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Stromfresser gesucht

Schlattmann: Ab 2020 dürfen Nachtspeicheröfen ab einem bestimmten Alter nicht mehr betrieben werden. Damit ist das Ende für eine Produktgruppe eingeläutet, die sich vor allem durch miserable Wirkungsgrade und einen exorbitanten Verbrauch fossiler Energien auszeichnet. Und die alte Asbest­geschichte hat auch nicht gerade zur Akzeptanz dieser Geräte beigetragen.

Bolz: Aber vor allem ist es die teuerste Art seine Wohnung unbehaglich zu beheizen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Das Ende der Nachtspeicheröfen wäre also eine rundherum positive Nachricht – gäbe es da nicht die Idee der Energieversorger, dass diese Uralt-Technik eine ideale Speichermöglichkeit für überschüssig erzeugten Strom zur Entlastung der Stromnetze darstellen könnte.

Schlattmann: Das heißt im Klartext, dass jetzt der hochsubventionierte Ökostrom in diesen anachronistischen Stromfressern entsorgt werden soll, damit uns die Netze nicht um die Ohren fliegen? Und das wird dann noch unter dem Deckmantel der Energiewende verkauft.

Bolz: Dass das mehr als eine Schnapsidee ist, zeigen Pilotversuche der RWE, die bereits seit einiger Zeit laufen. Der Versorger hat rund 50 Altgeräte mit Steuerungtechnik aufgerüstet, die die Öfen immer dann aktiviert, wenn es Überangebote im Netz gibt. Laut RWE soll das Ganze technisch gut funktionieren und der Versorger sucht nur noch nach Tarifmodellen, den Nutzern diese Betriebsweise von Nachtspeicheröfen schmackhaft zu machen.

Schlattmann: Dabei gibt es doch mit Wärmepumpen viel bessere Technologien, die den wertvollen Strom mit hoher Effizienz in speicherbare Heizenergie umwandelt, nämlich mit Jahresarbeitszahlen von drei aufwärts. Das ist doch kein Vergleich zu primärenergetischen Wirkungsgraden, die in der Größenordnung von 35 % liegen.

Bolz: Da gebe ich dir völlig recht und unsere Branche könnte einen solchen Markt auch hervorragend bedienen. Das Problem ist jedoch das Volumen: Die in Deutschland installierten Nachtspeicheröfen können insgesamt eine Leistung von etwa 15 Gigawatt verbraten. Da bringt man schnell eine ganze Menge sonst nicht verwertbaren Strom unter. Wenn ich da die Modernisierungsraten für die Heiztechnik betrachte, wird das noch sehr lange dauern, bis Energiespeicherkonzepte in derartiger Größenordnung mit zeitgemäßen Techniken funktionieren.

Schlattmann: Bleibt zu hoffen, dass die Nachtspeicheröfen nicht innovative Techniken blockieren, die die Energiewende wirklich voranbringen. Und noch eins, liebe Herren Politiker: Wenn schon Subven­tionen, dann durchdacht und bitte so, dass nicht Techniken von gestern begünstigt werden.

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