Die 4. Konferenz der IG Infrarot Deutschland, die am 16. April 2026 in Würzburg stattfand, widmete sich der Rolle von Infrarotheizungen als Baustein für bezahlbares Bauen und Wohnen. Die Veranstaltung gewann Unterstützung von politischen Vertretern, der Wohnungswirtschaft und verschiedenen Verbänden, die Infrarotheiztechnik als eine Lösung zur Kostenreduktion und zur Belebung der Bautätigkeit sehen.
IG Infrarot
Technologieoffenheit und Wirtschaftlichkeit
Lars Keussen, erster Vorsitzender des IG Infrarot Deutschland e.V., betonte die Notwendigkeit einer umfassenden Kostenbetrachtung über den gesamten Lebenszyklus eines Heizsystems. Diese Betrachtung umfasse Investition, Installation, Betrieb und graue Energie. Er stellte fest, dass Infrarotheiztechnik unter diesen Gesichtspunkten eine gleichberechtigte Position unter den Heizsystemen einnimmt, insbesondere in Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeichern zur solarelektrischen Versorgung von Gebäuden.
Ina Scharrenbach, Bauministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, sprach sich in ihrem online übertragenen Grußwort für Technologieoffenheit aus. Angesichts der unterschiedlichen baulichen Voraussetzungen im Gebäudebestand sei es wichtig, Eigentümern die Wahl der technischen Gebäudeausrüstung freizustellen. Sie bezeichnete Infrarotheiztechnik als eine relevante Option.
Video: Grußwort von Ina Schnarrenbach
Thomas Gerl, Bauunternehmer und Vorstand des BFW Landesverbandes Bayern e.V., fokussierte auf die Kostenfrage. Er forderte verbesserte steuerliche und finanzielle Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau und sah in einer reduzierten Komplexität der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) einen wesentlichen Hebel. Der Anteil der TGA an den Gesamtkosten habe zuletzt deutlich zugenommen.
René Ebert, Geschäftsleiter Technik & Projekte bei der VdZ Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie e.V., hob hervor, dass für schnelleres und günstigeres Bauen neben Material- und Finanzierungskosten auch Komplexität, Schnittstellen und Umsetzbarkeit entscheidend sind. Er plädierte für Gebäudetechnik, die einfacher planbar, schneller montierbar und im Betrieb beherrschbar ist.
Kerstin Stratmann, Geschäftsführerin des Fachverbandes Gebäudeenergie im ZVEI, betonte die Notwendigkeit, Heizungen als Teil des gesamten Energiesystems im Gebäude zu betrachten und sprach sich für das intelligente Zusammenspiel aller strombasierten Technologien aus.
Prof. Dr. Ing. Bert Oschatz vom ITG Dresden forderte robustere technische Lösungen, die günstige Investitionen mit geringem Wartungsaufwand und niedrigen Gesamtkosten verbinden.
Christoph Weiland, Vorstand des IG Infrarot Deutschland e.V., unterstrich, dass Wirtschaftlichkeit die Prämisse sein sollte, wobei die einfachste Lösung sich oft als die wirtschaftlichste erweist.
Heiko Schwarzburger, Chefredakteur der Fachmedien Photovoltaik und PV Europe, rückte die solarelektrische Vollversorgung in den Vordergrund und nannte die Enttechnisierung sowie die Reduktion auf ein Gewerk (Elektrohandwerk) als Vorteile der Infrarotheizung.
IG Infrarot
Praxisbeispiele: Wirtschaftlichkeit im Neubau
Die Konferenz präsentierte verschiedene Projekte, die die Anwendungsbreite von Infrarotheiztechnik illustrieren. Hermann Stegink, Geschäftsführer der Solid.Modulbau GmbH, stellte ein Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen in Wuppertal vor. Das 2019 in modularer Bauweise errichtete Gebäude entspricht dem KfW 40 Plus Standard und ist als solarelektrisches Gebäude konzipiert. Die schnelle Bauzeit wurde durch den hohen Vorfertigungsgrad und die einfache Installation von 208 Infrarotheizungen ermöglicht, die ohne wasserführende Wärmeverteilung auskommen. Stegink bezifferte die Einsparungen bei der TGA auf rund 350.000 Euro netto gegenüber einem Wärmepumpensystem, was 128,75 Euro netto je Quadratmeter Wohnfläche entspricht. Die „zweite Miete“ sinkt um 15 bis 30 %.
Ein weiteres Beispiel lieferte Jan Motschull, Geschäftsführer der Vasner/MankeTech GmbH, mit einem Wohnquartier für Geflüchtete in Karlstadt. Hier entstanden 14 Gebäude in Holzrahmenbauweise mit 40 Wohneinheiten. Die Beheizung erfolgt über 206 Infrarotheizgeräte. Da lediglich Stromanschlüsse erforderlich waren, konnte die Installation schnell und einfach umgesetzt werden. Die Investitionskosten für das Infrarotheizsystem lagen bei rund 120.500 Euro (zusammen mit Durchlauferhitzern bei 212.500 Euro), während ein Quartiers-Wärmepumpensystem zwischen 676.000 und 852.000 Euro gekostet hätte.
Vasner
IR-Technik in Sanierung und Hybridlösungen
Infrarotheiztechnik findet auch in der Sanierung Anwendung. Martin Schmidt, Prokurist bei der Fries Architekten GmbH, berichtete über die Modernisierung des Westerwälder Hofs, einer ehemaligen Traditionsgaststätte aus dem 17. Jahrhundert. Das Projekt umfasste die Revitalisierung und Erweiterung zu einem Gebäudekomplex im KfW-40-EE-Standard mit 26 barrierefreien Wohnungen. Die Entscheidung für Infrarotheiztechnik für die Beheizung (außer Café und Arztpraxis) fiel aus Kostengründen, da die TGA-Kosten in Projekten oft die Hochbaukosten übersteigen. Das Konzept wird durch eine Photovoltaikanlage, einen Batteriespeicher und dezentrale Lüftung ergänzt.
Michael Ringbauer, Geschäftsführer der Redwell Manufaktur GmbH, stellte ein Sanierungsprojekt in Vallendar vor. Ein 1920 errichtetes Einfamilienhaus wurde zu einem Studentenwohnheim umgebaut. Ein Paket aus Infrarotheizungen, dezentraler Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einer 12-kW-Photovoltaikanlage wurde für 40.250 Euro realisiert, was deutlich unter den kalkulierten 78.000 Euro für ein Wärmepumpensystem lag.
Sandro Lorch, Vertriebsleiter der Etherma Deutschland GmbH, zeigte, wie Infrarotheizungen in hybriden Konzepten zur Sanierung im Geschosswohnungsbau beitragen können. In einem Pilotprojekt in Mönchengladbach wurden Gasetagenheizungen in einem Nachkriegsbau durch ein Hybridsystem aus Wohnraum-Wärmepumpe und deckenmontierten Infrarotheizgeräten ersetzt. Die Umrüstung erfolgte schnell und ohne größere bauliche Eingriffe.
Vitramo / Juergen Ross
Potenzial für bezahlbaren Wohnraum
Keussen präsentierte zudem das Konzept „Energy Flat Living“, das bezahlbaren Wohnraum in Großstädten ohne staatliche Zuschüsse ermöglichen soll. Ziel sind Pauschalmieten von 12,50 Euro je m2 inklusive Energie- und Nebenkosten, finanziert über ESG Bonds. Grundlage ist eine solare Wärme- und Stromversorgung in Mehrfamilienhäusern mit großen Photovoltaikanlagen und Infrarotheizungen, die durch den Verzicht auf aufwendige Verrohrung Kostenblöcke im Bau und Betrieb reduzieren.
Solid.Modulbau
Infrarotheizung als Massenmarkt-Technologie
Schwarzburger beleuchtete die Entwicklung von Massenmärkten und sieht großes Potenzial für die Infrarotheiztechnik. Er nannte als Vorteile die einfache Installation und den Austausch, die Langlebigkeit und die Möglichkeit zur Zusatzfunktionalität (z.B. als Spiegel oder Bild). Weitere Argumente sind der überschaubare Materialeinsatz, die Nutzung von elektrischem Strom statt anfälliger Hydraulik und eine gut automatisierbare Fertigung.
Fazit zur Veranstaltung:
Uwe Lucht, Vorstand der IG Infrarot Deutschland, zog das Fazit, dass die Konferenz die Infrarotheizung im Lichte der Wirtschaftlichkeit für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft betrachtet hat. Die Infrarotheiztechnik überzeugt durch ihre einfache, platzsparende Bauweise, Bezahlbarkeit und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten – sowohl zur Alleinbeheizung als auch in Hybridsystemen. Dies sei nun auch in anderen Branchen angekommen.
Die nächsten Termine für den 7. Runden Tisch der Infrarotheizungsbranche und die 5. Konferenz der IG Infrarot Deutschland sind für den 14. und 15. April 2027 in Würzburg geplant.
Quelle: IG Infrarot / fl