Pro
Sie haben den Bogen überspannt. Betrachte ich die Influencerlandschaft, wie sie sich heute darstellt, sehe ich vor allem: Werbung, Werbung, Werbung. Von naiv bis semiprofessionell. Hersteller legen ihnen Produkte in die Hand und Worte in den Mund. Ausnahmen gibt es, aber die werden seltener. Der ursprüngliche Charakter einer aufklärerischen Kaste, die innerhalb der SHK-Branche Wissen vermehrt und außerhalb ( bei Endkunden) für Fachhandwerk und Fachschiene einsteht, ist bedauerlicherweise in den Hintergrund getreten. Ich sehe Personen und Gesichter in Kampagnen, die ganz offensichtlich gekauft sind. Es ist nicht weit hergeholt zu vermuten, dass sie ähnlich engagiert hinter „ihren“ Produkten stehen wie der allgegenwärtige Promiwerbebotschafter Jürgen Klopp hinter Autokonzernen, Brauereien, Süßwarenproduzenten, Finanzberatungen, Kosmetikherstellern, Befestigungstechnikanbietern, Brausemixern und Fitnessgerätebauern. Die Aufzählung macht deutlich, was auf der Strecke bleibt: Glaubwürdigkeit. Da kann man noch so authentisch influencen, irgendwann nimmt einem das keiner mehr ab. Sie sind halt engagiert, mehr auf monetäre Weise, weniger aus dem Antrieb heraus, die (SHK-)Welt besser machen zu wollen. Mal abgesehen davon, dass gerade die Klientel in Handwerksbetrieben, die eigentlich durch die Industrie beworben werden will, sich kaum für Aktivitäten der Brancheninfluencer erwärmen kann. Laut einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens „Querschiesser“ sind es gerade mal 5,4 Prozent der Kaufentscheider – Chefs und Führungskräfte – die das Treiben ansprechend finden. Wer diesen Text jetzt als eine Generalkritik am Influencerwesen liest, dem sei noch hinterhergerufen: Positive Ausnahmen gibt es, aber die sind eben schwerer zu finden als früher.
Kontra
Die Frage ist nicht, ob Influencer im SHK-Handwerk überbewertet werden – sondern ob ihre Wirkung noch immer unterschätzt wird. Wer Content-Creator isoliert betrachtet, greift zu kurz. Der eigentliche Hebel liegt nicht in einzelnen Personen, sondern in der Community, die sich rund um sie gebildet hat. Im SHK-Umfeld sprechen wir überwiegend über Menschen aus dem Handwerk selbst: Installateure, Unternehmer, Techniker. Sie verkaufen keine Produkte „in die Kamera“, sondern ordnen ein, hinterfragen und teilen reale Praxiserfahrungen. Der Unterschied zur klassischen Fachkommunikation liegt vor allem in der Aufbereitung: Inhalte werden direkter, verständlicher und häufig im klugen Mix aus Information und Entertainment vermittelt. Was zunächst ungewohnt wirkt, ist bei genauerem Hinsehen konsequent – denn genau so entsteht heute Aufmerksamkeit. Aus Agentur- und Medienpraxis wissen wir: Entscheidend ist nicht maximale Reichweite, sondern Relevanz innerhalb einer klar definierten Fachzielgruppe. Content-Creator fungieren dabei als Knotenpunkte, die Betriebe, Nachwuchskräfte, Industrie und Handel vernetzen. Formate wie Podcasts, Social Media oder Creator-Integrationen auf Messen zeigen, dass Kommunikation längst dialogisch funktioniert. Das ISH-Festival hat exemplarisch bewiesen, welches Potenzial darin steckt: Innerhalb weniger Tage wurde durch die gezielte Einbindung von Content-Creatorn eine millionenfache, hochrelevante Fachreichweite erzielt – eine Dimension, die aktuell kaum ein anderes Branchenformat erreicht. Ja, es gibt Übertreibungen und unprofessionelle Ansätze. Doch das ist kein Argument gegen Content-Creator, sondern für klarere Ziele, bessere Konzepte und saubere Rahmenbedingungen. Wer Influencer-Aktivitäten im SHK pauschal als Hype abtut, ignoriert nicht nur neue Medien, sondern auch die Chance, eine Branche nachhaltig zu vernetzen und weiterzuentwickeln.
Bild: hsn / Hoeldtke
CEO hsn – Die Agentur, SHK Radio/SHK Podcast