GROHE
Grohe bezeichnet den Standort Lahr heute als globales Kompetenzzentrum für Duschen und Duschsysteme. Dort bündelt Grohe Entwicklung, Produktion und PVD-Oberflächenveredlung. Jährlich verschickt das Unternehmen von dort mehr als sechs Millionen Handbrausen, zwei Millionen Brausestangen-Sets und 700.000 Duschsysteme.
Werk startet mit Armaturen und wechselt zu Duschen
Die Geschichte des Werks führt bis ins Jahr 1873 zurück. In Carl Nestlers Fabrik entstanden zunächst Brauerei- und Brennereiarmaturen. Das Werk wuchs, zog um und begann in den 1950er Jahren mit der Thermostaten-Produktion. Nach der Umfirmierung zur Grohe Thermostat GmbH 1956 entstanden dort zunächst keine Duschen. Danach erwarb Grohe Flächen, baute eine neue Gießerei und erneuerte das Werk.
1979 wurde Lahr zum Dusch-Standort. Die erste Relexa-Handbrause fiel mit ihrer Bananenform auf. Die Form sorgte bei der Konkurrenz für Spott, kam bei Anwendern aber gut an, weil der Schlauch durch die Kurve nicht abknickt.
Relexa, Aquatower und Tempesta kommen auf den Markt
Auf die ersten Relexa-Brausen folgten weitere Produkte. 1999 brachte Grohe den Aquatower auf den Markt. Grohe-Produkttrainer Manfred Kühn erinnert sich: „Kopfbrause, Handbrause, vier Seitenbrausen und ein Thermostat – ein echtes Premium-Produkt und Grundlage für praktisch all unsere heutigen Duschsysteme“.
2001 kam die erste Tempesta Handbrause auf den Markt. Sie erhielt einen umlaufenden Silikonring als Schutz beim Herunterfallen. In ihren neuen Varianten ist Grohe Tempesta die meistverkaufte Handbrause des Unternehmens. 10.000 Exemplare werden täglich hergestellt. Die Fertigungslinie kann ohne Umrüstung bis zu 200 Produktvarianten herstellen.
Entwickler senken Wasser- und Energiebedarf
Für Grohe ist Ressourceneffizienz ein zentrales Thema in der Entwicklung. Zunächst nutzte das Unternehmen einfache Durchflussbegrenzer, um den Wasser- und Energiebedarf zu verringern. In Regionen wie Kalifornien bauten viele Kunden diese Begrenzer jedoch wieder aus. Deshalb setzte das Entwicklerteam in Lahr ab Mitte der 2010er-Jahre auf angepasste Geometrie sowie kleinere, präziser angesteuerte Düsen.
Heute nutzt Grohe die AquaCalibrator Technologie. Für mehr Ressourceneffizienz verweist das Unternehmen auch auf das gemeinsam mit dem niederländischen Startup Hamwells entwickelte Unterputz-Duschsystem Grohe Rapido Heat Recovery. Das System gewinnt Restwärme aus dem Duschwasser zurück. Das Unternehmen beziffert den geringeren Energiebedarf bei der Erwärmung des Duschwassers auf bis zu 48 Prozent im Vergleich zu einer Dusche ohne Wärmerückgewinnung. Grundlage sind eine Durchflussmenge von 9,2 Liter pro Minute bei 3 bar, eine Zulauftemperatur von 10 Grad Celsius und eine Duschtemperatur von 38 Grad Celsius.
Standort übersteht Umbrüche und holt Technik zurück
In der Werksgeschichte gab es auch Brüche. Mitte der 2000er Jahre durchlief Grohe unter Finanzinvestoren eine Restrukturierungsphase. 2011 verlagerte das Unternehmen die PVD-Beschichtungstechnologie nach Nordamerika. Roland Obergföll, früher unter anderem Gruppenleiter für die Produktion, erzählt: „Die Mitarbeiter:innen haben sich in schwierigen Zeiten immer für den Standort eingesetzt“.
2014 übernahm die japanische Lixil Corporation (Lixil) Grohe. Eine neue Galvanik-Anlage, die Messing und Kunststoff verarbeiten kann, erhöhte die Kapazität um 70 Prozent. 2019 kehrte die PVD-Beschichtungstechnologie nach Lahr zurück. Inzwischen stehen dort vier PVD-Anlagen.
Auch die Fertigung veränderte sich, wie Produkttrainer Kühn beschreibt: „Lange zählte in der Fertigung nur das Ergebnis. Nach Führungen durch die Produktion musste ich meine Schuhe wechseln, weil sie schwarz waren. Heute ist Lahr ein wunderschönes, ordentliches Werk, das gehört hier inzwischen zum Selbstverständnis.“
Lixil bindet Lahr ins Produktionsnetzwerk ein
Heute gehört das Werk zum globalen Produktionsnetzwerk von Lixil. Für die Marke Grohe produzieren fünf Standorte in drei Ländern: Hemer, Porta Westfalica und Lahr in Deutschland, Albergaria in Portugal sowie Klaeng in Thailand. Die Eigenfertigungsquote liegt bei über 90 Prozent. Jeder Standort kann neue Produkte in Serie bringen. Die Werke nutzen dafür Synergien und den Know-how-Transfer im Netzwerk. Quelle: ar / Grohe