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Die passende Lösung zählt

Rohrleitungen befestigen

Wer auf die Idee kommt, beispielsweise eine Abwasser-Sammelleitung, die aus Polypropylen-Rohr besteht und mit Steckmuffen verbunden wird, an der Kellerdecke mittels Bandaufhängungen zu montieren, wird daran zunächst seine helle Freude haben. Schnell gemacht und gefälletechnisch prima auszurichten. Wird diese Leitung dann aber benutzt, kommt Bewegung ins Spiel: Kräfte, die eine Bandaufhängung nicht bändigen kann. Und schnell ist dann eine Steckverbindung auseinandergerutscht. Es zeigt sich: Die Art der richtigen Befestigung hängt von der Art und Betriebsweise der jeweiligen Leitung ab (Bild 1).

Welchen Einsatzzweck hat das Rohr?

Die zu wählende Rohrbefestigung ist abhängig von der Art des durchfließenden Mediums. Für warmgehende Leitungen, wie beispielsweise Heizungsleitungen oder Brauchwasserleitungen, sind es je nach Anforderung Rohrschellen mit oder ohne Schallschutzeinlage. Kälteleitungen hingegen erfordern Kälterohrträger. Sie verhindern Wasserdampfdiffusion und daraus resultierende Feuchteschäden wie Korrosion durch Tauwasser. Wird besonderes Augenmerk auf geringe Rauchentwicklung im Brandfall gelegt, werden spezielle Kälterohrträger verwendet (Bild 2).

Bild 2: Kälteschellen verhindern Wärmebrücken und vermeiden Rohrkorrosion. Darüber hinaus gibt es Kälterohrträger, die im Brandfall hohe Flammwidrigkeit und geringe Rauchentwicklung aufweisen.

Bild: Walraven

Bild 2: Kälteschellen verhindern Wärmebrücken und vermeiden Rohrkorrosion. Darüber hinaus gibt es Kälterohrträger, die im Brandfall hohe Flammwidrigkeit und geringe Rauchentwicklung aufweisen.
Bild 3: Die Vorteile der Schienensysteme gegenüber der Einzelmontage liegen vor allem in einer schnelleren Befestigung der Rohre, weniger Bohr- und Verankerungsarbeiten und höherer Flexibilität.

Bild: Walraven

Bild 3: Die Vorteile der Schienensysteme gegenüber der Einzelmontage liegen vor allem in einer schnelleren Befestigung der Rohre, weniger Bohr- und Verankerungsarbeiten und höherer Flexibilität.
Bild 4: Schienensystem mit schalldämmender Fixpunktbefestigung und Gleitbefestigung.

Bild: Walraven

Bild 4: Schienensystem mit schalldämmender Fixpunktbefestigung und Gleitbefestigung.

Leichtes oder schweres Rohr?

Anforderungen an die Belastbarkeit der Rohrschelle sind abhängig vom Gewicht des Rohres und den Befestigungsabständen. Größere Befestigungsabstände verringern zum Beispiel die Anzahl der benötigten Befestigungspunkte mit Schellen, Dübeln und Gewindestangen und gleichzeitig den Arbeitsaufwand bei der Montage.

Einzel- oder Schienenmontage?

Bei der Einzelmontage wird jedes Rohr einzeln montiert. Einzelbefestigungen findet man häufig bei kleineren Bauvorhaben wie Ein- und Zweifamilienwohnhäusern. Sie besteht in der Regel aus einem Einschlaganker, der in die Stahlbetondecke gesetzt wird, einem Gewindestab oder Gewindestift und einer Rohrschelle.

Montageschienensysteme kommen in erster Linie bei größeren Objekten wie Wohn-, Gewerbe-, oder Industrieanlagen zum Einsatz. Der Vorteil dieser Systeme liegt in der schnelleren Montage, weniger Bohr- und Verankerungsarbeiten und einer höheren Flexibilität, da nur eine Profilschiene an der Decke befestigt wird, an der alle Rohrleitungen mittels Montagezubehör, zum Beispiel Hammerfix und einer daran montierten Rohrschelle, installiert werden (Bild 3). Montageschienensysteme werden verwendet,

  • wenn mehrere Rohrleitungen nebeneinander verlegt werden.
  • wenn an Stahlbetondecken befestigt wird. Die Bewehrung ist in praktisch jeder neueren Deckenart 3 bis
    4 cm von der Deckenunterkante entfernt und von Beton überdeckt. Es kann dann Fall passieren, dass beim Bohren Stahl getroffen wird. In ­diesem Fall ist eine Schiene variabler.
  • wenn Längenausdehnungen zu berücksichtigen sind. Es lohnt sich eine Schienenmontage, wenn Gleitstücke oder Schiebegleiter befestigt werden müssen (Bild 4).
  • Bild 5: Bifix G2 mit Einlage für Stahl-, Kupfer-, Gusseisen-, Kunststoff- und Mehrschichtverbundrohre und einem Sicherheitsschnellverschluss bietet Schallschutz nach DIN 4109.

    Bild: Walraven

    Bild 5: Bifix G2 mit Einlage für Stahl-, Kupfer-, Gusseisen-, Kunststoff- und Mehrschichtverbundrohre und einem Sicherheitsschnellverschluss bietet Schallschutz nach DIN 4109.
    Bild 6: Bifix G2 ohne Einlage für gedämmte und ungedämmte Stahl-, Kupfer-, Guss-, Mehrschichtverbund- und Kunststoffrohre (ohne Schallschutzanforderungen).

    Bild: Walraven

    Bild 6: Bifix G2 ohne Einlage für gedämmte und ungedämmte Stahl-, Kupfer-, Guss-, Mehrschichtverbund- und Kunststoffrohre (ohne Schallschutzanforderungen).

    Sind Schallschutzanforderungen zu berücksichtigen?

    Rechtliche Grundlage ist die DIN 4109 als baurechtlich eingeführte Anforderungs- und Bewertungsgrundlage für baulichen Schallschutz. Die Norm schützt Menschen, die sich in üblichen Wohn- und Arbeitsräumen innerhalb von Gebäuden aufhalten. Sind Schallschutzanforderungen vorhanden (z. B: Wohnungsbau, Bürogebäude), sind Rohrschellen mit schalldämmenden Einlagen zu verwenden (Bild 5).

    Im Industriebau ist oft das Grundgeräusch zum Beispiel durch die Fertigung bereits so hoch, dass keine zusätzlichen Schallschutzanforderungen an die Installationen gestellt werden. Auch in Lagerhallen sind häufig keine Anforderungen an den Schallschutz gestellt, auch hier können dann Rohrschellen ohne Einlagen verwendet werden
    (Bild 6).

    Werden brandgeprüfte Befestigungen benötigt?

    Brandgeprüfte Befestigungen sind erforderlich in Flucht- und Rettungswegen, wenn im Deckenbereich brennbare Materialien verbaut sind, die durch eine im Brandfall wirksame Unterdecke abgeschottet werden. In diesem Fall müssen alle Installationen im Zwischendeckenbereich brandgeprüft befestigt werden.

    Gibt es Umwelteinflüsse, die zu berücksichtigen sind?

    Je nach vorherrschenden Umgebungsbedingungen (Innenraum, Außenbereich, Meeresnähe) kann es bei der Materialwahl der Rohrbefestigung erforderlich sein, auf korrosionsgeschützte (verzinkt oder feuerverzinkt) oder korrosionsbeständige (Edelstahl oder HCR-Stahl) Ausführungen zu achten.

    Beeinflussen die Temperaturen der Durchflussmedien?

    Handelt es sich bei dem durchfließenden Medium um Heißwasser oder Hochdruckdampf, so erreichen die Rohrtemperaturen meist mehr als 110 °C. Da EPDM-Einlagen nur für Dauertemperaturen von maximal 110 °C geeignet sind, kommen hier hochtemperaturbeständige Werkstoffe wie Silikon oder Teflon zum Einsatz (Bild 7).

    Fazit

    Zeitgemäße Rohrbefestigungen erfüllen hohe technische Anforderungen. Fachgerecht montiert sorgen sie für eine sichere und zuverlässige Befestigung von Rohren. Jeder Installateur setzt bei der Auswahl von Rohrbefestigungen andere Schwerpunkte. Während der eine kostengünstige, aber montagezeit­intensive Zweischraubenschellen verwendet, bevorzugt der andere Rohrschellen mit Schnellverschluss, um Montagezeiten einzusparen und den Montagekomfort etwa bei Überkopfinstallationen zu erhöhen.

    Bild 7: Bismat 2000 S Einschraubenschelle mit einer bis zu 200 °C hitzebeständigen Schallschutzeinlage aus Silikongummi.

    Bild: Walraven

    Bild 7: Bismat 2000 S Einschraubenschelle mit einer bis zu 200 °C hitzebeständigen Schallschutzeinlage aus Silikongummi.

    Autor

    Thomas Geißler
    ist Leiter Technik und Projektmanagement der Walraven GmbH in 95447 Bayreuth

    Bild: Walraven