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Wie Directpool regionale SHK-Betriebe digital stärkt

SBZ: Herr Kühn, was ist Directpool für SHK-Unternehmer, die Wärmepumpen installieren?

Timo Alexander Kühn: Directpool ist eine digitale Infrastruktur, auf der wir Profis mit Profis vernetzen: Installationsbetriebe auf der einen, qualifizierte Beratungspartner auf der anderen Seite. Dazu zählen Energieberater, Bausachverständige, freie Vertriebspartner oder Vertriebsorganisationen. Unser Fokus liegt auf Wärmepumpen und Photovoltaik; perspektivisch können auch weitere energetische Maßnahmen wie Dach, Fassade oder Dämmung hinzukommen. Für SHK-­Betriebe soll das ein strukturierter Vertriebsweg sein – nicht bloß ein Portal mit unverbindlichen Kontaktdaten.

SBZ: Welche Rolle spielen die Beratungspartner bei Directpool?

Kühn: Beratungspartner können Energie­berater, Bausachverständige, freie Vertriebspartner oder Installateure mit eigenem Vertrieb sein. Sie beraten Eigentümer vor Ort, erfassen Gebäude- und Projektdaten digital und erstellen daraus objektspezifische Angebote aus dem Netzwerk. Sie bringen ihre eigenen Kundenkontakte mit und arbeiten selbstständig, nicht als Handelsvertreter oder weisungsgebundene Mitarbeiter von Directpool. Wir stellen Plattform, Angebotslogik und Netzwerk bereit. Bei Wärmepumpen können Energieberater für Förderung, Heizlastberechnung und hydraulischen Abgleich hinzukommen.

SBZ: Große, digital starke Anbieter prägen den Markt für Wärmepumpen und PV. Wie hilft Directpool regionalen SHK-Betrieben im Wettbewerb?

Kühn: Der regionale Fachbetrieb braucht sich nicht zu verstecken, er braucht aber professionelle Werkzeuge für Beratung, Angebot und Vertrieb. Unser wichtigster Unterschied ist: Wir bilden jeden Installationsbetrieb mit seinen Produkten, Preisen, Margen, Kapazitäten, Zahlungsbedingungen und Einsatzgebieten als digitalen Zwilling ab. So entsteht genau das individuelle Angebot, das der Betrieb selbst erstellt hätte. Der Betrieb gibt dabei weder seine Eigenständigkeit noch seine Marge ab. Er bleibt Vertragspartner des Kunden und entscheidet, welche Aufträge er annimmt. Seine handwerkliche Qualität, Nähe und Verlässlichkeit werden durch digitale Prozesse und ein Netzwerk ergänzt. So muss nicht jeder Betrieb selbst eine große Vertriebsorganisation aufbauen.

Kein seriöser ­Heizungsbauer sollte einen Auftrag blind durchwinken.

Timo Alexander Kühn, Directpool

Bild: directpool

SBZ: Sie betonen: Directpool sei kein Lead-­Portal. Trotzdem kommen Kundenkontakte über die Plattform. Wo liegt der Unterschied?

Kühn: Wir generieren, verkaufen oder versteigern keine Leads. Der Beratungspartner bringt seinen eigenen Kundenkontakt mit, etwa aus Empfehlungen, Eigenwerbung oder seinem Netzwerk. Er nutzt Directpool als Beratungs-, Angebots- und Abwicklungswerkzeug. Ein Lead ist oft nur eine Adresse mit vagem Interesse. Der Installateur erhält bei uns dagegen einen vollständig dokumentierten, auf seiner Kalkulation basierenden und vom Endkunden bereits angenommenen Vorgang. Die abschließende technische und kaufmännische Prüfung sowie die Entscheidung bleiben selbstverständlich beim Betrieb.

SBZ: Wann entsteht dieser Auftrag? Der Installateur soll nach der Kundenunterschrift noch prüfen und ablehnen können.

Kühn: Das muss man sauber trennen. Die Unterschrift dokumentiert zunächst die Annahme eines auf erhobenen Daten und der individuellen Kalkulation des Betriebs basierenden Angebots. Vor der verbindlichen Umsetzung prüft der Installateur den Vorgang technisch und kaufmännisch – telefonisch oder, wenn nötig, vor Ort. Der Vertrag über die handwerkliche Leistung kommt zwischen Endkunde und Installateur zustande, nicht mit Directpool. Wir sind keine Vertragspartei und erbringen keine Werkleistung. Die abschließende Entscheidung, ob und zu welchen Bedingungen der Betrieb den Auftrag übernimmt, bleibt beim Installateur.

SBZ: Sind unterschriebene Aufträge damit kein Ersatz für die fachliche Prüfung durch Betriebe?

Kühn: Exakt. Kein seriöser Heizungsbauer sollte einen Auftrag blind durchwinken, weil er digital vorbereitet wurde. Unser Anspruch ist, Datenerhebung und Prozesssicherheit zu verbessern. Die Verantwortung für Planung, Ausführung und Annahme liegt aber beim ausführenden Betrieb. Wir wollen dem Handwerk nicht den Meister ersetzen, sondern verhindern, dass er bei einem Projekt jedes Mal wieder bei null anfangen muss.

SBZ: Sie sprechen von individuellen Festpreisangeboten. Wie passt das zum Bauen im Bestand, wenn Zusatzaufwand oft erst vor Ort sichtbar wird?

Kühn: Ein Festpreis braucht eine belastbare Datengrundlage. Deshalb werden Bestandstechnik, Fotos, Maße und weitere Projektdaten vor Ort digital erfasst. Das Angebot soll so objektspezifisch wie möglich sein und keine bloße Konfigurator-Pauschale. Sonderfälle wird es trotzdem geben: zusätzliche Kabelwege, Wanddurchbrüche, Fundamentarbeiten oder Eigenleistungen des Kunden. Solche Positionen lassen sich ändern. Wichtig ist: Eingriffe in das Angebot müssen mit dem Installateur abgestimmt und nachvollziehbar dokumentiert sein.

Uns interessieren Betriebe, die sauber arbeiten, Endkunden ernst nehmen und langfristig am Markt bestehen wollen.

SBZ: Welche Rolle übernimmt Directpool selbst im Prüfprozess?

Kühn: Wir prüfen die Unterlagen als Plattformbetreiber auf Vollständigkeit und Plausibilität. Danach folgt die fachliche Kontrolle durch den Installateur. Bei Wärmepumpen können zusätzlich Energieberater für Heizlastberechnung, hydraulischen Abgleich und Förderthemen eingebunden werden. Wir sprechen von einem Mehr-­Augen-Prinzip: Der Beratungspartner dokumentiert, ­Directpool prüft, der Betrieb bewertet fachlich und gegebenenfalls ergänzt der Energieberater. So sollen Fehler früher auffallen und Schnittstellen zwischen Beratung, Förderung und Ausführung besser funktionieren.

SBZ: Sie bezeichnen die Beratung als unabhängig. Zugleich arbeiten Berater mit bestimmten Betrieben zusammen und können beim Cross-Selling Vergütungen erhalten. Wie passt das zusammen?

Kühn: Unabhängig heißt für uns zunächst: nicht an einen Hersteller oder einen einzelnen Installateur gebunden. Berater sollen nicht eine Marke empfehlen müssen, nur weil ihr Portfolio nichts anderes zulässt. Natürlich lebt ein Netzwerk von Vertrauen. Ein Berater wird Betriebe bevorzugen, deren Arbeit er kennt und denen er eine gute Umsetzung zutraut. Das ist im Handwerk sinnvoll. Entscheidend ist Transparenz: Rollen, Abrechnung und mögliche Vergütungen für Vermittlung oder Cross-Selling müssen im jeweiligen Prozess klar sein.

SBZ: Nach welchen Kriterien wählen Sie Installationsbetriebe aus?

Kühn: Wir wollen keine beliebige Masse auf die Plattform holen. Uns interessieren Betriebe, die sauber arbeiten, Endkunden ernst nehmen und langfristig am Markt bestehen wollen. Wir prüfen unter anderem Marktpräsenz, wirtschaftliche Stabilität, Leistungsumfang und technische Standards. Bei Wärmepumpen achten wir etwa auf zukunftsfähige Kältemittel, eine nachvollziehbare hydraulische Auslegung und die Fähigkeit, Projekte gewerkeübergreifend umzusetzen – von Elektro­arbeiten über Fundamentbau bis zur Heizungsinstallation. Das sind unsere Plattformstandards, kein allgemeingültiger Königsweg.

SBZ: Ein SHK-Unternehmer mit funktionierendem Eigenvertrieb könnte fragen: Brauche ich das?

Kühn: Gerade dann kann es interessant sein. Der Betrieb kann Directpool im Eigenvertrieb für digitale Gebäudedaten, Angebotsprozesse, Förderthemen und Dokumentation nutzen. Wer beispielsweise stark bei Wärmepumpen ist, kann dem Kunden bei Bedarf auch eine PV-Lösung über einen geprüften Partner anbieten – oder umgekehrt. Kunden holen mehrere Angebote ein. Die Frage lautet: Gebe ich nur mein Angebot ab und hoffe, dass es reicht? Oder führe ich den Beratungsprozess professionell, decke das Gesamtprojekt ab und zeige transparent, was ich selbst leiste und wo ein Partner ergänzt?

SBZ: Was kostet die Teilnahme?

Kühn: Einstieg und digitales Betriebsprofil sind zunächst kostenfrei. Wir bilden Produkte, Preise, Margen, Regionen, Kapazitäten, Zahlungsbedingungen, Einsatzgebiete und weitere Parameter des Betriebs ab. Der Betrieb behält die Kontrolle und kann seine Daten selbst anpassen. Kosten entstehen erst, wenn ein Betrieb seinen ersten Auftrag annimmt. Ab diesem Zeitpunkt fällt eine monatliche SaaS-Gebühr von 1000 Euro netto an. Diese Vereinbarung kann jederzeit ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von vier Wochen gekündigt werden. Es gibt keine Vorkasse für vage Auftragsversprechen und keine Beteiligung an der Marge des Installateurs.

SBZ: Herr Kühn, besten Dank für die Einblicke.

Info: Das ist Directpool

Directpool ist eine digitale Plattform für Projekte rund um Wärmepumpen, Photovoltaik und weitere energetische Sanierungsmaßnahmen. Sie vernetzt Installationsbetriebe mit Vertriebspartnern, Energieberatern und weiteren Fachleuten. Beratungspartner erfassen Gebäudedaten digital; Installateure erhalten daraus dokumentierte Projektanfragen und prüfen diese vor der verbindlichen Auftragsbestätigung. Directpool selbst erbringt keine handwerklichen Leistungen und wird nicht Vertragspartner des End­kunden – der Vertrag kommt zwischen Endkunde und Installateur zustande.

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