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Gebäudewende

Podcast: Energieberatung ist mehr als Fördermittelservice

Getty Images

Volle Auftragsbücher auf der einen Seite, Rückenwind für die Gebäude­wende, aber frustrierend umständliche und langwierige Prozesse bei der Abwicklung der Förderung auf der anderen Seite. Über das Wechselbad der Gefühle der Energie­berater*innen und neue Anforderungen an den Beruf spricht Jürgen Leppig, Vorsitzender des GIH, im Podcast Gebäudewende mit Pia Grund-Ludwig, Chefredakteurin des Gebäude-Energieberater.

Trotz steigender Kosten für Bau­stoffe erwartet Jürgen Leppig mehr ernsthafte Nachfrage nach qualitätsvollen Sanierungen. „Ich habe im Moment das Gefühl, dass die Leute ernsthaft sanieren wollen", beschreibt er das Feedback von Kund*innen. Es könne zwar sein, dass der Run auf die Berater*innen durch die absehbaren Einbrüche beim Neubau und den Umbau der Förderlandschaft nachlasse, aber das sieht Leppig auch positiv: Es bleibe mehr Luft zur systemischen Beratung. „Damit haben wir zufriedenere Kund*innen, weil wir die Nachfrage besser bedienen können."

Im Boom habe teilweise die Qualität gelitten. „Beim individuellen Sanierungsfahrplan ist die Qualitätssicherung immer noch nicht so, wie ich mir das vorstelle“, moniert er. Wird dieser sinnvoll angewendet, stößt er mehr Sanierungsschritte an. Teilweise seien die Sanierungsfahrpläne aber per Copy and Paste  erstellt worden. „Die Prüfalgorithmen beim BAFA funktionieren in solchen Fällen noch nicht richtig“, mahnt er Änderungen an.

Von der Politik fordert er einen längeren Atem in der Förder- und Baupolitik: „Meine Wohnungsbaugenossenschaften, die bei Millionen-Projekten in den Planungsprozess reingehen, wissen heute nicht, ob sie bei Abschluss der Planung eine Förderung bekommen.“ Verlässlichkeit könnte zum Beispiel durch eine Förderampel entstehen die anzeigt, wie viel Geld noch in den Fördertöpfen ist. An anderen Stellen wie der Pflicht, bei größeren Anträgen drei Angebote einzuholen, fordert er mehr Realismus. Heute könne man froh sein, überhaupt Angebote zu erhalten. Da müsse man „die Realität draußen abgleichen mit der Denke, die die Behörden so an sich haben.“

Notwendig sei auch ein Monitoring nach der Umsetzung von Maßnahmen zur energetischen Ertüchtigung. Leppig kann sich dazu ein Modell vorstellen, das zum Beispiel nach der Installation einer Wärmepumpe ansetzt: „Wenn du eine besonders gute Anlage hast und die Jahresarbeitszahl hoch ist, wenn du wirklich dazu beiträgst, dass die CO₂-Reduzierung für den Klimaschutz auch da ist, dann kriegst du noch etwas dazu.“ Bei einer zentralen Forderung der Energieberaterverbände sieht Leppig mittlerweile Land: der Debatte über ein Berufsbild Energieberatung. „Der Wunsch kommt jetzt auch vom Markt.“

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