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Die Stadtwerke Soest haben im Quartier „Englische Siedlung“ einen ersten Netzstrang hydraulisch abgeglichen und mit digitalen Regelventilen vom Typ TA-Smart von IMI ausgestattet. Anschlusswerte sollen damit nicht mehr pauschal angesetzt, sondern auf Basis gemessener Daten festgelegt werden.
Die Stadtwerke betreiben das Fernwärmenetz am Canadischen Weg seit 1993. Sechs Stränge eines zentralen Heizwerks versorgen dort 625 Wohneinheiten mit rund 2.400 Bewohnern. Energetische Sanierungen und veränderte Nutzungsprofile hatten die bisherige Netzhydraulik zunehmend vor Probleme gestellt: Die pauschal angesetzten Anschlussleistungen passten nicht mehr zum tatsächlichen Bedarf im Bestand.
Netz mit 6,2 MW theoretischer Spitzenlast
Das vollständig vernetzte Fernwärmenetz ist rund 12 km lang, davon verlaufen 3,7 km in Kellerführung. Angeschlossen sind Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie mehrere Hochhäuser mit bis zu 60 Parteien. Die theoretische Spitzenlast liegt bei 6,2 MW, die Rohrdimensionen reichen von DN 20 bis DN 300. Das geometrische Netzvolumen beträgt 79.000 l, eine Lecküberwachung ist integriert.
Im Heizwerk „Canada“ arbeiten zwei Kessel und ein Blockheizkraftwerk mit einer maximalen thermischen Leistung von 4.600 kWth. Das System ist auf eine maximale Förderhöhe von 33,7 m und einen maximalen Volumenstrom von 377 m³/h ausgelegt, die Vorlauftemperatur ist auf maximal 80 °C begrenzt. Künftig sollen Luftwärmepumpen das Erzeugerportfolio ergänzen. Zudem wird geprüft, drei ehemalige Öltanks mit zusammen 1.800.000 l Fassungsvermögen als Heizungsspeicher einzubinden.
Parallel läuft seit Ende 2023 eine serielle energetische Sanierung durch Renowate. Ein erster Schritt umfasst 60 Wohnungen in zehn Gebäuden der LEG, die von Effizienzklasse H auf A angehoben werden sollen. Ziel ist der KfW-55-Standard bei einer Energieeinsparung von über 90 %. Bislang sind sechs Gebäude saniert.
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Fernwärme spielt in diesem Kontext eine zentrale Rolle bei der kommunalen Wärmewende. Sie ermöglicht die Bündelung unterschiedlicher Erzeugungstechnologien und schafft die Voraussetzung, erneuerbare Energiequellen systematisch einzubinden. Soest verfolgt das Ziel, Vorreiter in der kommunalen Wärmeversorgung zu werden.
Auch die gesetzlichen Anforderungen an Heizungsprüfung, Heizungsoptimierung und hydraulischen Abgleich rücken die bedarfsgerechte Einstellung wassergeführter Heizsysteme im Bestand stärker in den Fokus. Während sich diese Vorgaben primär auf die gebäudeseitige Anlagentechnik beziehen, zeigt das Projekt in Soest, dass eine vergleichbare Systematik – übertragen auf die Netzebene – zusätzliche Effizienzpotenziale erschließen kann.
Alte Regler lieferten dauerhaft volle Leistung
Mit der Sanierung sank der reale Wärmebedarf deutlich, abgerechnet wurde jedoch weiterhin nach festen Anschlusswerten. In den Gebäuden arbeiteten ältere Differenzdruckregler ohne Kapillarrohr, die faktisch dauerhaft 100 % Leistung bereitstellten. Eine exakte Leistungsbegrenzung oder eine belastbare Verbrauchserfassung war damit nicht möglich. Die Folgen waren überversorgte Stränge, unnötig hohe Vorlauftemperaturen und fehlende Daten für Heizlastberechnungen sowie für eine verbrauchsgerechte Abrechnung. Die vom Eigentümer neu berechneten Leistungswerte ließen sich netzseitig zunächst nicht abbilden.
Hinzu kam, dass die bislang vor allem im Winterhalbjahr betriebene Fernwärme in ein ganzjähriges Energie- und Heizkonzept integriert werden musste. Durch den Rückbau von 60 dezentralen Gasthermen gewann außerdem die Rücklauftemperatur als Steuergröße an Bedeutung.
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Regelung greift in die primäre Netzverteilung einAls Pilot wurde Strang 1 vollständig hydraulisch abgeglichen und mit TA-Smart-Ventilen ausgestattet, perspektivisch sollen alle 119 Hausanschlüsse mit dieser Technologie ausgerüstet werden. Die Ventile regeln am Hausanschluss beziehungsweise auf Strangebene den Durchfluss, messen kontinuierlich die Temperatur und begrenzen die Leistung kW-basiert. Über eine Bluetooth-Schnittstelle sowie Fernsteuerung und Monitoring lassen sie sich parametrieren und bei Bedarf sperren. Bei Stromausfall verbleibt das Ventil in einer vordefinierten Stellung. Wartung und Parametrierung sind teilweise aus der Ferne möglich, Software-Updates auch offline. Damit wird erstmals eine echte strangscharfe Leistungsregelung möglich. Anschlusswerte werden nicht mehr pauschal angenommen, sondern auf Basis real gemessener Daten definiert. Für die Stadtwerke bedeutet das eine klar nachvollziehbare Leistungs- und Verbrauchsstruktur – technisch wie kaufmännisch.
Im sanierten Bestand übernehmen im Sommer Wärmepumpen die Warmwasserbereitung, die Fernwärme konzentriert sich dann stärker auf die Raumheizung. Martin Kleegraf, Technischer Berater bei IMI Hydronic Engineering Deutschland GmbH, sagt: „Im Bestand geht es selten darum, alles neu zu bauen. Entscheidend ist, vorhandene Netze so zu justieren, dass sie zu den veränderten Lastprofilen passen. Genau an dieser Stelle setzt die strangscharfe Leistungsregelung an – sie schafft die technische Grundlage für stabile Differenzdrücke und eine realistische Anschlusswertdefinition.“
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Stadtwerke berichten von stabilerer HydraulikNach Angaben der Stadtwerke werden die Stränge durch die Begrenzung der Anschlussleistung nicht mehr überversorgt. Die Vorlauftemperaturen sollen sich schrittweise absenken lassen, ohne die Mindestdruckdifferenz am Netzschlechtpunkt zu unterschreiten. Die Stadtwerke verweisen zudem auf optimierte Durchflusswerte, messbare Einsparpotenziale und eine höhere Akzeptanz bei Eigentümern; konkrete Zahlen dazu liegen nicht vor. „Wir können Entwicklungen früh erkennen, reagieren schneller und diskutieren mit Eigentümern auf Basis von Fakten statt Annahmen“, sagt Sven Brockmann vom Netzbetrieb Gas, Wasser, Wärme der Stadtwerke Soest.
Organisatorisch waren neue Prozesse für Updates und Wartung nötig. Monitoring und Auswertung sollen weiter ausgebaut werden. Für das Netz liegen inzwischen weitere Anschlussanfragen vor, unter anderem von Schulen. Auch die Entwicklung des Strabag-Areals wird in die langfristige Netzstrategie einbezogen. ■
Quelle: IMI / ml