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Booster für smartes Energiemanagement

SBZ: Herr Meir, die Novellierung des § 14a ­EnWG hat die Branche ordentlich auf Trab gebracht. Wie wird die Neuregelung in Ihrem Hause konkret umgesetzt?

Dominik Meir: Bereits im Vorfeld von § 14a war uns schnell klar, dass wir unsere Geräte softwareseitig komplett neu denken müssen. Die neuen Vorgaben verlangen, dass Netzbetreiber den Strom nicht mehr zeitweise einfach abschalten können, sondern dass nur die Leistung reduziert wird. Wir haben deshalb in rund zwei Jahren Entwicklungsarbeit und intensiven Testphasen ­eine neue Software entwickelt. Mit einer markt­offenen Lösung können wir unsere Wärmepumpen nun dimmen – auch rückwärtskompatibel lassen sich unsere CHA- und FHA-Wärmepumpen updaten. Gleichzeitig haben wir den elementaren Kommunikationsbaustein EEBus für die vernetzte Zukunft in unser Link-Home-Schnittstellenmodul integriert.

Damit haben wir einen echten Meilenstein erreicht: Unsere beiden Wärmepumpenserien kommunizieren jetzt standardisiert und herstellerunabhängig mit Energiemanagern, Smart- ­Meter-Gateways und der Steuertechnik von Messstellenbetreibern. Konkret unterstützen sie die zentralen EEBus-Anwendungsfälle MPC (­Monitoring of ­Power) und LPC (Limitation of Power ­Consumption), die als Grundlage für die Umsetzung der Vorgaben aus § 14a EnWG dienen.

SBZ: EEBus gilt als Schlüsselelement zur Energie­zukunft und zur Umsetzung des § 14a EnWG. ­Erklären Sie bitte den Begriff – für viele ist er ein sehr technisches Schlagwort.

Meir: EEBus ist ein herstellerübergreifendes Kommunikationsprotokoll, das Energiegeräte im Haus – also Wärmepumpen, Photovoltaik­anlagen, Batteriespeicher oder Wallboxen – miteinander vernetzt. Der große Unterschied zu den bisherigen Standards wie SG-Ready liegt in der bidirektionalen Kommunikation. Das heißt: Die Geräte können nicht nur Befehle empfangen, sondern auch zurückmelden, wie viel Leistung sie aufnehmen. Das Energiemanagementsystem (EMS) weiß dann, wer gerade wie viel Energie zieht, und intelligente Energiemanager können das in ihre Prognose einfließen lassen. Dadurch lässt sich das Zusammenspiel deutlich effektiver regeln.

Energiemanagement wird der Standard. In Zukunft wird kaum noch jemand ­eine Wärmepumpe ohne ­Energie­manager ­installieren. Die Systeme werden immer ­smarter, vernetzter und transpa­renter.

Dominik Meir, Technischer Schulungs­referent bei Wolf

Die Integration von EEBus ist sehr einfach: Über die Internetschnittstelle Link Home und das Smartset Portal kann die Wärmepumpe unkompliziert mit dem Energiemanager oder Smart-­Meter-­Gateway verbunden werden. Dafür braucht es keine zusätzliche Hardware oder Verkabelung. Unsere Wärmepumpen sind auch ohne EEBus über den EVU-Kontakt leistungsdimmbar. In vielen Fällen können wir dafür das Software-Update sogar per Fernwartung umsetzen, und ältere Geräte lassen sich mit einem Serviceeinsatz auf den neuen Stand bringen.

SBZ: Was bedeutet Leistungsdimmung technisch gesehen und was unterscheidet sie von der alten Sperre durch die Energieversorgungsunternehmen?

Meir: Früher wurde bei einer Netzüberlastung vom Betreiber über die EVU-Sperre die Wärmepumpe oft dreimal am Tag für zwei Stunden komplett abgeschaltet. Das war weder kundenfreundlich noch effizient, weil jedes Hochfahren Energie kostet. Jetzt darf die Leistung nur noch reduziert werden. Die Netzbetreiber müssen dabei jeden Dimmvorgang protokollieren und begründen.

Der Vorteil bei unseren Wärmepumpen ist, dass in den allermeisten Anwendungsfällen die Verdichterleistung überhaupt nicht angefasst werden muss, es wird lediglich der E-Heizstab blockiert. Dadurch bleibt die Wärmebereitstellung stabil und es wird verhindert, dass die Wärme­pumpe taktet.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist, dass es in ­einigen Regionen bisher gängige Praxis war, Wärme­pumpenanträge abzulehnen, weil das Netz die zusätzliche Last nicht aufnehmen konnte. Nun dürfen Wärmepumpen nicht mehr abgelehnt werden, wenn sie §-14a-konform dimmbar sind. Das ist ein echter Fortschritt im Sinne der Wärme­wende.

Bereits im Vorfeld von § 14a EnWG war uns schnell klar, dass wir unsere ­Geräte softwareseitig ­komplett neu denken müssen.

SBZ: In der technischen Weiterentwicklung wird oftmals ein Mehrwert bei der Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik gesehen. Wie beurteilen Sie das?

Meir: Das ist ein absoluter Mehrwert! Dank der EEBus-Schnittstelle wird auch die PV-Überschussnutzung über ­OHPCF (Optimization of Self Consumption by Heat Pump Compressor ­Flexibility) möglich. Das bedeutet, dass das Energie­managementsystem sowohl mit PV als auch mit der Wärmepumpe kommunizieren kann. Überschüssiger Solarstrom lässt sich so gezielt für die Wärmeerzeugung nutzen, anstatt ins Netz eingespeist zu werden. Das steigert den Eigenverbrauch und reduziert Stromkosten. Daran sind Endkunde und Fachhandwerk gleichermaßen interessiert, denn alle wollen das Optimum aus dem Gesamtsystem herausholen.

SBZ: Also kann man die Novellierung des § 14a und EEBus als Katalysatoren für das smarte Energiemanagement betrachten?

Meir: Ja, die gesetzlichen Vorgaben haben die Entwicklung in der Branche enorm beschleunigt. Auch für uns war das ein zusätzlicher Antrieb, die Systeme intelligenter, vernetzter und marken­offen zu gestalten. Man kann durchaus sagen – das war ein echter Booster für smartes Energiemanagement. Und EEBus eröffnet ganz neue Möglichkeiten, um die Energieflüsse im gesamten Gebäude zu optimieren. Das ist klar die Richtung, in die sich die Gebäudetechnik entwickelt.

SBZ: Wie nehmen Sie Ihre Fachhandwerkspartner auf diesem Weg mit?

Meir: Wir haben neben der Software ein umfassendes Schulungskonzept entwickelt. Unser Außen­dienst wird zweimal im Jahr intensiv geschult, zusätzlich gibt es monatliche Info-Runden. Auch der Außendienstservice und unser Callcenter wurden auf die neuen Softwarefunktionen und Updateprozesse vorbereitet, um Endkunden und Fachhandwerk kompetent beraten zu können. Unsere Servicetechniker können viele Updates direkt vor Ort oder per Fernzugriff durchführen und unterstützen bei der Integra­tion in bestehende EMS-Umgebungen. Wir stellen zudem auf unserer Website und im Downloadcenter praxisorientiertes Informationsmaterial zur Verfügung.

EEBus ist ein herstellerübergreifendes Kommunikationsprotokoll, das Energiegeräte im Haus miteinander vernetzt.

Wie sehr das Thema Energiemanagement die Branche bewegt, hat auch unser Fachhandwerker-Webinar mit über 350 Teilnehmenden gezeigt, das wir auf unserer Website und unserem Youtube-Kanal veröffentlicht haben. Im Rahmen unserer Wärmepumpenzertifizierung zum Fachpartner und in den weiterführenden Rezertifizierungsseminaren sind § 14a und EEBus ebenfalls feste Bestandteile.

SBZ: Sie sagten, dass Sie die Systeme markenoffen halten wollen. Einige Hersteller arbeiten bei Energiemanagementsystemen dagegen mit festen Partnern. Was steckt hinter Ihrer Strategie?

Meir: Die Intention war von Anfang an, dass unsere Wärmepumpen sich mit allen gängigen Energiemanagementsystemen kombinieren lassen, was gerade für Bestandsanlagen ein großer Vorteil ist. Wir wollen unseren Kunden keine Marke vorschreiben. Es gibt Anbieter, die für die EEBus-­Kompatibilität Zusatzmodule für mehrere Hundert Euro verlangen oder auf feste Kooperationsverträge setzen. Bei uns ist die Schnittstelle serienmäßig integriert – ohne Zusatzkosten. Das reduziert den Installationsaufwand und gibt dem Fachhandwerker Planungssicherheit.

Durch die EEBus-Schnittstelle wird die PV-Überschussnutzung über OHPCF möglich. Überschüssiger Solarstrom lässt sich gezielt für die eigene Wärmeerzeugung nutzen.

SBZ: Wagen Sie einen Blick in die Zukunft. Wohin geht die Reise in den nächsten Jahren?

Meir: Ganz klar: Energiemanagement wird der Standard. In Zukunft wird kaum noch jemand eine Wärmepumpe ohne Energiemanager installieren. Die Systeme werden immer smarter, vernetzter und transparenter. Wir sprechen über prognosebasierte Steuerungen, die Wetter- und Tarifdaten einbeziehen, über dynamische Netzrückmeldungen und lernende Algorithmen, die selbstständig entscheiden, ob Wärme, Laden oder Speichern Priorität hat. Hier steckt gerade beim Thema Batterie­speicher noch enormes Potenzial.

Was man deutlich merkt, ist, dass die Kunden immer technikaffiner werden. Sie wollen in ihrer App sehen, wie viel Energie sie erzeugen, verbrauchen und einspeisen – und diese Kontrolle auch selbst aktiv nutzen. Smart Home ist kein Luxus mehr, sondern ein praktisches Werkzeug für mehr Effizienz und Unabhängigkeit. Man kann als Fazit sagen, dass wir eine gesetzliche Pflicht als technologische Chance genutzt und die Zukunft in unseren Wärmepumpen gleich miteingebaut haben.

SBZ: Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch, Herr Meir. 

Unsere beiden ­Wärmepumpenserien ­kommunizieren ­herstellerunabhängig mit ­Energiemanagern, Smart-Meter-Gateways und der Steuer­technik von Mess­stellenbetreibern.

Das vernetzte Smart Home: EEBus ermöglicht durch die bidirektionale Kommunikation den wechselseitigen Austausch von Leistungsdaten zwischen Geräten und Energiemanagementsystemen.

Bild: Wolf

Das vernetzte Smart Home: EEBus ermöglicht durch die bidirektionale Kommunikation den wechselseitigen Austausch von Leistungsdaten zwischen Geräten und Energiemanagementsystemen.
Ein Energiemanagementsystem verknüpft Informationen wie PV-Ertrag, §-14a-Dimm-vorgaben oder Wetterdaten mit Aktoren wie ­Wärmepumpe oder Speicher. Über die Benutzeroberfläche wird der Systembetrieb eingesehen, ­eingestellt und optimiert.

Bild: Wolf

Ein Energiemanagementsystem verknüpft Informationen wie PV-Ertrag, §-14a-Dimm-vorgaben oder Wetterdaten mit Aktoren wie ­Wärmepumpe oder Speicher. Über die Benutzeroberfläche wird der Systembetrieb eingesehen, ­eingestellt und optimiert.
Energie- und Informationsfluss (v. l. n. r.): Signale des Netzbetreibers (z. B. Dimmsignal), dynamische Stromtarife und PV-Ertragsdaten ­fließen in das Energiemanagement­system. Dieses steuert die Wärmepumpe wahlweise über den SG-Ready-Kontakt oder per EEBus. ­Dies ermöglicht einen netzdienlichen Betrieb gemäß § 14a und eine ­intelligente Nutzung von PV-Überschussenergie.

Bild: Wolf

Energie- und Informationsfluss (v. l. n. r.): Signale des Netzbetreibers (z. B. Dimmsignal), dynamische Stromtarife und PV-Ertragsdaten ­fließen in das Energiemanagement­system. Dieses steuert die Wärmepumpe wahlweise über den SG-Ready-Kontakt oder per EEBus. ­Dies ermöglicht einen netzdienlichen Betrieb gemäß § 14a und eine ­intelligente Nutzung von PV-Überschussenergie.

Auf einen Blick:

§ 14a EnWG

Regelt seit 1. Januar 2024 den netzdienlichen Betrieb sogenannter „steuerbarer Verbrauchseinrichtungen“ wie Wärmepumpen, Wallboxen oder Batteriespeichern. Netzbetreiber dürfen diese künftig nur noch dimmen, anstatt sie vollständig abzuschalten.

Ziel: Netzstabilität sichern und den Ausbau ­elektrischer Heizsysteme ermöglichen.

Dimmgrenzen laut Gesetz:

  • bis 11 kW Anschlussleistung
    -> Reduktion auf maximal 4,2 kW
  • über 11 kW
    -> Reduktion auf 40 % der Nennleistung
  • Energiemanagementsystem (EMS)

    Zentrale Steuerungseinheit im Gebäude, die Energie­flüsse überwacht und optimiert – beispielsweise zwischen Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Stromnetz. Moderne EMS arbeiten prognosebasiert, berücksichtigen Wetter- und Tarifdaten und priorisieren je nach Situation Wärme, Laden oder Speichern.

    EEBus

    Ein herstellerübergreifendes Kommunikations­protokoll, das Energiegeräte miteinander vernetzt. EEBus ermöglicht eine bidirektionale Kommuni­ka­tion, also den wechselseitigen Austausch von ­Leistungsdaten zwischen Geräten und Energie­managementsystemen.

    EVU-Sperre

    Frühere Praxis vieler Netzbetreiber: zeitweilige Abschaltung der Wärmepumpe zur Netzstabilisierung. Diese Methode wird durch § 14a ersetzt, wodurch künftig nur noch gedimmt wird. Dies geschieht meist durch Sperrung des E-Heizstabs, sodass die Anlage stabil weiterläuft.

    LPC – Limitation of Power Consumption

    EEBus-Anwendungsfall, mit dem die Leistungsaufnahme eines Geräts begrenzt wird. Wird vom Netzbetreiber oder EMS ausgelöst, um bei Netzbelastung die Leistungsaufnahme zu reduzieren, und erfüllt ­zentrale Anforderungen des § 14a EnWG.

    MPC – Monitoring of Power Consumption

    EEBus-Anwendungsfall zur Überwachung und Rückmeldung der aktuellen Leistungsaufnahme an das Energiemanagementsystem oder den Netzbetreiber. Grundlage für ein transparentes, netzdienliches ­Lastmanagement.

    OHPCF – Optimization of Self Consumption by Heat Pump Compressor Flexibility

    EEBus-Anwendungsfall zur PV-Überschussnutzung: Überschüssiger Solarstrom wird gezielt zum Betrieb des Wärmepumpenkompressors genutzt, anstatt ins Netz eingespeist zu werden. So steigt der Eigenverbrauch, während Stromkosten sinken.

    Finanzielle Vorteile für ­Betreiber nach § 14a EnWG:

    Seit der Novellierung des § 14a EnWG zum 1. Januar 2024 können Betreiber von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen zwischen drei Vergütungsmodellen wählen, sofern ihre Anlage §-14a-konform betrieben wird. In allen Fällen profitieren sie von ­einer Reduzierung der Netzentgelte:

    Modul 1: Pauschale Entgeltreduktion

  • Fixe Ersparnis von rund 90  bis 160 Euro pro Jahr, abhängig vom Netzgebiet
  • Erfordert keine Tarifänderungen
  • Modul 2: Prozentuale Entgeltreduktion

  • Reduzierung der Netzentgelte um bis zu 60 %, bezogen auf die tatsächlich genutzte Anschlussleistung
  • Besonders attraktiv für Anlagen mit hohem Strombedarf und regelmäßigem Betrieb
  • Modul 3: Zeitvariables Tarifmodell

  • Nutzung von dynamischen Stromtarifen mit bis zu drei Preisstufen pro Tag
  • Betreiber können Stromkosten gezielt senken, ­indem das EMS Lasten in günstigere Zeitfenster verschiebt.
  • Die Auswahl erfolgt in Abstimmung mit dem ­jeweiligen Netzbetreiber. Voraussetzung ist, dass die Anlage §-14a-konform betrieben wird und über eine ­steuerbare, dimmbare Schnittstelle verfügt sowie die ­Kommunikation mit dem Netzbetreiber oder Energie­manager ermöglicht.

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