Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

Heizlasten nach DIN/TS ­12831-1:2020-04 – das vereinfachte Verfahren reicht oft aus

Eine Wärmepumpe arbeitet deutlich effizienter als ein alter Heizkessel und braucht deshalb eine eigene Berechnungsgrundlage. Die reine Schätzung über den vergangenen Brennstoffverbrauch ist trügerisch in Bezug auf die Wärmepumpenauslegung, und das Risiko einer falsch dimensionierten Wärmepumpe ist groß. Es ist möglich, eine ausführliche Berechnung durchzuführen, die ich im zweiten Teil dieser Reihe beschrieben habe. Im Fokus dieses Berichts steht dagegen das vereinfachte Verfahren, das – unterstützt durch innovative Software – genutzt werden kann, um seriöse Grundlagen zu schaffen.

Gelehrtes Wissen?

Einige Bildungsträger, wie Handwerkskammern, lehren das Basiswissen zum vereinfachten Verfahren. Wünschenswert ist, dass zumindest die Schulungen der Softwareanbieter angenommen werden. Hier wird zwar der Schwerpunkt auf die Bedienung des jeweiligen Programms gelegt, oft wird aber auch Basiswissen während einer solchen Veranstaltung vermittelt. Für viele Anwender wird der echte Einsatz des vereinfachten Verfahrens aber am realen Objekt ausgeführt und das Haus des Kunden wird nicht selten zur ersten Übung herangezogen.

Für wen lohnt sich die Berechnung im eigenen Betrieb?

Meine Meinung ist etwas ketzerisch, aber ich möchte sie trotzdem darlegen: Ein SHK-Betrieb mit dem Anspruch, Wärmepumpen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik einzubauen, sollte wissen, was er anbietet und wie er es einbaut. Er sollte mit korrekten Werkzeugen arbeiten. Das gilt für das Presswerkzeug zum Pressen der Fittings ebenso wie für das Verfahren zur Ermittlung der Leistung der einzubauenden Wärmepumpe.

Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass eine ordentliche Software zum Einsatz kommen sollte, die auch vom Monteur bedient werden kann. Zumindest sollte sich ein Spezialist im SHK-Betrieb eingefuchst haben, um das Wissen effektiv umsetzen und die Software bedienen zu können. Meine zweite, ebenso diskutable These ist, dass die Auslegung mittels hochwertiger Software erfolgen sollte. Eine auf Zettelwirtschaft mit Handberechnung basierende Ermittlung der Heizlast ist einer ausgetesteten Profi-Software unterlegen.

Vorteile liegen auf der Hand

Zur ersten These: Beim Einbau einer Wärme­pumpe geht es um viel Geld. Dabei ist dann die Sicherheit des Kunden ebenso wichtig wie die des einbauenden SHK-Betriebs. Es spricht also aus meiner Sicht alles dafür, die Beratung und den Service auf hohem Niveau zu halten. Daher ist es entweder Chefsache oder Sache eines Spezialisten im jeweiligen SHK-Betrieb, das Gebäude bezüglich der Heizlast aufzunehmen. Das geschieht mit moderner Software im zügigen Durchgang durch das Haus. Ein Scanner erfasst dabei mittels Laser die Raumgeometrie und rechnet zeitgleich die vereinfachte Heizlast. Raumweise ist dann also bekannt, welche Heizleistung jeweils gefordert ist. Es empfiehlt sich, dann noch die wenigen Minuten zusätzlich aufzuwenden, um die bestehenden Heizflächen in den Räumen zu erfassen. Auch das kann moderne Software mittlerweile hervorragend erledigen. Moderne Software kann die Heizkörpertypen erkennen und die Maße raum­orientiert zuordnen.

Dann steht am Ende der Soll-Ist-Vergleich mit folgenden Aspekten: Wird die zukünftige Wärmepumpe jeden der erfassten Räume auch tatsächlich erwärmen können? Welche Vorlauftemperaturen werden dazu notwendig sein? Welcher Einstellwert wird für den hydraulischen Abgleich des jeweiligen Heizkörpers vorgesehen? Konkret klingt der Kunde etwa so: „Der Chef oder einer seiner kompetenten Mitarbeiter hat sich sämtliche zu beheizenden Räume angesehen und messtechnisch erfasst. Er kennt mein Haus und stellt am Ende auch sämtliche Werte optimal ein. Toller Service, der mein Vertrauen verdient (kostet ja auch ordentliches Geld).“

Im Betrieb sieht man es so: „Die getätigte Investition in die neue Wärmepumpe des Kunden sollte sich in den nächsten Jahren rechnen und wird kritisch beäugt (weil niemand etwas zu verschenken hat). Rechnet sich die neue, teure Anlage nicht, fällt das zuerst auf den Betrieb zurück, der sie eingebaut hat, und vielleicht noch auf den Hersteller der Wärmepumpe. Habe ich als einbauender Betrieb die anerkannten Regeln der Technik beachtet, ist die Ausgangsbasis für eine anschließende Diskussion mit dem Kunden sehr komfortabel. Beruht jedoch der Einbau der Wärmepumpe auf Schätzungen und war der hydraulische Abgleich eher eine Alibi-Fummelei an den Ventilen, wird es schnell eng für mich als Auftragnehmer.“

Vereinfacht reicht aus

Insbesondere das vereinfachte Verfahren zur Heizlastberechnung ist aufgrund seiner Einfachheit gut zu verstehen und pragmatisch umsetzbar. Zu diesem Thema kann ein zweiteiliger Leitfaden auf meiner Website bestellt werden.

Zur Veranschaulichung werden das auf dem Grundriss dargestellte Wohnzimmer sowie das zugehörige Formblatt der vereinfachten Heizlast herangezogen. Oben beginnend können die im Formblatt enthaltenen Eingaben und Ergebnisse nachvollzogen und überprüft werden. Auf dieser Grundlage wurde in einem Leitfaden ein vollständiges Wohngebäude beispielhaft berechnet und dokumentiert, um Einsteigern und Anwendern eine Orientierung im vereinfachten Verfahren zu geben. Dabei wurde jeweils ein Raum dem entsprechenden ausgefüllten Formblatt gegenübergestellt. Hieraus ergibt sich Teil I des Leitfadens, während Teil II den Berechnungsweg im Detail beschreibt.

Mit diesen beiden Teilen des Leitfadens lässt sich die 12831 systematisch durcharbeiten und das vereinfachte Verfahren nachvollziehen. Dieses Konzept hat sich bewährt. Nach der Durcharbeitung der beiden Teile des Leitfadens kann das gestellte Projekt nochmals mit der eigenen Software nachgerechnet werden. Dadurch besteht nicht die Gefahr, das erlernte Wissen sofort an einem Kundenprojekt anwenden zu müssen.

Kurze Beleuchtung der Doppelseite

Im Kopf des Formblatts stehen nur die absolut notwendigen Angaben des durchgerechneten Wohnzimmers. Außenfenster AF und Außentür AT werden als Abzugsfläche von der umschließenden Außenwand abgezogen. Die Raumlänge von 4,20 m zuzüglich der Raumbreite von 4,0 m ergibt 8,20 m. Erfahrene Heizlaster und Verfechter des ausführlichen Verfahrens stutzen jetzt schon, da die jeweiligen Wandstärken keine Beachtung finden. Sie stutzen auch, weil die Raumhöhe zur Errechnung der Außenwandfläche ebenso angesetzt wird wie zur Errechnung des lichten Raumvolumens – das vereinfachte Verfahren arbeitet mit sehr pragmatischen Ansätzen.

Einen vereinfachten Ansatz kann ich spoilern: Beim vereinfachten Verfahren werden die Räume eines Hauses von innen aufgenommen. Daher wäre es schwierig und zeitraubend, die korrekten Wand- oder Deckenstärken zu ermitteln. Also wird innen gemessen und 25 % werden auf das Ergebnis aufgeschlagen. Daher der Faktor 1,25 in Zeile 3, Spalte 8. An dem vollständigen Beispiel eines Einfamilienhauses können die Regeln zur vereinfachten Heizlastberechnung erarbeitet werden.

In meinem Leitfaden habe ich zudem die Ergebnisse des ausführlichen Verfahrens dem vereinfachten Verfahren gegenübergestellt und kommentiert. Ganz gleich, ob Wissen aufgefrischt oder grundsätzlich erstmalig erarbeitet werden soll, werden die Schritte zur Erstellung einer vereinfachten Heizlast nachhaltig verinnerlicht.

Ist das der Weg?

Das vereinfachte Verfahren ist im Zusammenhang mit der Planung von Wärmepumpen für Bestandsgebäude hinreichend genau. Die Ergebnisse reichen aus, um einen hydraulischen Abgleich vorzunehmen. Dazu müssen selbstverständlich auch die Heizflächen erfasst werden, was weniger aufwendig ist, als es zunächst erscheint.

Eine Wärmepumpe mit persönlichem Einsatz und Know-how zu verkaufen, ist der richtige Weg. Die Abkürzung über Schätzungen und erdachte Werte für den hydraulischen Abgleich kann einem schmerzhaft auf die Füße fallen und im Zweifel sehr viel Geld kosten. Beispielsweise, wenn die Wärmepumpenleistung falsch gewählt wurde und ein Rückbau der Anlage ansteht. Die Nacharbeiten für einen erfundenen hydraulischen Abgleich sind ebenso peinlich.

Prägend und vorteilhaft ist es sicherlich, wenn das Image des eigenen Betriebs zukunftsorientiert und auf hohem technischem Niveau präsentiert wird. Warum also nicht mit einem Tablet durch das Haus des Kunden gehen und das Gebäude erfassen? Anschließend wird die Planung im Büro finalisiert. Die belastbaren Daten sorgen für einen zuverlässigen Betrieb der neuen Anlage.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare mit dem Betreff „Wärmepumpenauslegung“ an

  • Eine Abschätzung der Heizlast anhand des Brennstoffverbrauchs führt zu unzuverlässigen Ergebnissen und ist für die Dimensionierung einer Wärmepumpe ungeeignet.
  • Das vereinfachte Verfahren nach DIN/TS 12831-1 ermöglicht eine ausreichend genaue Heizlastermittlung für die Auslegung von Wärmepumpen im Bestand.
  • Das vereinfachte Verfahren basiert auf pragmatischen Annahmen wie Innenmaßen mit pauschalem Zuschlagsfaktor anstelle detaillierter Bauteilstärken.
  • Moderne Messtechnik erlaubt die raumweise Erfassung der Geometrie und die direkte Berechnung der Heizlast.
Autor
Dipl.-Ing. (FH) Elmar Held
war von 2012 bis 2025 freier Chefredakteur des SBZ Monteur. Er betreibt seit 30 Jahren ein TGA-­Ingenieurbüro, ist ö. b. u. v. Sachverständiger für Installateur- und Heizungsbau und als Dozent der HWK Münster tätig. Angeboten werden seine Lehrbücher und Leitfäden für die SHK-Branche unter: 
www.shk-leitfäden.de
Mobil: (01 72) 23 19 83 9
E-Mail: info@shk-leitfäden.de

Bild: Susanne Kästner-Werne

Jetzt weiterlesen und profitieren.

+ SBZ E-Paper-Ausgabe – jeden Monat neu
+ Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv
+ Fokus SBZ: Sonderhefte (PDF)
+ Webinare und Veranstaltungen mit Rabatten
uvm.

Premium Mitgliedschaft

2 Monate kostenlos testen