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Kunststoffrohrverband

Kunststoffrohre: Besorgnis wegen Rohstoffengpässen

Die Wertschöpfungskette der Kunststoffrohr-Industrie – an deren Ende die Hersteller von Kunststoffrohren, -bauteilen und -fittings stehen – ist aktuell neben einer stark eingeschränkten Verfügbarbarkeit von Rohstoffen und Rohrwerkstoffen auch von signifikanten Preissteigerungen auf alle Stufen der Wertschöpfung für Kunststoffrohre aus den Werkstoffen PE, PP und PVC konfrontiert.

Die Kunststoffrohr-Hersteller kämpfen aktuell mit einer stark eingeschränkten Verfügbarbarkeit von Rohstoffen und signifikanten Preissteigerungen.  

EKH-Pictures / iStock / Getty Images Plus

Die Kunststoffrohr-Hersteller kämpfen aktuell mit einer stark eingeschränkten Verfügbarbarkeit von Rohstoffen und signifikanten Preissteigerungen.  

Die Kunststoffrohr-Industrie blickt mit großer Besorgnis auf drohende Rohstoffengpässe und die Vielzahl von Force-Majeure-Meldungen (höhere Gewalt), die Rohstoffhersteller in den letzten Wochen für PP, PE und PVC ausgerufen haben.

Nach Angaben des Kunststoffrohrverbands (KRV) bestehen aktuell extreme Herausforderungen in allen Bereichen der Lieferkette bei Kunststoffrohren, -bauteilen und -fittings. Laut KVR arbeiten alle Beteiligten unter Hochdruck daran, Risiken für ihre Kunden zu minimieren, weisen aber auch auf den erheblichen wirtschaftlichen Druck hin, der die gesamte Branche belastet.

Vielfältige und vielschichtige Gründe

Die Gründe für die aktuell so angespannte Lage der Kunststoff-Verarbeiter sind vielfältig und vielschichtig zugleich: Die Covid-19-Pandemie führte weltweit zu einem Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage von Kunststoffprodukten. Dieses resultiert vornehmlich daraus, dass Asien, speziell China, bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist und die Nachfrage nach Rohstoffen dort entsprechend früher als in Europa oder den USA gestiegen ist.

Dies hatte nicht nur einen erheblichen Abfluss von Rohstoffen in den asiatischen Raum zur Folge, sondern führte zudem zu einem sehr starken Anstieg der Fracht- und Logistikkosten, die die Branche nach wie vor belasten. Verschärft wurde die Situation Anfang 2021 durch massive Anlagenausfälle auf Seiten der Rohstoffhersteller infolge des Wintereinbruchs in weiten Teilen der USA. Bis heute ist die Belieferung europäischer Kunden mit Produkten aus den USA nachhaltig beeinträchtigt.

Weiteren Druck auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen bringen zudem die geplanten, technisch erforderlichen oder regulatorisch vorgeschriebenen Wartungsarbeiten in europäischen Anlagen sowie die Force-Majeure-Meldungen zahlreicher Kunststoff-Hersteller, die Produktionsausfälle und damit Lieferengpässe in erheblichem Ausmaß befürchten lassen.

Ursachen der Preissteigerungen in der Kunststoffrohr Industrie

Die Ursachen der Preissteigerungen im Bereich der Kunststoffrohr-Industrie sind deshalb laut KVR nicht monokausal zu begründen, sondern das Ergebnis mehrerer, zusammenwirkender Aspekte, die sich in ihrer Gesamtschau wie folgt darstellen:

Rohstoffe / Ausgangsstoffe (Naphtha): Ein entscheidender Faktor ist die Preissteigerung im Bereich der Ausgangsstoffe. Durch die Prozesse in den Raffinerien werden Produkte wie Ottokraftstoff, Dieselkraftstoff, Heizöl oder Kerosin gewonnen. Parallel fallen für die chemische Industrie Rohstoffe wie Flüssiggas, Naphtha und Mitteldestillat an. Da der Bedarf an Automobil-Kraftstoffen und Kerosin in den letzten Monaten u. a. aufgrund der Coronavirus-Krise gesunken ist, haben sich auch die Produktionsmengen für Naphtha (als Rohstoff für die Kunststoffproduktion) nach unten entwickelt, was eine Preissteigerung zur Folge hatte.

Zwischenprodukte (Monomere): Aufgrund der Preissteigerungen bei den petrochemischen Ausgangsstoffen / Rohstoffen (Naphtha) für die Kunststoffherstellung sind beispielsweise auch die Kosten für Ethylen, dem Zwischenprodukt für Polyethylen und Polyvinylchlorid, sowie für Propylen, dem Zwischenprodukt für Polypropylen, entsprechend gestiegen. Im ersten Quartal 2021 im zweistelligen Prozentbereich.

Rohrwerkstoffe (Polymere): Infolge der Preiserhöhungen bei den Rohstoffen und Zwischenprodukten sind im ersten Quartal 2021 auch die Preise für Rohr-Kunststoffe in Europa durchweg stark gestiegen. Dies gilt neben PE, PP und PVC auch für andere Rohrwerkstoffe.

Einsatz von Rezyklaten: Da ein Ausweichen auf Recyclingmaterialien für Kunststoffrohranwendungen nur begrenzt möglich ist, können die Preissteigerungen auch nicht durch das Ausweichen auf Alternativmaterialien wie Rezyklaten abgefedert werden. Denn für viele sicherheitsrelevante Druckanwendungen verhindern gesetzliche Sicherheitsvorschriften, technische Regelwerke und hohe Qualitätsanforderungen derzeit einen breiteren Einsatz von Rezyklaten. Auch sind Rezyklate vielfach noch nicht in ausreichenden Mengen in gleichbleibender Qualität verfügbar. Dies hat zur Folge, dass die Preissteigerungen die Kunststoffrohr-Industrie stark treffen.

Logistik: Hinzukommt, dass der Einbruch des Welthandels zu Beginn der Covid-19-Pandemie und die im 4. Quartal 2020 sprunghaft wieder angestiegene Nachfrage zu teils chaotischen Situationen im Frachtgeschäft geführt haben: Vielfach fehlt es an Containern, die infolge der Pandemie in den falschen Häfen gestrandet sind. Das knappe Angebot und die starke Nachfrage nach Frachtkapazitäten haben beispielsweise die Containerpreise auf der Strecke Asien-Europa seit Ende 2020 um mehr als 400 % ansteigen lassen. Importe von Rohstoffen oder Rohrsystemen können die Produktionsausfälle in Europa nicht ausgleichen. ■

Siehe auch:
ZVSHK – Exorbitante Preissteigerungen: Es reicht!
● ZDB – Materialengpässe und Preissteigerungen befürchtet