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Ende der Brennwertförderung stößt auf strikte Ablehnung

Erstmalig gab es ein Treffen zwischen SHK-Handwerk und der Heizungsindustrie – und der Zeitpunkt war gut gewählt. Denn die Bundestagswahl war gerade eineinhalb Tage vergangen. Schon vor Beginn der Veranstaltung stellten sich die Teilnehmer die Frage: Was wird in der Klimapolitik zur Diskussion stehen, wenn sich die neue Bundesregierung formiert hat? Nicht zu erwarten ist, dass sich wesentliche Ziele ändern werden. Doch mehr oder weniger Fördergeld hier, Lockerung oder Verschärfung von Rahmenbedingungen dort könnten durch eine neu gebildete Regierung sehr wohl Bewegung in die Klimapolitik bringen.

Mit dem Workshop werde den Entscheidern der Branche eine einzigartige Diskussionsplattform geboten, um frühzeitig auf neue technologische Herausforderungen zu reagieren, unterstrich Frank Ebisch, Leiter Kommunikation im ZVSHK, in seinen einleitenden Worten. Er zog den Vergleich zum fortwährenden Dilemma bei der Fahrzeugtechnik: „Unserer Branche darf nicht das passieren, was gerade der Automobilindustrie widerfährt – der Verlust der Glaubwürdigkeit durch den selbst verschuldeten Dieselskandal oder die verschlafene E-Mobilität.“

Modernisierungsrate verdoppeln

Die beiden Verbände nutzten den Treff, um über den Status quo bei der Anlagenmodernisierung zu sprechen und um sich darüber auszutauschen, welche zeitgemäße Anlagentechnik im Markt Bedeutung hat.

Sachstand ist, dass bei knapp 21 Millionen Wärmeerzeugern im Bestand die Modernisierungsrate bei den Heizsystemen um die 500 000 pro Jahr pendelt – erheblich zu wenig, um bei der CO2-Reduzierung voranzukommen bzw. bei der Effizienzsteigerung spürbaren Erfolg zu erzielen. Die Rate müsste verdoppelt werden, lautete die Botschaft im Workshop, denn dann wären es bis zum Jahr 2030 etwa 14 Millionen modernisierte Heizsysteme, die in Kombination mit einer neu gedämmten Gebäudehülle eine CO2-Einsparung von ca. 40 % bewirken würden. Bezogen auf den deutschen Gesamtenergieverbrauch würde der Bereich Gebäudeheizung damit ein Einsparpotenzial von 15 % leisten.

Welche Technik für die Zukunft?

Eine eindeutig kritische Meinung vertreten SHK-Handwerk und Heizungsindustrie gegenüber dem Grünbuch Energieeffizienz der Bundesregierung. Darin wird die Weiterentwicklung im Wärmemarkt bis zum Jahr 2050 so skizziert, dass im Wesentlichen Umweltwärme und Strom aus erneuerbaren Quellen in Kombination mit der Wärmepumpe für den Wärmebedarf der Republik zuständig sein werden. Der Workshop arbeitete jedoch heraus, dass sich die Politik für eine Technologieoffenheit aussprechen sollte, statt eine bestimmte Technik, nämlich die Wärmepumpe, als Lösung zu propagieren.

Doch welche Wärmetechnik hat das Zeug dazu, sich in Zukunft als Favorit zu etablieren? Laut ZVSHK-Präsident Friedrich Budde mangelt es an einer bahnbrechenden Entwicklung im Heizungsmarkt. Auf der Tagung forderte er: „Wir brauchen neue Ideen! Ich baue heute einem Kunden eine Brennwertheizung ein, die es vom Prinzip her schon vor 35 Jahren gab.“

Etliche Wortbeiträge machten deutlich, wie vielseitig technische Entwicklungen inzwischen geworden sind. Bereits die ISH 2017 hat gezeigt, dass hybride Heizsysteme die Zukunft mitbestimmen. Diese Entwicklungen sind aus heutiger Sicht naheliegend, denn sie lassen prinzipiell die Option zu, dass sowohl Heizen als auch Kühlen möglich wird – für moderne, hermetisch abgedichtete Gebäudehüllen eine bedeutsame Eigenschaft. Zahlreiche Systeme, die jetzt den Wärmemarkt bereichern können, ließ man im Workshop Revue passieren. Deutlich wurde dabei allerdings auch, dass die Haus- und Gebäudetechnik immer komplexer wird.

Speichertechnik und Energieumwandlung

Windkaft und Photovoltaik stehen als volatile Energiequellen nur zeitweise zur Verfügung – ohne ein Back-up aus herkömmlichen Energiequellen gibt es derzeit keine sichere Energieversorgung. Doch auch hier bleibt die Entwicklung nicht stehen. BDH-Präsident Manfred Greis sieht mit Systemen wie Power-to-X sowie innovativen Speicherlösungen bereits etliche zukunftsweisende Ansätze im Markt, die zusammen mit Bewährtem wie z. B. der Wärmepumpe ein breites Angebot an Möglichkeiten schaffen.

Förderpolitik, mit der sich langfristig planen lässt

Welchen Beitrag kann die Politik, könnte die neu gebildete Bundesregierung leisten, damit möglichst viel für Energieeffizienz und zur Reduzierung von Treibhausgasen getan wird? Auf diese Frage kamen etliche Antworten. Sie zeigten, dass beide Verbände nichts davon halten, wenn von politischer Seite eine bestimmte Technik vorangebracht werden soll. Dabei steht nicht in der Kritik, dass beispielsweise zur Markteinführung der Brennstoffzelle ein Zuschuss bewilligt wird.

Vielmehr geht es ZVSHK und BDH grundsätzlich um Technologieoffenheit. Sie manipuliert weder technische Entwicklungen noch bevormundet sie den Endverwender noch schränkt sie den Fachbetrieb bei der Wahl eines passenden Heizsystems ein (Stichwort: Verbrennungsverbot). Als Ziel reicht aus, ein möglichst hohes Maß an Energieeffizienz zu erreichen. SHK-Handwerk und Heizungsindustrie erwarten da von der Politik eindeutig formulierte Rahmenbedingungen wie Emissionsgrenzen, Verbrauchskennzahlen und nicht zuletzt eine möglichst einfache Förderung, um langfristig planen zu können.

Das angekündigte Ende der Brennwertförderung stößt bei beiden Verbänden auf strikte Ablehnung. Es sei das falsche Signal für die ohnehin schleppend verlaufende Bereitschaft zur Modernisierung und deshalb kontraproduktiv.

Die rasant fortschreitende Digitalisierung in der Heizungstechnik und Gebäudeautomation war ein weiteres Thema des Workshops. Die Charts zu vier Vorträgen der Tagung lassen sich herunterladen unter www.zvshk.de (als Suchwort den Quicklink QL79116995 eingeben).

Referenten

ZVSHK-Präsident Friedrich Budde : „Wir brauchen neue Ideen! Ich baue heute einem Kunden eine Brennwertheizung ein, die es vom Prinzip her schon vor 35 Jahren gab.“
BDH-Präsident Manfred Greis : „Wir brauchen Technologieoffenheit. Systeme wie Power-to-X sowie innovative Speicherlösungen spielen in Zukunft eine Rolle.“
ZVSHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Müller : „Was machen wir mit alten Heizgeräten, die keine Nachrüstung mit Hocheffizienzpumpen möglich machen?“
BDH-Hauptgeschäftsführer Andreas Lücke : „Die energiepolitischen Ziele bringen nur dann etwas, wenn genügend Investoren ihr Geld in die Modernisierung lenken.“

Info

Auf einen Blick

Erstmals fand ein Workshop zwischen der Heizungsindustrie und dem Fachhandwerk statt. Thema: Die Zukunft des Heizungsmarktes in Deutschland. Kernaussage: Würden doppelt so viele betagte Heizsysteme in der Republik erneuert, wären es bis zum Jahr 2030 etwa 14 Millionen Anlagen. Aber: Welche Technik wird sich dabei in Zukunft durchsetzen? Der Workshop bot eine Diskussionsplattform zum Status quo.