SBZ Ausgabe: 07-2012
Beispiele für Aktivitäten

Interview

Systematisch über Bedarf ausbilden

Auch Innungsbetriebe ergreifen die Initiative, engagieren sich in Berufsorientierungsprojekten und setzen ganz auf Ausbildung, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten. Die Brasst Bau GmbH gehört mit 27 Azubis zu den großen Berliner Ausbildungsbetrieben. Mit Ausbildungsoffensiven und Schulpartnerschaften hat der Betrieb gute Erfahrungen gesammelt. Wir sprachen mit Geschäftsführer Peter Stange.

SBZ: Spüren Sie den Fachkräftemangel in Ihrem Betrieb?

Stange: Wir sind uns des Problems sehr bewusst. Aus unserer Sicht ist das einzig probate Mittel, immer systematisch über Bedarf auszubilden. Wir bilden derzeit 27 Azubis aus. Den fertigen Junggesellen bieten wir meist an, im Betrieb zu verbleiben. Wir fördern auch deren Meisterausbildung, motivieren zu einem Studium und lassen alle Wege zu uns zurück offen. Wir bilden derzeit sogar einen gehörlosen Azubi aus, dem wir extra einen Lehrer zur Seite stellen.

SBZ: Worin sehen Sie die Hauptursachen dafür, dass das SHK-Handwerk nicht genügend Fachkräfte findet?

Stange: Neben der ungünstigen demografischen Entwicklung liegt die wesentliche Ursache darin, dass die Anforderungen an unser Handwerk gestiegen sind. Die Qualifikation der Jugendlichen reicht nicht mehr für die Ansprüche der Hochtechnologien. Das ganze Feld der erneuerbaren Energien ist so komplex, dass es schwer ist, geeignete Bewerber zu finden, die dem gewachsen sind. Wir haben sogar gezielt in Polen gesucht. Unser polnischer Azubi im ersten Lehrjahr ist uns eine große Hilfe bei Aufträgen im grenznahen Gebiet: Er beherrscht die Sprache, kennt die Mentalität unserer Kunden und trifft den richtigen Ton. Technisch interessierte Jugendliche gibt es viele, sie müssen nur richtig angesprochen werden und da ist das SHK-Handwerk immer noch mit einem unvorteilhaften Image behaftet.

SBZ: Wie finden Sie geeignete Bewerber oder Azubis?

Stange: Unser Credo ist, frühe Berufsorientierung zu betreiben und uns für Bewerber viel Zeit zu nehmen. Der Azubi kommt nicht zum Betrieb, wir müssen auf ihn zugehen und ihn dabei so ansprechen, dass er erkennt, wie viel Potenzial das SHK-Handwerk heute hat. Vielen ist das ja gar nicht klar. Das zahlt sich aus. Wir haben im ersten Lehrjahr keine Ausbildungsabbrüche. 99 % unserer Azubis bestehen am Ende auch ihre Prüfung.

SBZ: Was unternehmen Sie, um Sanitär und Heizung in das Bewusstsein der jungen Menschen zu bringen?

Stange: Neben Ausbildungstagen bei uns im Betrieb oder Anzeigen haben wir vor allem eine Schulpartnerschaft aufgebaut zu einer Berliner Schule. Zweimal im Jahr veranstalten wir in der Schule Informationstage. Schülern werden mehrtägige Praktika angeboten. Da fahren sie auf Montage mit und bekommen gezeigt, wie vielfältig und modern unser Handwerk ist. Wir müssen schon die Kinder sensibilisieren und ständig in Kontakt bleiben.

Literatur

  1. Teil: Gas geben für gute Bewerber
  2. Teil: Interview
  3. Teil: Autor
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