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Ist die Bundespolitik ein Hemmschuh der Wärmewende im SHK-Handwerk?

Pro

Wer wissen will, wie sich eine Wärmewende maximal verkomplizieren lässt, muss nicht lange suchen: Ein Blick nach Berlin genügt. Erst wurden neue BEG-Förderbedingungen aus wahltaktischen Gründen ins Schaufenster gestellt, dann wurde vor Kurzem das KfW-Portal quasi über Nacht zum digitalen Sperrgebiet. Für Betriebe und Kunden bedeutete das: Angebote nachrechnen, Förderlogik neu erklären, Termine verschieben und dabei bitte weiterhin den Eindruck vermitteln, alles sei unter Kontrolle. Planungssicherheit? Klingt nett, wäre politisch aber offenbar zu geradlinig. Auch das neue GModG sorgt nicht gerade für Zufriedenheit. Gas und Öl erhalten wieder mehr Spielraum, während paradoxerweise gleichzeitig erneuerbare Energien zunehmend als Retter des Klimas anerkannt werden. Leider hält sich in Teilen der Bundesbevölkerung immer noch z. B. die Ansicht, eine Wärmepumpe sei eine Zumutung fürs Eigenheim. Politiker wie Jens Spahn haben die Heizungsmodernisierung über Jahre mit Lautstärke begleitet und kleingeredet. Für sachliche Debatten über Gebäudezustand, Effizienz, Strompreise und soziale Härten war kein Platz. Statt sich auf einen verlässlichen, langfristigen Plan zu verständigen, arbeitet sich der Berliner Politikbetrieb weiter am Berliner Politikbetrieb ab. Das SHK-Handwerk soll derweil beim Kunden Zuversicht ausstrahlen, obwohl Regeln, Förderungen und politische Botschaften so unbeständig sind wie das Wetter an der Nordseeküste. „Hemmschuh“ ist deshalb fast schmeichelhaft. Vieles wirkt eher wie eine schwere Eisenkugel an rostiger Kette. Und mit der am Bein soll das Handwerk dann bitte fröhlich beim Kunden vortanzen.


Kontra

Die Bundespolitik hat die Wärme­wende nicht nur ausgebremst, auch wenn das oft so wirkt. Wenn man den Zeitbogen weiter spannt, bleibt die Erkenntnis: Die Wärmwende wurde in wichtigen Bereichen auch beschleunigt. Die Konzentration auf erneuerbare Energien im Heizungskeller hat die Wärmepumpe aus ihrer Nischen­rolle geholt. Sie ist heute in der breiten Öffentlichkeit bekannt, wird kontrovers diskutiert und ist für viele Eigentümer zu einer konkreten Handlungsoption geworden. Mehrere Hunderttausend verkaufte Anlagen jährlich zeigen: Das Thema hat den Markt erreicht, deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren. Auch die jüngsten Kapriolen bei den Förderbedingungen hatten und haben einen bemerkenswerten Nebeneffekt. Sie haben die Rolle des SHK-Handwerks als fachlich glaubwürdiger Berater gestärkt. Wer Förderung, technische Möglichkeiten, Gebäudesituation, Kosten und Wirtschaftlichkeit zusammenbringen kann, schafft echten Mehrwert. Kunden wissen inzwischen: Eine tragfähige Heizungsentscheidung fällt nicht in einer politischen Talkshow, sondern im Gespräch mit einem qualifizierten Fachbetrieb. Das neue GModG unterstreicht zudem eine unbequeme, aber hilfreiche Erkenntnis: Auf eindeutige politische Vorgaben ist nur bedingt Verlass. Daraus kann das Handwerk Eigenständigkeit gewinnen. Innungen, Landesfachverbände und der Zentralverband treten geschlossener und vernehmbarer auf als lange Zeit zuvor. Die Bundespolitik ist damit kein klassischer Hemmschuh. Eher ein unfreiwilliger Trainingspartner: nicht immer verlässlich, aber geeignet, das SHK-Handwerk beweglich, ausdauernd und selbstbewusst zu machen.

Katrin Drogatz-KrämerSBZ-Redakteurin

Bild: SBZ

Katrin Drogatz-Krämer
SBZ-Redakteurin

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