Pro
Leider spricht vieles dafür, dass der Wärmepumpenboom in den kommenden Jahren deutlich an Dynamik verlieren wird. Nicht, weil die Technik schlechter geworden wäre. Im Gegenteil: Wärmepumpen sind effizient, ausgereift und in vielen Gebäuden eine sinnvolle Lösung. Entscheidend ist jedoch, wie Menschen Kaufentscheidungen treffen. Ein Blick in den Elektronikmarkt zeigt das Dilemma. Dort stehen Kühlschränke mit Energieeffizienzklassen von A bis G nebeneinander. Jeder weiß: Ein Gerät der Klasse A verursacht über die Jahre deutlich geringere Betriebskosten als ein Modell der Klasse E oder F. Trotzdem werden die weniger effizienten Geräte gekauft. Viele Kunden orientieren sich zuerst am Anschaffungspreis und nicht an den Gesamtkosten über die Lebensdauer. Genau dieser Zielkonflikt prägt auch den Heizungsmarkt. Die Wärmepumpe punktet bei den Betriebskosten und damit bei der Effizienz, Gas- und Ölheizungen häufig bei den Investitionskosten. Solange der Umstieg auf Erneuerbare Energien gefordert war und der Preisunterschied durch hohe Zuschüsse abfedert wurde, lief es. Fällt beides weg, gewinnt wieder die vermeintlich günstigere Anschaffung. Dass die Förderung in ihrer heutigen Form dauerhaft bestehen bleibt, glaubt kaum jemand. In Österreich brach der Wärmepumpenmarkt ein, nachdem Fördermittel nicht mehr zur Verfügung standen. Mit dem GModG kehren Gas und Öl als einfache und einfach zu verkaufende Alternative zurück. Viele Verbraucher werden dann den vermeintlich unkompliziertesten und günstigsten Weg wählen. Genau deshalb dürfte der Wärmepumpenboom sein Hoch überschritten haben. Leider.
Kontra
Bild: Stiebel Eltron
Geschäftsführer Stiebel Eltron
Nein. So wenig, wie das GEG eine Wärmepumpen-Pflicht vorschrieb, ist das GModG ein Wärmepumpen-Verhinderungsgesetz. Das wissen auch die handelnden politischen Akteure – von denen übrigens die allermeisten nicht müde werden, zu betonen, dass unabhängig vom Gesetz die Wärmepumpe eine gute Wahl für jeden Verbraucher ist. Ich glaube ohnehin: GEG vs. GModG – dem Bürger ist das mittlerweile „GaEg“, bedeutet: ganz egal. Wer heute eine neue Heizung benötigt, der denkt an die Wärmepumpe. Sie ist (fast) immer erste Wahl. Und das ist auch gut so – denn die weltpolitische Situation zeigt einmal mehr: wer elektrifiziert, profitiert. Hausbesitzer mit PV-Anlage, Wärmepumpe und E-Auto lassen explodierende Gas- oder Spritkosten völlig kalt. Schon klar, nicht jeder hat ein Haus; viele wohnen zur Miete, was ist mit Geschosswohnungsbauten. Aber auch hier gibt es technische Lösungen, die sich wirtschaftlich rechnen. Die Wohnungswirtschaft weiß das – und ist längst auf dem Wärmepumpentrip, die Wärmewende läuft hier auf Hochtouren. Fazit: Die Wärmepumpe setzt sich durch, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Eine Unsicherheit bleibt allerdings: Verändert die Regierung entgegen ihren Versprechungen das Fördersystem, hätte das ggf. ungünstige Auswirkungen auf den deutschen Wärmepumpenmarkt. Wird der dadurch temporär abgewürgt, kann das in Deutschland Klimaschutzziele und Arbeitsplätze gefährden.