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Für den „TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026“ hat der TÜV-Verband rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen (HU) der Jahre 2024 und 2025 ausgewertet. 20,3 Prozent der leichten Transporter bis schweren Lkw fielen mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ durch. Gegenüber dem Vorjahresreport sank die Quote um 0,1 Prozentpunkte.
Schwere Lkw schneiden am schlechtesten ab
Besonders häufig beanstandeten die Sachverständigen Defekte an der Beleuchtung, Ölverlust an Motor oder Antrieb sowie Mängel an den Achsaufhängungen. Schwere Lkw über 18 Tonnen erreichen mit 21,8 Prozent die höchste Mängelquote.
Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband, erklärt: „Die schwache Konjunktur und die Unsicherheiten rund um die Antriebswende haben dazu beigetragen, dass Fahrzeuge länger im Bestand bleiben. Damit steigt der Verschleiß, Wartung und Instandhaltung werden wichtiger.“
Bei zehn Jahre alten Fahrzeugen dieser Klasse steigt die Quote auf 28,5 Prozent. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) beziffert das Durchschnittsalter von Nutzfahrzeugen auf 8,9 Jahre, ein Jahr mehr als noch vor zehn Jahren. Es folgen Transporter bis 3,5 Tonnen mit 21,5 Prozent und Fahrzeuge von 3,5 bis 7,5 Tonnen mit 19,8 Prozent. Mittelschwere Lkw von 7,5 bis 18 Tonnen schneiden mit 16,3 Prozent am besten ab.
TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026
Elektro-Transporter zeigen große Unterschiede
Erstmals stehen drei Elektro-Transporter im Report. Der Peugeot E-Expert erreicht bei den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen mit 8,4 Prozent den fünften Platz. Der Mercedes E-Vito liegt mit 19,7 Prozent auf dem vorletzten Rang unter 27 Transportern.
Auffällig sind Mängel an der Feststellbremse, den Antriebswellen und am Abblendlicht. Bei den drei bis vier Jahre alten Fahrzeugen bildet der Streetscooter (B14/B16) mit 26,4 Prozent das Schlusslicht. Das Modell wird nicht mehr produziert. Goebelt betont: „Für eine Bewertung der technischen Zuverlässigkeit von Elektro-Transportern insgesamt reichen die Ergebnisse noch nicht aus“.
Mit dem Maxus Deliver 9 des Automobilkonzerns SAIC Motors ist erstmals ein Transporter eines chinesischen Herstellers in der Auswertung. 33,6 Prozent der ein bis zwei Jahre alten Fahrzeuge fallen bei der HU durch. Laut Goebelt sei das in dieser Altersklasse ein extrem hoher Wert. Besonders häufig beanstanden die Prüfer die Bremsanlage. Deutlich über dem Schnitt liegt auch die Abgasuntersuchung. Der Großteil der Mängel entfällt auf die Beleuchtung, das Fahrwerk bleibt unauffällig.
TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026
Schwachstellen stellen Ölverlust und Licht dar
Typische Schwachstellen sind Ölfeuchte und Ölverlust. 5,2 Prozent der fünf Jahre alten Fahrzeuge und 8 Prozent der zehnjährigen werden beanstandet. Goebelt sagt: „Austretendes Öl belastet die Umwelt und kann bei einem Unfall brandbeschleunigend wirken“. Bei der hinteren Beleuchtung steigt die Mängelquote von 6,7 Prozent nach fünf Jahren auf 11,3 Prozent nach zehn Jahren. Solche Beleuchtungsmängel seien laut Goebelt ein häufig unterschätztes Risiko. An den Achsaufhängungen erhöht sich die Quote von 1,5 Prozent bei fünfjährigen Fahrzeugen auf 5,0 Prozent bei zehnjährigen.
Antriebswende verlangt neue Prüfungen
Das KBA beziffert den Nutzfahrzeugbestand in Deutschland zum 1. Januar 2026 auf 3,9 Millionen Fahrzeuge. Das sind 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 34 Prozent mehr als 2017. Von Januar bis Juli 2026 erreichten reine Elektrofahrzeuge 13 Prozent der Neuzulassungen, im Vorjahreszeitraum 8,7 Prozent.
TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026
Goebelt resümiert: „Beginnend mit den leichten Transportern erweitern die Hersteller ihre elektrische Modellpalette schrittweise auf mittlere und schwere Lkw“. Als Hindernisse nennt der TÜV-Verband höhere Anschaffungspreise und den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ein Förderprogramm des Verkehrsministeriums stellt eine Milliarde Euro für Fuhrparkdepots und Megawatt-Lader an Raststätten bereit. Er fordert zudem, steuerliche Anreize für Elektro-Nutzfahrzeuge zu verstetigen und die Mautbefreiung über 2031 hinaus zu verlängern. Bei schweren Elektro-Lkw reichen Gewichts- und Achslastvorgaben in vielen Fällen nicht aus, um das Gewicht der Antriebsbatterien vollständig zu kompensieren. Für eine zeitgemäße HU verlangt der TÜV-Verband einen erweiterten Prüfumfang der Antriebsbatterien sowie Zugang zu Batterie- und Fahrzeugdaten, auch für Assistenzsysteme und den korrekten Software-Stand.
Er appelliert: „Das Roadworthiness Package der EU bietet die Chance, die HU an die Erfordernisse von Elektroantrieben, Software-Steuerungen und automatisierten Fahrfunktionen anzupassen. Die Bundesregierung sollte diesen Prozess im Interesse der Verkehrssicherheit konstruktiv begleiten.“ Quelle: ar / TÜV- Verband