Messe Hamburg und GET Nord / Alexander Wöckener
Vom 19. bis 21. November 2026 zeigt die Hamburger Fachmesse, wie Wärmepumpen, PV, Speicher und Ladeinfrastruktur digital zusammenwachsen. Neue Daily Guided Tours führen an allen drei Messetagen durch die Themen vernetzte Energie- und Wärmesysteme sowie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Smart Home.
Vernetzte Gebäude und intelligente Energiesysteme verändern Planung, Bau und Betrieb von Wohn- und Gewerbeimmobilien. Photovoltaik, Wärmepumpen, Speicher und Ladeinfrastruktur werden miteinander verknüpft und um digitale Steuerungs- und Energiemanagementsysteme ergänzt. Damit wächst das Aufgabenfeld des Elektrohandwerks: Aus dem klassischen Elektroinstallateur wird zunehmend ein Systemintegrator. Auch Architekturbüros, Planende der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) und Immobilienverantwortliche müssen technische Systeme früher aufeinander abstimmen und Gebäude über den gesamten Lebenszyklus betrachten.
Aussteller verbinden Gebäudetechnik, Energie und Steuerung
In den Hallen A1, A4, B2, B5, B7 und einem Teilbereich der Halle B6 zeigen unter anderem ABB, Jung, Eltako, Gira, Hager, Phoenix Contact, Schneider Electric, B.E.G., MDT Technologies, Siemens, Theben und Wago Lösungen, die Gebäudetechnik, Energieversorgung und digitale Steuerung verbinden. Das Spektrum reicht von Gebäudeautomation und Energiemanagement bis zu Anwendungen, die Energie effizienter nutzen, Abläufe automatisieren und variable Stromtarife einbinden.
Die Technologien treffen auf hohen Modernisierungsbedarf. Im Neubau rückt die systemübergreifende Planung technischer Anlagen stärker in den Fokus, im Bestand muss die elektrische Infrastruktur vielfach erst ertüchtigt werden. Nach Angaben des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) sind in über 70 Prozent der Bestandsgebäude die Elektroleitungen älter als 35 Jahre.
Neue Vorgaben treiben die Transformation
§ 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) regelt die netzorientierte Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Ladeeinrichtungen. Das seit Juli 2026 geltende Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) richtet die Anforderungen an energetische Modernisierung und Wärmeversorgung neu aus und stärkt Gebäudeautomation und Energiemanagement. Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) setzt Impulse für Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Ladeinfrastruktur und Digitalisierung. Für bestimmte Nichtwohngebäude schreibt sie automatische Lichtsteuerungen vor: Gebäude mit einer relevanten Anlagenleistung von mehr als 290 kW müssen bis Ende 2027 nachrüsten, Gebäude mit mehr als 70 kW bis Ende 2029, sofern dies technisch und wirtschaftlich machbar ist.
„Mit der zunehmenden Elektrifizierung und Digitalisierung von Gebäuden verschiebt sich die Rolle des E-Handwerks deutlich: Unsere Fachbetriebe werden immer stärker zu Systemintegratoren. Entscheidend ist künftig nicht allein, Photovoltaik, Wärmepumpe, Speicher oder Ladeinfrastruktur zu installieren, sondern diese Technologien intelligent miteinander zu vernetzen und auf Netz, Gebäude und Nutzer abzustimmen. Genau diese Schnittstellenkompetenz wird zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor“, sagt Timm Göckens, Hauptgeschäftsführer des NFE Norddeutscher Fachverband Elektro- u. Informationstechnik e.V. (NFE).
E-Haus macht Systemtechnik begehbar
Das 100 Quadratmeter große Modellhaus des ZVEH zeigt herstellerübergreifend das Zusammenspiel moderner Gebäude- und Energiesysteme. Im Fokus stehen Smart Metering, Smart Meter Gateway und Künstliche Intelligenz, dazu KI-gestütztes Energiemanagement, die netzorientierte Steuerung von Wärmepumpen, Ladeeinrichtungen und Stromspeichern sowie variable Stromtarife. Ergänzend kommen Anwendungen für Sicherheit und Licht, altersgerechtes Wohnen und Human Centric Lighting hinzu. Auch der Nachwuchs aus Elektro- und SHK-Handwerk wirkt mit.
Die kostenfreien Daily Guided Tours finden an allen drei Messetagen zweimal täglich statt. Christian Borchardt (SHK Hamburg) führt durch „Vernetzte Energie- und Wärmesysteme“, Klaus Ott und Marco Koyne (NFE) leiten die Tour „Das E-Haus: Digitalisierung, KI und Smart Home zum Anfassen“.
Forum verknüpft Strom und Wärme
Erstmals richten die Initiativen Elektro+ und Wärme+ gemeinsam ein Forum aus – zusammen mit Partnern aus Industrie und Handwerk sowie der HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e. V. Das Bühnenprogramm behandelt die Elektroinstallation als zentrale Schnittstelle, das Zusammenspiel von Wärmeerzeugung, Stromerzeugung und Verbrauch sowie aktuelle Normen. Wärmeerzeugung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Klimatisierung lassen sich zunehmend nicht mehr unabhängig von der elektrischen Infrastruktur betrachten.
Quelle: Hamburg Messe / GET Nord / oja