Mitgliedern starke neue Impulse geben, zum Beispiel indem ich Leute zum Austausch und Wissenstransfer in die Gruppe bringe. Außerdem betreibe ich mit meiner Unternehmensberatung Marktforschung. Wenn Detailfragen in den Gruppen aufkommen, können wir diese mithilfe unserer Recherche genau auswerten und beantworten. Gleichzeitig erhoffe ich mir, über die Begleitung der ERFA Gruppen den ein oder anderen Einblick in die Prozesse und Gedanken der Handwerker zu gewinnen. So kann ich SHK-Hersteller noch besser hinsichtlich der Bedarfe im Handwerk beraten.
Garant Bad + Haus
Sie haben bereits viele Jahre Erfahrung mit dem Thema ERFA. Was ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Erfahrungsaustausch?
Meiner Meinung ist es für den Erfolg wichtig, die Gruppenmitglieder so zusammenzubringen, dass letztendlich jeder etwas davon hat. Idealerweise wären es homogene Gruppen, in denen die Teilnehmenden aus ähnlichen Betriebsstrukturen kommen – doch das ist in der Realität meist schwer umzusetzen. Darüber hinaus ist der Schlüssel für eine gute ERFA aber auch die Bereitschaft sich einzubringen. Es gibt natürlich Leute, die stundenlang zuhören können und am Ende den ein oder anderen Impuls für sich aus der Veranstaltung mitnehmen, aber letztendlich lebt die ERFA Gruppe vom Einbringen und Mitgestalten. Ich bin ein großer Befürworter von aktiver Vernetzung, denn nur so kann man heute als Unternehmer überleben.
Wie stellen Sie als Moderator sicher, dass die Mitglieder von so einem Austausch profitieren?
Das ist relativ einfach: Anonymes Feedback! Bei allen Veranstaltungen frage ich im Nachgang nach der Meinung der Teilnehmenden – anonym auf Postkarten, denn fragt man offen in der Runde, sind die Rückmeldungen meist eher zurückhaltend. So bekommt man meistens ein sehr gutes, faires Feedback zu Inhalt und Form der Veranstaltung. Und das kann man dann bei der Vorbereitung der nächsten Sitzung als Richtlinie nutzen.
Welche Bedeutung messen Sie der ERFA Arbeit und der Verbandsarbeit im Allgemeinen in der SHK-Branche bei?
SHK-Handwerker stehen in den nächsten Jahren vor der Herausforderung, ihre Prozesse zu durchdenken, zu digitalisieren, zu optimieren, zu stabilisieren. Nicht Fachkenntnisse oder Stammkundenbindung stehen an erster Stelle, sondern Prozessketten. Alles muss ein bisschen schlanker werden, es darf nicht so viel Geld liegen gelassen werden bei der Abwicklung der Aufträge. Und genau an diesem Punkt kommt der Verband ins Spiel: Mit seinen Leistungen nimmt er seinen Mitgliedern Arbeit ab und unterstützt sie dabei, diese Herausforderung zu bewältigen und damit letztendlich den Unternehmenswert zu steigern.
Schaut man auf die aktuellen Themen in der Branche, ist vor allem Digitalisierung ein viel zitiertes Thema, wenn es um das Entwicklungspotenzial im SHK-Fachhandwerk geht. Welche Rolle spielt dieses Thema Ihrer Meinung nach für die ERFA Gruppen?
Digitalisierung ist in gewisser Weise ein Branchen-Yeti: Alle reden drüber, aber man sieht nie einen. Ich glaube, dass die Digitalisierung mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit laufen wird. Da wo Nachfolge ansteht, wo eine jüngere Generation in den Startlöchern steht, ist sicher eine gewisse digitale Affinität vorhanden. Da kann man als Verbundgruppe helfen, etwa indem man Software vergleicht und Empfehlungen ausspricht. Doch wer seit 40 Jahren einen kleinen Betrieb führt, der sich gut etabliert hat, wird wohl eher schwer von der Notwendigkeit zu überzeugen sein. ■
Quelle: Garant / fl
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