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Nachwuchskräfte

Neues Modell für die ÜBA im SHK-Handwerk

Überbetriebliche Ausbildung ver­än­dert sich: Ein Pilot­pro­jekt zur IH7 zeigt, wie digi­tale Lern­for­mate und Sta­tio­nen­ar­beit Fähigkeiten mess­bar ver­bes­sern.

Links: Inbetriebnahme einer Vaillant-Wärmepumpe. Rechts: Darstellungswechsel: Grundlegende Planung mit Farben.

digi porfessionals

Links: Inbetriebnahme einer Vaillant-Wärmepumpe. Rechts: Darstellungswechsel: Grundlegende Planung mit Farben.

Ende Oktober 2025 wurde ein gemeinsames Pilotprojekt von eLearning Plus, der Handwerkskammer Freiburg und der Firma Vaillant zur überbetrieblichen Ausbildung durchgeführt. Im Rahmen des Bildungsprojekts „learn.SHK” sollte ein Teil des ÜBA-Kurses IH7 „Anlagen und Systeme zur Nutzung erneuerbarer Energien“ digital gestützt und praxisnah realisiert werden. Ziel war es, die Inhalte der ÜBA mit einer Kombination aus E-Learning und Arbeitsstationen umzusetzen. Diese Kombination sollte die Teilnehmenden – Auszubildende und Fachkräfte – befähigen, sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die praktischen Fertigkeiten für den Einsatz von Wärmepumpen in der erneuerbaren Energieversorgung sicher zu beherrschen.

Projektaufbau und praxisnahe Lernstationen

Das Projekt bestand aus drei aufeinander aufbauenden Stationen. In der ersten Station wurden die Teilnehmenden sowohl theoretisch als auch praktisch in die Funktionsweise einer Wärmepumpe eingeführt: Sie lernten den Aufbau der einzelnen Bauteile kennen und konnten das Logph‑Diagramm nachvollziehen, sodass die grundlegenden physikalischen Prinzipien unmittelbar mit praktischen Beispielen verknüpft wurden.

Die zweite Station war der Bereich Inbetriebnahme: Hier stellten die Auszubildenden die Regelungstechnik ein, suchten gezielt nach Fehlern und führten Funktionstests an einzelnen Baugruppen durch, wodurch sie die notwendige Kompetenz zur sicheren Inbetriebnahme einer Wärmepumpe erwarben.

In der dritten Station ging es schließlich um die Montage der Wärmepumpe. Die Teilnehmenden stellten die Außeneinheit auf, verlegten die Vor‑ und Rückrohrungen bis zur Inneneinheit und schlossen die Verteiler‑ und Mischgruppen an, sodass sie den kompletten Montageprozess von der Aufstellung bis zur Anbindung an das Heizsystem eigenständig bewältigen konnten.

Didaktisches Konzept und Mehrwert des Blended Learnings

Das didaktische Konzept für das Pilotprojekt wurde von E-Learning Plus entwickelt. Grundlage war ein sogenanntes Blended-Learning-Modell, das Präsenzübungen mit digitalen Lernangeboten verbindet. Zu jeder Station gab es ein begleitendes Online-Selbststudium, bestehend aus kurzen Video-Tutorials, interaktiven Simulationen und digitalen Checklisten. Ein besonderes Merkmal des Konzepts sind die integrierten Feedbackschleifen: Über die Lernplattform erhalten die Teilnehmenden direktes, individuelles Feedback. So können Fehler und passende Lösungswege unmittelbar festgehalten und nachvollzogen werden. Die Stationen wurden im Rotationsprinzip durchlaufen. Dadurch hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, jede Kompetenz mehrfach zu üben und schrittweise zu festigen.

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Von dieser neuen Art des Lernens erhoffen sich die Projektpartner eine verbesserte Ausbildungsqualität im Bereich der erneuerbaren Energien für SHK-Fachkräfte. Durch die Stationen sollen Kompetenzen von der Grundtheorie bis zur Praxis und Smart-Home-Integration aufgebaut werden. Durch die E-Learning-Module setzen sie auf nachhaltige Lernressourcen, die unabhängig vom Einsatzort und zukünftigen Klassen eingesetzt werden können. Zudem kann durch die Binnendifferenzierung das Lernniveau auf den Stand jedes einzelnen Teilnehmenden angepasst werden.

Möglicher Aufbau des zukünftigen IH7‑Lehrgangs

Stationenlernen trifft Wärmepumpe: Wie digitale Methoden die ÜBA im SHK-Handwerk verändern

Die Anforderungen an die SHK-Ausbildung wachsen rasant. Energiewende, GEG, Wärmepumpe und Digitalisierung stellen Ausbildungsstätten, Ausbilder und Betriebe gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Das Pilotprojekt zur IH7-ÜBA zeigt, wie digitales Lernen und Stationenarbeit die Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) zukunftsfähig machen können. Die Beteiligten ziehen ein klares Fazit: Der Methodenmix funktioniert – und eröffnet neue Perspektiven für die Ausbildung.

Digitale Lernwege für ein komplexes Thema

Für Klaus Huschle, ÜBA-Ausbilder an der Handwerkskammer Freiburg, ist die Richtung klar: „Durch das GEG und die Änderung der Unterweisungspläne rücken Wärmepumpe und CO2-neutrale Heizungssysteme immer stärker in den Fokus der Ausbildung.“ Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Auszubildende und Lehrende. Digitale Selbstlernphasen können hier entlasten. Huschle betont, dass seine Auszubildenden bereits von Beginn an mit Tablets arbeiten: „Ich glaube, dass wir künftig noch stärker auf digitales Selbstlernen setzen müssen.“ Die Kombination aus E-Learning und Praxis zeigte Wirkung – vor allem im Stationenlernen. „Die Teilnehmer waren offen für die neue Lernmethode und haben an den Stationen sehr konzentriert gearbeitet.“ Überrascht habe ihn vor allem die Disziplin der Gruppe – und das Engagement der Projektpartner.

„Blended-Learning-Modell“ für die IH7.

Handwerkskammer Freiburg

„Blended-Learning-Modell“ für die IH7.

Qualität steigern durch Struktur und Methodik

Auch Christoph Hügle, Projektleiter von learn.SHK, sieht in der Digitalisierung großes Potenzial für die ÜBA. Ziel sei es, die Qualität der Kurse weiter zu erhöhen: „Die Mischung aus E-Learning zur Wissensvermittlung und praktischer Anwendung an den Arbeitsstationen hat sehr gut funktioniert.“ Gerade organisatorisch biete das Stationenlernen klare Vorteile. „Man kann in Kleingruppen arbeiten, ohne die komplette Ausstattung mehrfach vorhalten zu müssen.“ Verbesserungspotenzial sieht Hügle dennoch: mehr Methodenvielfalt und gemeinsame Nachbesprechungen könnten das Gelernte noch besser festigen. Besonders wichtig sind für ihn Lernzielkontrollen: „Wir lernen, indem wir Fragen beantworten.“

Digitale Medien als Entlastung für Ausbilder

Aus Sicht von Martin Sommer, Gesellschafter von E-Learning Plus, zeigt das Projekt, wie moderne ÜBA aussehen kann. „Meine Erwartungen waren, Lehrer zu entlasten, Binnendifferenzierung zu stärken und Lernen sichtbarer zu machen.“ Das sei gelungen – auch weil alle Partner an einem Strang gezogen hätten. Besonders bemerkenswert fand Sommer, dass viele Auszubildende erstmals mit dem Thema Wärmepumpe in Berührung kamen. „Die Schüler haben sich mit Inhalten beschäftigt, die sie zuvor noch nie gehört hatten – und das sehr strukturiert.“ Für zukünftige Durchläufe plädiert er für mehr Zeit, klar definierte Vorkenntnisse und einen Basistag zu erneuerbaren Energien. Lernzielkontrollen sieht er dabei als unverzichtbar: „Man könnte sagen, sie sind die KPIs der Lehrer gegenüber den Betrieben.“

Industrie als Ausbildungspartner der Wärmewende

Für Dominique Seeling von Vaillant ist klar: Weiterbildung ist ein zentraler Hebel der Wärmewende. „Wir benötigen eine schnelle Transformation des Lernwesens.“ Das Projekt habe gezeigt, wie digitale Inhalte gezielt eingesetzt werden können, um Lernende auf unterschiedlichen Startniveaus abzuholen. Besonders überzeugt habe ihn die Motivation der Teilnehmer: „Nach einer kurzen theoretischen Phase war bereits viel Wissen aufgebaut.“ Stationenlernen bewertet Seeling als klaren Gewinn: „Aufmerksamkeit, Themenvielfalt und eine bessere Lernatmosphäre – das alles spricht für diese Methode.“ Auch Lernzielkontrollen sieht er positiv, da sie Motivation schaffen und Lernerfolge vergleichbar machen.

Links: Erstellung von Plakaten bzgl. Funktion und Bauteile einer Wärmepumpe. Rechts: Montage einer Anlage in 3er-Teams.

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Links: Erstellung von Plakaten bzgl. Funktion und Bauteile einer Wärmepumpe. Rechts: Montage einer Anlage in 3er-Teams.

Fazit: Ein Modell mit Zukunft

Ob Bildungsstätte, Projektträger, Medienanbieter oder Industriepartner – alle Beteiligten sind sich einig: Die Kombination aus digitalem Lernen, Stationenarbeit und Lernzielkontrollen ist ein tragfähiges Modell für die SHK-Ausbildung von morgen. Sie entlastet Ausbilder, fördert selbstständiges Lernen und macht komplexe Themen wie die Wärmepumpe praxisnah beherrschbar. Oder, wie es ein Beteiligter treffend formuliert: „Mit weniger Geräten mehr Wissen vermitteln – und dabei die Qualität der Ausbildung nachhaltig verbessern.“ ■
Quelle: digi professionals / ml

Von links: Dennis Jäger und Martin Sommer.

digiprofessionals / SBZ

Von links: Dennis Jäger und Martin Sommer.

15-Minuten-Podcast „Das Handwerk: Macht kurze Prozesse“

Digitalisierung im Handwerk – verständlich, praxisnah und direkt umsetzbar. In unserem Podcast erklären wir jeden Freitag in rund 15 Minuten, wie Handwerksbetriebe ihre Prozesse optimieren und digital besser aufstellen können.

Chefredakteur Dennis Jäger (SBZ) und Martin Sommer (E-Learing Plus & digi professionals GmbH) stellen spannende Lösungen vor, geben konkrete Tipps und am Ende einer jeder Folge gibt es eine kleine „Hausaufgabe“, damit das Gehörte direkt in die Praxis übertragen werden kann.

Und das Beste: In unserem WhatsApp-Kanal beantworten wir Fragen zu den behandelten Themen und stellen ergänzende Material bereit. Den Link zum WhatsApp-Kanal gibts auf der Podcast-Seite (nach unten scrollen).

🎧Hier gehts zum Podcast

FAQ zum Konzept für die Überbetriebliche Ausbildung im SHK-Handwerk

Was ist überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) im (SHK-)Handwerk?
Die überbetriebliche Ausbildung ergänzt die betriebliche Ausbildung durch praxisnahe Lehrgänge, die spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln, etwa zu Anlagen und Systemen erneuerbarer Energien.

Was bedeutet Blended Learning oder integriertes Lernen?
Blended Learning kombiniert Präsenzübungen mit digitalen Lernangeboten wie Video-Tutorials, Simulationen und digitalen Checklisten, sodass Theorie und Praxis effektiv miteinander verknüpft werden.

Welche Rolle spielt E-Learning in der ÜBA?
E-Learning-Module unterstützen das Selbststudium, bieten individuelles Feedback und ermöglichen den Auszubildenden, Lerninhalte flexibel und ortsunabhängig zu vertiefen.

Was ist Stationenarbeit und wie wird sie eingesetzt?
Stationenarbeit bedeutet, dass Lernende verschiedene praktische und theoretische Aufgaben an mehreren Stationen durchlaufen, wodurch sie Kompetenzen wie Montage, Inbetriebnahme und Fehlerdiagnose systematisch aufbauen und festigen.

Welche Vorteile bietet das neue didaktische Konzept für Auszubildende und Fachkräfte?
Das Konzept fördert selbstständiges Lernen, passt sich dem individuellen Lernniveau an, entlastet Ausbilder und macht komplexe Themen wie Wärmepumpen praxisnah beherrschbar.