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Nachhaltiger Umgang mit Wasser in der Gebäudetechnik

Ein wichtiger Punkt beim Blick auf einen nachhaltigen Umgang mit Wasser ist die Installation selbst. Die VDI 6023 Blatt 1 „­Hygiene in Trinkwasser-Installationen – Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung“ gibt klare Empfehlungen für sparsame, hygienisch einwandfreie Trinkwasser-Installationen.

Das bedeutet: hydraulisch möglichst knapp bemessene Leitungen, kurze Fließwege, keine überdimensionierten Systeme. Dadurch wird Stagnation vermieden und der Wasserverwurf – das Wasser, das weggespült werden muss, bevor warmes oder kaltes Wasser in der gewünschten Temperatur aus der Armatur fließt – deutlich reduziert.

Weniger ist mehr

Oder radikaler ausgedrückt: weglassen, was nicht zwingend gebraucht wird. Ein Beispiel sind notorische Handwaschbecken in Klassenzimmern. Früher waren diese gerechtfertigt, weil man die Tafel wischen und sich den Kreidestaub von den Händen waschen musste. Heute wird kaum noch Kreide verwendet. Es gibt stattdessen Whiteboards und Smartboards.

Werden diese Waschbecken also noch gebraucht oder nur noch aus Gewohnheit oder zur Vergrößerung der Auftragsvolumina geplant? Jedes nicht installierte Waschbecken bedeutet nicht nur weniger Wasserverbrauch – entweder bei Nutzung oder bei der Spülung zur Sicherstellung des Wasseraustauschs –, sondern auch weniger Instandhaltungsaufwand, Energieeinsatz und Materialverbrauch. Weniger Entnahmestellen bedeuten zudem auch weniger Hygienerisiko.

Klimawandel und Hygiene

Der Klimawandel bringt heißere Sommer. Bei Schulen geht das während der Sommerferien mit etwa sechs Wochen ohne tatsächliche Nutzung bei immer höheren Temperaturen einher. In diesen sechs Wochen muss trotzdem mindestens alle 72 Stunden das in der Installation befindliche Wasser ausgetauscht werden, in der Regel durch Spülmaßnahmen. Eine kleinere Installation bedeutet auch hier weniger wegzuspülendes Wasser.

Aber der Klimawandel bringt ebenfalls veränderte Komfortanforderungen in den Gebäuden – mehr Kühlung, mehr Klimatisierung. Das Problem: Kaltwasserleitungen können sich erwärmen. Wenn Kaltwasser nicht mehr kalt ist, etwa weil es durch Installationsschächte mit Wärme abgebenden Leitungen geführt wird oder direkt neben Warmwasserleitungen liegt, landet die Temperatur des Kaltwassers schnell im hygienisch kritischen Bereich zwischen 25 und 55 °C.

In diesem Temperaturbereich vermehren sich Legionellen besonders gut. Die ÖNORM B 2531 fordert deshalb inzwischen die strikte Trennung von Warm- und Kaltwasserleitungen in den Installationsschächten. Das ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Die Kolleginnen und Kollegen in Österreich sind Deutschland da voraus. Hierzulande gilt immer noch: zwei Schächte = höherer Flächenverbrauch. Also macht man das nicht.

Dafür wird dann im Extremfall eine Kaltwasserzirkulation eingebaut, um das Wasser wieder runterzukühlen. Macht nichts, Hauptsache kaltes Wasser an der Entnahmestelle? Wie war das noch mit der Kühlkette? Dass einmal aufgetaute Tiefkühlkost hygienisch kompromittiert sein kann, ist bekannt. Bei Trinkwasser: Fehlanzeige. Hier lohnt es sich aber, kurz innezuhalten und nachzudenken. Denn wenn sich Legionellen vermehrt haben, werden sie nicht an einer Erkältung sterben, wenn das Wasser wieder gekühlt wird.

Mehrfachnutzung von Wasser

Zum realistischen und wichtigen Weg wird die Mehrfachnutzung von Wasser. Ein spannendes Beispiel sind Schwimmbäder. Das Spülabwasser, also das Wasser, das beim Rückspülen der Filter anfällt, wurde früher oft einfach entsorgt. Inzwischen hat man dazugelernt. Da das Spülabwasser fast die Temperatur des Beckenwassers hat, wird nun dem Verwurf die Energie entzogen und zurückgewonnen.

Zudem kann das weniger reine Wasser – auch Betriebswasser genannt – für Toilettenspülungen oder Grünflächenbewässerung genutzt werden. Ähnliches gilt für Grauwasser aus Duschen oder Waschbecken. Aufbereitet kann es ebenfalls für WC-Spülungen oder zur Gartenbewässerung dienen. Und auch Regenwasser ist eine wertvolle und viel zu selten genutzte Ressource. Die Planung von Rigolen und Speichern erfolgt immer noch viel zu selten.

Wichtig ist: Alle Systeme müssen fachgerecht geplant und betrieben werden. Und unter Betrieb fällt auch die ordnungsgemäße Instandhaltung. Betriebswasser ist zwar kein Trinkwasser, aber selbst „gebrauchtes“ Wasser kann oft noch eine wertvolle Ressource sein, die intelligent genutzt werden sollte.

Die Kostenfrage

Warum wird Betriebswasser nicht flächendeckend genutzt? Die Antwort liegt (noch) in den Kosten. Trinkwasser und Nicht-Trinkwasser müssen installationstechnisch strikt getrennt sein. Die Nutzung von Nicht-Trinkwasser erfordert also eine zusätzliche Installation – getrennte Leitungen, separate Speicher und Aufbereitungstechnik, Instandhaltung. Das bedeutet Investitionskosten, die sich bisher oft nicht rechnen, weil Trinkwasser in Deutschland noch relativ günstig ist.

Aber: Trinkwasser wird teurer, wenn es knapper wird. Die Aufbereitungskosten steigen, die Verfügbarkeit sinkt. Und auch bei der Erzeugung von Trinkwasser entsteht CO2. Experten sind überzeugt, dass Grauwasser- und Regenwassernutzung in zehn Jahren wirtschaftlich deutlich attraktiver sein werden. Ökologisch sinnvoll ist die Nutzung schon jetzt. Eine heute errichtete Installation ist allerdings für eine Nutzung von 40 bis 50 Jahren vorgesehen.

Was (auch) Privatpersonen tun können

Auch für das Eigenheim gilt: Plane und baue nur, was wirklich gebraucht wird. Ist ein Whirlpool oder zusätzlich zum Bad ein Gäste-WC tatsächlich notwendig? Was heute als Komfort gilt, wird bei schwindenden und teurer werdenden Ressourcen zum kostspieligen Luxus.

Ein ganz einfacher, aber wirkungsvoller Schritt ist zudem der Verzicht auf Flaschenwasser! Die Produktion eines Liters Flaschenwasser verbraucht mehrere Liter Trinkwasser – für Herstellung, Reinigung, Transport. Der Transport des verpackten Wassers zur Verkaufsstelle erzeugt unnötig CO2, und das Verpackungsmaterial lässt sich auch einsparen. Das Leitungswasser in Deutschland ist hervorragend. Wer Leitungswasser trinkt, spart nicht nur Geld und Schlepperei, sondern auch massiv Ressourcen.

Wasser neu denken

Der Appell an Planende, Betreibende und die Bauträgerschaft: Denkt Wasser neu! Jede Installation, die heute gebaut wird, soll – so ist es im Regelwerk gefordert – 30, 40, 50 Jahre halten. Was ­also heute geschieht, hat Auswirkungen weit in die Zukunft. Eine Zukunft, in der Trinkwasser knapper und teurer wird. Das bedeutet: jetzt schon sparsam dimensionieren, Mehrfachnutzung mitdenken, Unnötiges weglassen.

Und für Bauherren gilt: Ja, Grauwasser- und Regenwasseranlagen kosten heute mehr – aber sie sind eine Investition in Ressourcenschonung und Betriebskostensenkung, die sich auszahlen wird.

  • Hydraulisch knapp bemessene Leitungen, kurze Fließwege und Systeme, die nicht überdimensioniert sind, vermeiden Stagnation und reduzieren den Wasserverbrauch.
  • Planung und Einbau nicht zwingend benötigter ­Entnahmestellen – etwa Handwaschbecken in Klassenzimmern – sollten mit Blick auf Ressourcen­verbrauch und Hygienerisiko kritisch hinterfragt werden.
  • Regenwasser und Grauwasser aus Duschen und Wasch­becken lassen sich für Toilettenspülung und Gartenbewässerung wiederverwenden.
  • Die Mehrfachnutzung von Wasser rechnet sich heute noch nicht überall, wird jedoch in ­einigen Jahren wirtschaftlich ­deutlich attraktiver sein. Ökologisch sinnvoll ist sie schon jetzt.
Autor
Thomas Wollstein
ist technisch-wissenschaft­licher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik.

Bild: VDI

Zum nachhaltigen Umgang mit Trinkwasser gehört auch der Verzicht auf Flaschenwasser. Wer Leitungswasser trinkt, spart nicht nur Geld und Schlepperei, sondern auch viele Ressourcen.

Bild: Simonkr via Getty Images

Zum nachhaltigen Umgang mit Trinkwasser gehört auch der Verzicht auf Flaschenwasser. Wer Leitungswasser trinkt, spart nicht nur Geld und Schlepperei, sondern auch viele Ressourcen.

VDI-Richtlinien für die Praxis

Richtlinienreihe VDI 6023 „Hygiene für Trinkwasser-­Installationen“. Trinkwasserhygie­ne ist die Grundlage, denn die Hygiene, der Schutz von Leib und Leben, hat Vorrang vor allen wirtschaftlichen Überlegungen. Das ist schon im Grundgesetz so angelegt.

Die Richtlinie VDI 6024 „Wassereffizienz in Trinkwasser-­Installationen – Anforderungen an Planung, Ausführung und Betrieb“ beschreibt, wie man unter Beachtung der Hygiene Trinkwasser effizient nutzt.

In der VDI-Richtlinie 3807 Blatt 2 „Verbrauchskennwerte für Gebäude – Verbrauchskennwerte für Heizenergie, Strom und Wasser“ wird ein Benchmarking für den Wasserverbrauch nach Gebäudenutzung beschrieben.

Für Betriebswasser gibt es die Richtlinie VDI 2070 „Betriebswassermanagement für Gebäude und Liegenschaften“.