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Digitale Konzepte sind Realität

Erfindungen wie die Schrift oder der Buchdruck hatten immer großen Einfluss auf das Denken und Handeln einer Gesellschaft. Im Jahr 2016 nimmt diese Position unbestreitbar das Internet ein. Früher war Information begrenzt und teuer. Heute steht sie für jeden zur Verfügung – sofort, zu geringen Kosten und in scheinbar unbegrenzter Menge. Das hat in manchen Branchen schon längst für Veränderungen gesorgt. Die Musikindustrie beispielsweise hatte die Entwicklung am Anfang verschlafen, dann ignoriert – und anschließend sogar versucht, sie zu bekämpfen. Erst danach setzte Akzeptanz ein. Diesen langen Weg muss die SHK-Branche nicht wiederholen. Vor allem nicht mit Blick auf die Themen Badplanung, Präsentation und Verkauf. Die Softwareanbieter sind schon wesentlich weiter, wenn es darum geht, als Handwerksunternehmer seine potenziellen Kunden digital abzuholen. Es wird sich niemand leisten können, diesen Vertriebsweg auf Dauer zu ignorieren.

Kunden neugierig machen

Die beliebige Verfügbarkeit von digitalen Informationen bedeutet indes nicht automatisch mehr Wissen und Verständnis, oft ganz im Gegenteil: Wenn jeder sich z. B. mühelos über alle Armaturen mitsamt Preisen und technischen Daten via Internet informieren kann, bedeutet das nur für den Besteller auf den ersten Blick einen Vorteil. Doch wie man sich in der Vielfalt der Informationen zurechtfindet, das bleibt nach wie vor der guten Beratung von Handel und Handwerk überlassen. Denn je mehr Informationen verfügbar sind, je mehr Meinungen in Foren veröffentlicht werden, umso mehr steigen auch die Verunsicherung, das Halbwissen – und der Wunsch nach einem Fachmann, den man fragen kann.

Diese Fachleute müssen im Handwerk und im Handel zu finden sein. Aber sie müssen sich als Experten zu erkennen geben – auch und gerade mit entsprechenden Onlineangeboten. Ein großer Vorteil der Badbranche ist deren lokale Organisation. Denn lokale Referenzen lassen sich hervorragend als digitale Aushängeschilder nutzen. Warum also nicht alle tollen Bäder im Internet präsentieren? Auf der eigenen Website, auf einem Facebook-Account oder gar als Film auf Youtube? Es reicht doch schon, mit der Software einen Kameraflug durch das geplante Bad als Video zu exportieren und das eigene Firmenlogo dazuzustellen. Schon hat man einen Film für den eigenen Kanal auf Youtube. Je nach Möglichkeiten des Badplanungsprogramms lassen sich die eigenen Entwürfe auf der Homepage sogar als „begehbare“ dreidimensionale Räume vom Kunden entdecken, ähnlich wie bei einem Computerspiel. Im Ergebnis erhält man eine Ausstellung, die rund um die Uhr geöffnet hat und sich von überall aus besuchen lässt, am besten auch per Smartphone und Tablet. Es geht also darum, die eigene Expertise überall und zu jeder Zeit erlebbar zu machen, um sogenannte Telepräsenz. Das SHK-Fachhandwerk und der Großhandel müssen dabei ihr Verständnis von reinem E-Commerce (also der bloßen elektronischen Abwicklung von Handelsaufgaben) erweitern um „guided E-Commerce“. Damit gemeint ist die Kombination von Beratung, Erlebnis und Verkauf. Diese Form schließt zum Beispiel die Tatsache mit ein, dass der Kunde daheim eine Anwendung zur Verfügung hat, mit der er sein Bad einfach vorplanen kann, ehe im nächsten Schritt der Kontakt zum Handwerk entsteht. Oder wenn der Kunde eine Planung per Tablet oder 3D-Raumbrille virtuell begehen kann und dort vorgeplante Alternativen gezeigt bekommt. An welchem Ort und mit welchem Gerät das passiert, verliert in Zukunft an Bedeutung. Aber es wird kommen.

Vermarktung neu denken

Anbieter von Software zur Planung von Innenräumen, wie beispielsweise Palette CAD, integrieren ihre Internetlösungen deshalb bereits heute nahtlos in die Kernsoftware. Die Möglichkeiten schlagen eine Brücke zum E-Commerce. Mit Onlineplanern wie „Palette@Home“ und „Palette4Business“ werden Endkunden digital erreicht – mobil zum Beispiel über Apps ebenso wie daheim browserbasiert am stationären Rechner. Anwendungen wie „Move“ und „Play“ des Anbieters wiederum steuern eine andere Vermarktungsrichtung an: Der Fachhändler bzw. der Handwerker präsentiert dem Endkunden seine Entwürfe als virtuelle Ausstellung – der Zugriff darf jederzeit erfolgen, nach Möglichkeit auf allen Plattformen. Das alles sind Lösungen, mit denen sich mit überschaubarem Aufwand eine eigene Strategie für zeitgemäßen E-Commerce mit 3D-Visualisierung aufbauen lässt.

Planungen emotional aufladen

Die neue Welle der Digitalisierung meint aber noch viel mehr: Es geht darum, Kreativität und Kompetenz auf neue Weise erlebbar zu machen. Wir stehen am Anfang einer zweiten Welle der Digitalisierung, die ganz klar von der Unterhaltungsindustrie vorangetrieben wird. Jetzt geht es um Darstellungen in 3D, es geht um die Durchdringung der realen und der virtuellen Welt. Es werden Räume erschaffen, die von der Realität kaum zu unterscheiden sind. In Computerspielen etwa agiert der Spieler in virtuellen Welten und wird Teil davon. Bei der TV-Übertragung von Fußballspielen wird die virtuelle Abseitslinie in ein reales Bild eingeblendet. Kurz: Für uns alle gehört die virtuelle Welt immer mehr zum Alltag. Moderne Badplanungen müssen diese Idee aufgreifen. Etwa indem ein 3D-Modell einer geplanten Dusche in ein reales Abbild des Badezimmers eines Kunden eingefügt wird. Oder indem sich Elemente aus der Computerspieltechnik in Form von Animationen in der Planung wiederfinden: Der Wasserhahn plätschert, im Kamin knistert ein Feuer oder eine Katze läuft durchs Bild.

Der Kunde wird in die Lage versetzt, sich sein neues Bad besser, realistischer vorzustellen. Anstatt eine reine Produktschau abzuhalten wird das Verkaufsgespräch dadurch emotional aufgeladen, weil es persönlicher ist. Wie viele Deutsche sich ein schöneres Bad wünschen und welchen Renovierungsstau die Branche vor sich herschiebt, ist hinlänglich bekannt. Eine emotionale Visualisierung kann da nur hilfreich sein.

Tipp

Mit der Entwicklung Schritt halten

Sobald Systeme mit Systemen kommunizieren, potenzieren sich die Möglichkeiten. Auch zu neuen, bis jetzt kaum absehbaren neuen Anwendungen. Ein großer Discounter in Deutschland nutzt z. B. schon jetzt einen Service, der vorhersagt, wie viele Kassierer/innen an einem bestimmten Tag benötigt werden. Aus Daten wie dem Wetterbericht, dem Fernseh- oder Sportprogramm und weiteren Informationen wird eine treffende Vorhersage gemacht, wie viele Menschen heute wohl einkaufen gehen. Warum sollten in Zukunft nicht Badplanungsprogramme miteinander kommunizieren und Daten mit den Sortimenten der Hersteller und des Handels austauschen, um frühzeitig Prognosen über Trends und Kundenwünsche zu ermöglichen? Warum sollten sich Badplanungsprogramme nicht nahtlos in digitale Gebäudemodelle integrieren, die gerade unter dem Schlagwort BIM ihren Einzug in die Planung und das Bestandsmanagement von Gebäuden halten?

Die Möglichkeiten scheinen schier endlos, eine genaue Vorhersage ist kaum zu treffen. Aber vier Punkte werden auch in Zukunft Gültigkeit haben:

  • Nur Dinge, die ein echtes Kundenproblem lösen, werden sich durchsetzen. Auch für neue Felder gilt: Nur wenn es einen Nutzwert hat, ein Kundenproblem löst, wird es sich durchsetzen.
  • Digitalisierung wird auf Dauer nur funktionieren und ihr Potenzial voll entfalten, wenn verschiedene Systeme miteinander kommunizieren und interagieren. Es wird nicht den einen Anbieter geben, wie es Microsoft beim Betriebssystem oder Google bei Suchmaschinen war, weil es nicht nur „die eine“ Digitalisierung geben wird. Partnerschaft, Kompatibilität und Offenheit von Systemen in möglichst viele Richtungen schon heute, das ist der Schlüssel.
  • Veränderungen brauchen Zeit, Durchhaltevermögen und auch ein passendes Budget. Viele Utopien von heute werden auch in einem Jahr noch mehr Wunsch als Wirklichkeit sein. Aber in fünf Jahren werden sie möglicherweise alles verändert haben. Handwerksunternehmer haben vermutlich nicht mehr viel Zeit für einen gelungenen Einstieg. Und das führt unweigerlich zum vierten Tipp:
  • Arbeiten Sie mit Profis. Viele Schnittstellen, offene Systeme und immer ganz nah dran an der Entwicklung von morgen: Das sollten Sie zu Recht von Ihrem Anbieter erwarten. Wohl niemand will in einigen Jahren herausfinden, dass das eigene System zur Sackgasse wird (einige erinnern sich sicher noch an Video 2000). Bei Palette CAD haben wir jetzt einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess eingeführt. Es wird kein „Palette CAD 11“ geben – schlicht und einfach, weil Updates und Neuerungen am Programm über die Cloud jeden Tag passieren.
  • Autor

    Dr.-Ing. Walter Zinser ist Geschäftsführer des Softwarehauses Palette CAD mit Sitz in Stuttgart. www.palettecad.com

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