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Energieträger

Gasnetz ist H2-ready – mit einer Investition von 30 Mrd. Euro

bierwirm – stock.adobe.com

Die im deutschen Gasnetz verbauten Stahlrohrleitungen sind für den Transport von Wasserstoff geeignet. Sie weisen keine Unterschiede in Bezug auf die grundsätzliche Eignung für den Transport von Wasserstoff gegenüber Erdgas auf. Sowohl betriebsbedingte Alterung als auch die geforderte Bruchzähigkeit entsprechen den Erwartungen an eine Dekaden-überdauernde, sichere Verfügbarkeit.

Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt „Stichprobenhafte Überprüfung von Stahlwerkstoffen für Gasleitungen und Anlagen zur Bewertung auf Wasserstofftauglichkeit“ (SyWeSt H2) des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches. (DVGW). Es wurde von Open Grid Europe und der Materialprüfungsanstalt der Universität Stuttgart durchgeführt. Für das Forschungsprojekt wurde ein repräsentativer Querschnitt der in deutschen und teilweise auch europäischen Rohrleitungen verbauten Stähle extremen Betriebs- und Alterungseinflüssen unter Wasserstoff ausgesetzt und technisch geprüft.

Kein Unterschied in der Abnutzung zu Erdgas

Prof. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW: „Die Forschungsergebnisse sind wegweisend in die Wasserstoff-Zukunft. Von den drei Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette – Erzeugung, Transport und Nutzbarmachung – ist der Transport nun grundsätzlich gelöst. In Leitungsnetzen werden die Rohre auch weiterhin genutzt werden können, und nur einzelne Einbauteile oder Stationselemente sind zu ertüchtigen oder auszutauschen.

Das ist volkswirtschaftlich sinnvoll, denn wir können auf eine bestehende Infrastruktur mit einem über viele Jahrzehnte getätigten Investitionsvolumen in Höhe von rund 300 Mrd. Euro zurückgreifen. Die Bundesregierung muss dieses große Potenzial nun nutzen und den Weg in die Wasserstoffwirtschaft ebnen, um ihrem Anspruch an einen beschleunigten Klimaschutz gerecht zu werden.“

Statt ein neues Gasnetz für den Transport von Wasserstoff aufzubauen, kann das bereits bestehende, über 550 000 km lange deutsche Gasnetz mit Gesamtkosten von nur rund 30 Mrd. Euro für den Transport von Wasserstoff umgerüstet werden. Bemerkenswert ist in der DVGW-mitteilung diese Aussage: „Millionen Haushalte und Unternehmen mit Gasanschluss sind bereits H2-ready oder können mit verhältnismäßig geringem Aufwand H2-ready gemacht werden und so über die bestehende Infrastruktur zu 100 % mit klimaneutralem Wasserstoff versorgt werden.“

Zunächst einmal ist in diesem Umfang gar kein Wasserstoff gleich welcher Frabe vorhanden, zum anderen dürfte nur ein Bruchteil der Heizkessel und der weiteren Gasverbrauchseinrichtungen für 100 % Wasserstoff geeignet sein.

„Nur rund 30 Mrd. Euro“

Und „nur rund 30 Mrd. Euro“ sind auch noch ein Stange Geld. Geht man davon aus, dass die Finanzierung von 30 Mrd. Euro über einen längeren Zeitraum tatsächliche Kosten von 40 Mrd. Euro bedeutet und legt diese auf einen geschätzten mittleren an der Refinanzierung beteiligten Gasdurchsatz von 600 TWh/a um, ergeben sich rechnerisch Einmalkosten von 6,67 Ct/kWh. Die würden zwar über einen langen Zeitraum gestreckt, aber bei Gas treu bleibenden Endkunden letztendlich auf der Gasrechnung stehen. Einem Haushalt mit einem Gasverbrauch von 18 000 kWh/a würde so über die Zeit inkl. 19 % MwSt. rund 1400 Euro in Rechnung gestellt. ■

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