Pro
Während in den vergangenen Jahren die Heizung das treibende Gesprächsthema der SHK-Branche war, wird sie zunehmend auf die hinteren Plätze verdrängt. Vor allem das Geschäft mit dem Bad nimmt an Schwung zu. Die aktuelle Lage zeigt, dass der Heizungsmarkt strukturell unter Druck steht: Absatzzahlen für Heizsysteme 2025 sind auf historisch niedrige Werte gesunken, insbesondere bei Gas- und Ölheizungen, während Wärmepumpen wachsen. Gleichzeitig verzeichnen Komplettbäder und Teilsanierungen von Bädern eine steigende Nachfrage. Gerade der letztgenannte Punkt zieht: Eigentümer investieren zunehmend punktuell in Dusche, Waschbecken oder Badmöbel, ohne das gesamte Badezimmer zu erneuern. Der Aufschwung im Badbereich zeigt sich auch auf den Fachmessen der Branche: Auf Veranstaltungen wie der SHK+E in Essen und der IFH/Intherm in Nürnberg sind wieder deutlich mehr Hersteller und Anbieter von Badkeramik und Sanitärarmaturen präsent, was die wachsende Bedeutung des Segments unterstreicht. Marktdaten belegen, dass das Badsegment innerhalb der SHK-Branche derzeit konjunkturell stabiler ist als der traditionelle Heizungsmarkt, mit positivem Geschäftsklima und Wachstumspotenzial im Fachhandel sowie im Produktmarkt. Vor allem die Nachfrage nach barrierefreien und modernen Lösungen treibt den Umsatz. Das Badgeschäft läuft der Heizung nicht komplett den Rang ab, gewinnt aber deutlich an wirtschaftlicher Bedeutung, nicht zuletzt durch Teilsanierungen, Modernisierungstrends und die wieder stärkere Präsenz von Herstellern auf Fachmessen. Damit wird der Badbereich zunehmend zu einem zentralen Wachstumstreiber innerhalb der SHK-Branche, während die Heizungssparte strukturell und technologisch transformiert werden muss.
Kontra
Die Behauptung, das Badgeschäft laufe der Heizung den Rang ab, greift zu kurz. Sie berücksichtigt nicht die strukturellen Hintergründe des Heizungsmarktes. Der derzeitige niedrige Absatz von Wärmeerzeugern in Deutschland ist teilweise auf Vorzieheffekte im Jahr 2023 zurückzuführen: In diesem Zeitraum wurden außergewöhnlich viele Heizungen verkauft und eingebaut, um von Förderungen und regulatorischen Vorgaben zu profitieren. Oder eben, um schnell noch mal an neue Gas- und Ölgeräte zu gelangen. Die aktuell rückläufigen Zahlen spiegeln also nicht nur einen Nachfragerückgang wider, sondern auch die natürliche Sättigung nach einem starken Vorjahresgeschäft. Zudem hemmt nach wie vor die Investitionszurückhaltung der Verbraucher, die aus der politischen Unsicherheit rund um das Gebäudemodernisierungsgesetz (aka Gebäudeenergiegesetz aka Heizungsgesetz) resultiert. Solange die Bundesregierung in Berlin die Rahmenbedingungen und Fördermechanismen nicht klar und verbindlich festlegt, zögern viele Haushalte, in neue Heizsysteme zu investieren. Sobald diese Unsicherheiten beseitigt werden, ist eine Normalisierung des Heizungsabsatzes zu erwarten, unterstützt von der weiterhin notwendigen Modernisierung bestehender Heizsysteme. Vor diesem Hintergrund bleibt die Heizung nach wie vor ein zentraler Wachstumstreiber der SHK-Branche. Zwar gewinnt das Badsegment an Bedeutung, insbesondere durch Sanierungen und Teilsanierungen, doch langfristig wird die Heizungssparte nicht auf die hinteren Plätze verdrängt, sondern erlebt nach der aktuellen Delle wieder eine stabile Nachfrage. Sowohl technologisch (Wärmepumpen, Hybridlösungen) als auch wirtschaftlich.
Bild: SBZ