Gemini / Löschhorn / OR
Die Bundesregierung rudert beim „Heizungsgesetz“ zurück – und verlängert gleichzeitig die Unsicherheit für Betriebe und Eigentümer:innen.
Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) begrüßt grundsätzlich die gestrige Entscheidung der Bundesregierung, die Frist für die Umsetzung der 65-%-Regelung in größeren Kommunen zu verschieben. Der Schritt schafft zwar kurzfristig mehr Klarheit für Verbraucher, Handwerk und Industrie, ist jedoch vor allem ein Symptom der anhaltenden energiepolitischen Unsicherheit für den Wärmesektor. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Novelle des Gebäudeenergiegesetzes wird bereits viel zu lange hinausgeschoben.
Konkret wird die ursprünglich für den 1. Juli 2026 vorgesehene Verpflichtung in Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern, neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien zu betreiben, nun erst ab dem 1. November 2026 gelten. Hintergrund ist die geplante Einführung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), das sich weiterhin in Vorbereitung befindet, aber voraussichtlich nicht rechtzeitig in Kraft treten wird.
„Die Verschiebung verhindert regulatorisches Chaos und schafft kurzfristig Rechtssicherheit“, erklärt BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt. „Es wäre nicht vermittelbar gewesen, wenn Regelungen in Kraft treten, die kurz darauf wieder durch neue Vorgaben ersetzt werden.“
Gleichzeitig macht der BDH deutlich, dass es mit punktuellen Korrekturen nicht getan ist. „Die Bundesregierung darf nicht länger mit Notlösungen arbeiten. Jetzt wo es eine Einigung zum Mieterschutz gibt, muss ein konsistenter und verlässlicher Ordnungsrahmen vorgelegt werden“, so Staudt. Die Branche brauche klare, langfristig planbare Leitplanken, keine Übergangslösungen. Letztlich bedarf es eines Regelungsrahmens der Investitionen unterstützt und nicht durch neue bürokratische Hürden erschwert.
Leichte Erholung nach massiven Einbrüchen
Nach deutlichen Absatzrückgängen in den vergangenen zwei Jahren zeigt sich im ersten Quartal 2026 eine leichte Erholung. Der Gesamtmarkt verzeichnete ein Plus von 16 % gegenüber dem schwachen Vorjahreszeitraum. Wärmepumpen entwickelten sich dank der stabilen Förderbedingungen weiterhin dynamisch und legten im 1. Quartal 2026 um 34 % zu. Insgesamt wurden 83.500 Geräte abgesetzt.
Zuvor befand sich der Heizungsabsatz seit 2024 im Rückwärtsgang, wobei das Jahr 2025 das schwächste Absatzjahr seit 15 Jahren markierte. In der Folge kam es zu einem spürbaren Abbau von Arbeitsplätzen in der Branche. Der BDH führt diese Entwicklung maßgeblich auf politische Unsicherheiten und eine daraus resultierende Investitionszurückhaltung bei Verbrauchern zurück.
BDH: Politische Klarheit überfällig
Trotz der leichten Erholungstendenz bleibt die Lage angesichts des enormen Modernisierungsbedarfs angespannt: Rund die Hälfte der etwa 21 Mio. Heizungsanlagen in Deutschland gilt als veraltet, etwa 19 % stammen laut Deutscher Energie-Agentur (dena) noch aus der Zeit vor 1990.
„Die Zeit der Ankündigungen muss vorbei sein. Deutschland braucht jetzt verlässliche Entscheidungen“, betont Staudt. „Nur mit klaren, stabilen Rahmenbedingungen können Industrie und Handwerk die Modernisierung des Wärmemarktes entschlossen vorantreiben. Wir müssen endlich wieder ins Machen kommen. Die Heizungsindustrie steht gemeinsam mit dem Handwerk bereit, eine nachhaltige Wärmeversorgung entschlossen und beschleunigt umzusetzen und damit einhergehend einen wichtigen Beitrag zum dringend erforderlichen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland zu leisten“, so Staudt. ■
Quelle: BDH / ml
Im Kontext:
Daniel Föst: „Heizungsgesetz“ – Gute Absicht. Falscher Hebel
GEG-Änderung soll Erweiterung der 65-%-EE-Pflicht verhindern