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Wer den Azubi nicht ehrt …

Aufträge gibt es derzeit in der SHK-Branche genug – aber wer weiß, ob in der Zukunft noch ausreichend Fachkräfte dafür zur Verfügung stehen. Um die Unternehmenszukunft zu sichern, gilt es zum einen, bestehende Mitarbeiter zu behalten, zum anderen den Betrieb so auszurichten, dass er frische Nachwuchskräfte anzieht.

Die Ansprüche von Mitarbeitern und auch Auszubildenden an ihren Arbeitgeber sind gestiegen, ebenso hat sich die Einstellung zum Arbeitsleben gewandelt. Eine Balance zwischen Berufs- und Privatleben, genügend Freiräume sowie der Wunsch nach persönlicher Entfaltung sind heute Prioritäten, die gleichauf mit Gehalt und sicherem Arbeitsplatz gewichtet werden.

Anlaufschwierigkeiten überwinden

Wer die Fachkräfte von morgen an den Betrieb binden will, muss da ansetzen, wo die Weichen gestellt werden: in der Ausbildung. Vom ersten Tag der Lehre an gilt es, mit Auszubildenden angemessen umzugehen.

Oft haben Azubis mit Unsicherheit und zu wenig Erfahrung in formeller Kommunikation zu kämpfen. Wenn sie zu Laufburschen und Mädchen für alles degradiert werden, verstärkt sich diese Problematik logischerweise. Hierbei ist das Verhalten von Chef, Ausbilder und Teamkollegen entscheidend. Entweder beflügelt es die Einsatzbereitschaft oder es würgt sie ab. Wenn der Leistungswille nicht angesprochen wird, die Azubis nicht richtig eingebunden werden, fehlt sowohl die Herausforderung als auch die Förderung. So verlieren sie die Lust, ziehen sich zurück, bringen sich nicht mehr ein und brechen im schlimmsten Fall die Ausbildung ab.

Den Leistungswillen stärken

Prinzipiell hat jeder Mensch den Wunsch, ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein. Die Einsatzbereitschaft ist desto größer, je mehr sie dem Gefühl entspringt, etwas Produktives zu machen und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Wenn wir eine Tätigkeit als sinnstiftend erleben, wenn wir persönliche Entfaltungsmöglichkeiten erkennen, die Erfahrung machen, etwas bewirken zu können, identifizieren wir uns mit unserer Aufgabe. Auch im Betrieb ist es möglich, diesen Geist zu entfachen. Ist das Bedürfnis der Azubis nach Anerkennung und Einbindung erfüllt, werden sie ihr Potenzial gern abrufen, ihre Ausbildungszeit erfolgreich nutzen und engagierte Nachwuchskräfte für Ihren Betrieb werden.

Was brauchen Azubis?

Lernen findet hauptsächlich auf zwei Wegen statt: zum einen durch die Nachahmung von Vorbildern und zum anderen anhand von Input und Regeln. Im Betrieb heißt das: Am Anfang steht eine Einführung in die Firma, bei der alles Wichtige erklärt und die Belegschaft vorgestellt wird. Wenn der Azubi hauptsächlich zum Brötchenholen geschickt und für Handlangerdienste herangezogen wird, kann er nichts lernen. Es gilt also, ihn von Beginn an in die Arbeitsabläufe aktiv einzubinden, auch beim Kunden, damit er ausreichend fachlichen Input bekommt. Dazu gehört auch, den Azubi in das Firmenleitbild einzuweisen und zu erklären, was dies konkret bedeutet. Dies gibt ihm einen verlässlichen Rahmen und definierte Standards zu Arbeitsabläufen und Verhaltensweisen.

In vielen Unternehmen ist nicht genau geklärt, was die Führungskräfte von ihren Azubis und Mitarbeitern erwarten und wie das gemeinsame Auftreten und der Umgang mit Kunden und Kollegen idealerweise sein soll. Wenn die Leitplanken fehlen, wird es schwierig, Erwartungen zu erfüllen. Eine Einführung in die firmenspezifischen Service-Standards – also die Leitlinien, wie das Unternehmen sich positioniert und am Markt auftritt – ist gerade für Auszubildende wichtig.

Klare Regeln definieren und selbst vorleben

Ein Unternehmensleitbild sowie klare und detaillierte schriftliche Vereinbarungen, die für alle gelten, erzeugen Nachvollziehbarkeit und Sicherheit, garantieren Fairness und bilden den Maßstab für gute Leistung, an dem alle gemessen werden.

Dann ist auch ein Prämiensystem möglich, das bei besonders guter Leistung zum Beispiel mit einem kostenfreien Firmenauto für einen Monat für Begeisterung und Stolz beim Azubi und für Gratiswerbung fürs Unternehmen sorgt. Oder die Azubis dürfen eine eigene Facebook-Firmenseite gestalten und pflegen und so mit Ihrem Enthusiasmus und zielgruppengerechter Ansprache neue, passende junge Mitarbeiter fürs Unternehmen rekrutieren.

Schwierig gestaltet sich auch oft das Lernen am Vorbild. Hier müssen Chef, Ausbilder und Kollegen mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn bei Fehlern lautstark herumgebrüllt und am Montagmorgen herumgemuffelt wird oder der Chef über eine Kundin in deren Abwesenheit von der „blöden Zicke“ spricht, färbt das auf den Nachwuchs ab. Wertschätzender Umgang mit Kunden und sichtbare Freude am Werk werden logischerweise auch ihm fremd sein – woher sollte er dies auch lernen? Im Gegensatz dazu ist eine gelebte Servicekultur im Betrieb die beste Voraussetzung dafür, dass der Azubi sich eine kundenorientierte Haltung aneignet.

Der Chef bestimmt maßgeblich das Betriebsklima

Für die Gesamtstimmung in Ihrem Betrieb sind Sie als Chef das Vorbild und damit verantwortlich. Wie ist der Geist Ihres Unternehmens? Wird auch mal gelacht? Worüber wird mehrheitlich gesprochen? Über Ärgerliches, Nerviges, Stressiges oder über Aufbauendes, Positives, Gelungenes? Sie verbessern die Atmosphäre in Ihrem Unternehmen, indem Sie Positives verstärken. Feiern Sie Erfolge gemeinsam. Gestalten Sie Besprechungen so, dass die positiven Aspekte überwiegen. Dann haben alle mehr Lust, Anspruchsvolles und Schwieriges gemeinsam zu meistern.

Zu Ihrer Vorbildfunktion als Chef oder Ausbilder gehört auch, dass Sie offen für Anregungen aus dem Mitarbeiterkreis sind. Oft wird das Potenzial von jungen, aber auch altbewährten Mitarbeitern nicht ausgeschöpft. Deren Ideen und Vorschläge werden nicht abgefragt und auch nicht umgesetzt. Das führt zu Frust und Demotivation. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter dazu, ihr Wissen und ihre Erfahrungen einzubringen. Signalisieren Sie Offenheit und Umsetzungswillen für neue Lösungen. Zeigen Sie, dass auch Sie als Führungskraft das Know-how des ganzen Teams brauchen und schätzen.

Regelmäßiges Feedback geben

Damit der Azubi weiß, wo er steht, helfen regelmäßige, auch kurze Gespräche, direkte Feedbacks auf seine Leistung, seine Entwicklung, sein Potenzial und nicht zuletzt natürlich Lob. Dadurch bauen Sie eine persönliche Beziehung auf, die wesentlich dazu beiträgt, dass der Lehrling sich im Betrieb wohlfühlt. Das Interesse an der Entwicklung des Azubis und das, was Ausbilder, Kollegen und Chef über ihn denken und was sie ihm (im besten Fall) zutrauen, bestimmt auch seine Leistung und sein Engagement. Wird der Auszubildende von Führungskräften und Kollegen angenommen und anerkannt, beflügelt dies den Lernerfolg. Eine gute Beziehung zwischen Azubis und Chef bzw. Ausbilder oder Kollegen ist ein nicht zu unterschätzender Motivator.

Das eigene Verhalten kritisch prüfen

Machen Sie den Selbstcheck für Ihren Betrieb: Stehen Lob und Kritik im richtigen Verhältnis? Denken Sie manchmal an spontane Aufmerksamkeiten: Tankkarten, Restaurant-Gutscheine, Freikarten fürs Stadion, ein ausdrückliches Lob an die Mannschaft in der Besprechung? Gibt es gemeinsame Rituale, die das Team inklusive Auszubildenden zusammenschweißen? Und zum Schluss die wichtigste Frage: Würden Sie sich selbst bei Ihrer Firma bewerben? Würden Sie dort gern eine Lehre absolvieren? Wenn ja, haben Sie alles richtig gemacht!

Buchtipp

Umberta Andrea Simonis: „Sicher und sympathisch beim Kunden auftreten“

Der Ratgeber für Azubis führt durch einen kompletten Arbeitstag vom Aufstehen bis zur Rückfahrt von der Baustelle in den Betrieb. Auf 92 Seiten mit 65 Fotografien wird einfach und anschaulich beschrieben, was im Umgang mit Kunden, Kollegen und Chef richtig ist und was gar nicht geht. So gewinnen Azubis mehr Sicherheit und mehr Spaß am Arbeitsalltag. Für Ausbilder und Chefs liefert der Ratgeber wertvolle Impulse für ein nachhaltiges Fördern der zukünftigen Leistungsträger.

4. Auflage, Juni 2018, 17,80 Euro

www.holzmann-medienshop.de

Autor

Umberta Andrea Simonis ist Inhaberin der Simonis ServiceKultur und Spezialistin für Service- und Unternehmenskultur im Handwerk. www.simonis-servicekultur.de