Die Änderungen in der Norm DIN 1986‑100, Ausgabe November 2026, haben den Hintergrund, dass die bisherige Praxis hydraulisch oft zu ungenau war und reale Rückstausituationen nicht korrekt abbildete. Dies ist zum Beispiel bei Gebäuden in Hanglagen der Fall, da dort besondere hydraulische Verhältnisse bestehen.
Weitere Faktoren sind die gestiegenen Wassermengen, die unter anderem durch zunehmende Starkregenereignisse immer häufiger die öffentliche Kanalisation überfordern. Diesen wiederkehrenden Überlastungszuständen soll nun durch eine veränderte Definition von Rückstauebene und Rückstauschleife begegnet werden.
Neue Definition der Rückstauebene
Bisher wurde in der Regel die Straßenoberkante als Rückstauebene festgelegt. Der neue Ansatz lautet: weg von der Straßenoberkante hin zu Entspannungspunkt und Überstauhöhe. Laut Neuformulierung ist die Rückstauebene „der Entspannungspunkt der öffentlichen Abwasseranlage unter Berücksichtigung des zu erwartenden Überstaus“. Was bedeutet das? Der Entspannungspunkt der öffentlichen Abwasseranlage ist der Punkt im Entwässerungssystem (meist ein Schacht/Schachtdeckel), an dem das Wasser im Überlastfall zuerst austreten würde, also die maßgebliche Bezugshöhe im Kanal. Weil das Wasser in der Praxis nicht genau am Schachtdeckel stoppt, sondern noch darüber hinaus ansteigen kann – es bildet sich quasi eine kleine Fontäne –, soll künftig ein Sicherheitszuschlag hinzugerechnet werden.
Die Rückstauebene ist dann keine feste Vorgabe aus der Norm, sondern vom Planer für jedes Projekt individuell zu bestimmen. Maßgeblich sind die örtlichen Kanaldaten vom Netzbetreiber und die nach DIN 1986‑100 anzusetzende Kombination aus Entspannungspunkt und Überstauhöhe, jedoch mindestens 10 cm.
Neue Anforderungen an die Rückstauschleife
Alle Entwässerungsgegenstände im Gebäude, die unterhalb der Rückstauebene liegen, müssen laut Norm über eine Abwasserhebeanlage entwässert werden. Die Druckleitung der Anlage muss in einer Schleife über die Rückstauebene geführt werden, damit bei Rückstau im öffentlichen Kanal kein Abwasser durch die Leitung in das Gebäude zurückgedrückt werden kann.
Die Anforderungen an den Rückstauschutz werden seit Januar 2001 auf europäischer Ebene über die DIN EN 12056‑4 „Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden – Teil 4: Abwasserhebeanlagen; Planung und Bemessung“ geregelt. Die Neufassung der DIN 1986‑100 wirkt sich hier nun noch stärker aus. Mit der nunmehr dritten Überarbeitung seit dem erstmaligen Erscheinen im Jahr 2002 wird gefordert, dass die Rückstauschleife künftig eine Überhöhung von 0,1 m nachweisen muss.
Dabei soll die Nennweite der Druckleitung im Hochpunkt erweitert werden – jedoch spätestens vor dem Übergang in die Freispiegelleitung. Die Aufweitung soll sicherstellen, dass eine Vollfüllung der anschließenden Schwerkraftentwässerung in jedem Fall vermieden wird und sich kein rückwärts wirkender Saugheber einstellen kann.
Für die Planung ergeben sich damit zusätzliche Herausforderungen, gerade in Hinblick auf die Kellerdecke, die manchmal zu tief – auf Niveau der Rückstauebene oder darunter – liegt. Beim Übergang auf die größere Nennweite kommt es zu einem Strömungsabriss, beim weiteren Übergang auf die Sammel- oder Grundleitung darf maximal ein Füllungsgrad h/di = 0,7 erreicht werden.
Wenn der Platz im Gebäude fehlt
Ist die Installation einer Rückstauschleife innerhalb des Gebäudes nicht möglich, weil beispielsweise eine Geschossdecke „im Wege“ ist, kann die Führung der Druckleitung aus dem Gebäude heraus eine Lösung sein. Durch die Außeninstallation bleibt die Schutzfunktion auch bei einem hohen Niveau der Rückstauebene realisierbar, ohne Leitungen durch Decken oder Geschosse führen zu müssen. Dadurch entfallen außerdem die in der Regel notwendigen Brandschutzmaßnahmen bei Deckendurchführungen sowie die zusätzlichen Aufwendungen im Schallschutz hinsichtlich der Strömungsgeräusche in der Druckleitung.
Wichtig bei der Außenaufstellung ist die fachgerechte und frostsichere Installation. Vormontierte, beheizbare Rückstauschleifen, wie etwa ThermoLoop von Jung Pumpen, bieten hier eine komfortable Lösung. Der Hersteller stellt für die Nennweiten DN 50, DN 80, DN 100 und DN 150 vorgefertigte Schleifensets zur Verfügung. Diese sind in Außenschränken untergebracht und können leicht versetzt werden. Der erforderliche Stromanschluss versorgt die integrierte Begleitheizung mit Spannung, sodass der Frostschutz für die Rohrleitung jederzeit gewährleistet ist. Zusätzlich ist im Schrank Platz für ein Pumpensteuergerät.
Alternative Pumpenaufstellung
Kellerräume dienen heute nicht nur als Abstellflächen, sondern werden oft auch als zusätzliche Wohnräume oder für Hobbyzwecke genutzt. Dann ist der Platz unter Umständen zu wertvoll, um dort eine Hebeanlage unterzubringen. In diesen Fällen kann die Pumpentechnik nach draußen verlegt werden. Hier bieten sich nass aufgestellte Pumpaggregate in Schachtbauten an. Durch diese Installation wird zudem der (Not-)Stauraum als Puffervolumen – etwa bei einem Stromausfall – deutlich erhöht.
Sogenannte Behälteranlagen sind laut Einbauvorschriften grundsätzlich für den Einsatz innerhalb von Gebäuden und nicht für den Einbau in Außenschächten vorgesehen. Ein Grund dafür ist die Wartung, die einen vorgeschriebenen umlaufenden Freiraum von 60 cm erfordert, um alle Komponenten optimal erreichen zu können. Dies ist in Schächten schwer zu realisieren. Hebeanlagen sind in der Regel zwar überflutbar, nicht jedoch für den permanent untergetauchten Betrieb konzipiert. Außerdem sind die Schächte oft nicht dicht; eindringendes Grundwasser müsste mit einer zusätzlichen Pumpe getrennt entsorgt werden.
Um die Entwässerung nach draußen zu verlagern, bietet sich vielmehr die Nassaufstellung von Pumpen in dichten Kunststoffschächten an. Die Pumpen lassen sich leicht aus dem Schacht ziehen und die Wartung kann damit größtenteils außerhalb des Schachtes durchgeführt werden. Der Einbau der Steuerung sollte außerhalb des Schachtes in einer Leersäule erfolgen, damit das Wartungspersonal einen direkten Zugang hat und die Betriebszustände der Pumpe bei der Wartung einfach abgleichen kann. Wurde die Rückstauschleife ebenfalls im Außenbereich aufgestellt, kann die Pumpensteuerung in deren Gehäuse untergebracht werden. Die Installation im Gebäude (Technikraum) ist auch möglich – hier muss dem Techniker jedoch Zugang zum Haus gewährt werden.
Fazit
Die neue Norm DIN 1986‑100, Ausgabe November 2026, macht deutlich, dass der Rückstauschutz künftig stärker an den tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten ausgerichtet werden soll. Für Planer bringt das einen erhöhten Aufwand mit sich, da die Rückstauebene objektspezifisch zu ermitteln ist und Rückstauschutzmaßnahmen wie Hebeanlagen und Rückstauschleifen präziser auszulegen sind. Gleichzeitig eröffnen neue technische Lösungen – etwa externe, frostsichere Rückstauschleifen oder nach außen verlagerte Pumpensysteme – zusätzliche Möglichkeiten, auch bei besonderen Einbauverhältnissen normgerecht zu planen und umzusetzen.
- Die überarbeitete DIN 1986‑100 berücksichtigt, dass die bisherige Praxis oft hydraulisch zu ungenau war und reale Rückstausituationen nicht korrekt abbildete. Wiederkehrende Überlastungszustände durch zunehmende Starkregenereignisse sind ein weiterer Faktor.
- Als Rückstauebene gilt künftig nicht mehr die Straßenoberkante, sondern der Entspannungspunkt der öffentlichen Abwasseranlage unter Berücksichtigung des zu erwartenden Überstaus. Der Planer bestimmt sie für jedes Projekt individuell.
- Die Rückstauschleife der Druckleitung ist mit einer Überhöhung von 0,1 m auszuführen. Dabei soll die Nennweite im Hochpunkt erweitert werden (spätestens vor dem Übergang in die Freispiegelleitung), um eine Vollfüllung der anschließenden Schwerkraftentwässerung und einen rückwärts wirkenden Saugheber zu vermeiden.
- Ist die Installation einer Rückstauschleife innerhalb des Gebäudes nicht möglich, kann die Führung der Druckleitung aus dem Gebäude heraus eine Lösung sein. Wichtig ist eine frostsichere Installation, etwa mit vormontierten, beheizbaren Schleifensets.
- Soll der Kellerraum frei von Abwasserpumpentechnik bleiben, können nass aufgestellte Pumpaggregate in dichten Kunststoffschächten außerhalb des Gebäudes untergebracht werden. Sogenannte Behälteranlagen sind dagegen für den Einsatz innerhalb von Gebäuden vorgesehen.
Bild: Jung Pumpen
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