Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

Das Wunder – kein Wunder!

Als Zeitzeuge reibt man sich die Augen: Was, das ist schon 30 Jahre her? Und ja, vor genau 30 Jahren wurde mit dem ersten Besuch einer kleinen Delegation aus dem DDR-SHK-Handwerk in St. Augustin ein neues Kapitel in der ZVSHK-Verbandsgeschichte aufgeschlagen.

Ich erinnere mich noch genau: Kurz vor Weihnachten 1989 trudelte eine Einladung aus St. Augustin ins Haus, mit der wir ziemlich kurzfristig für den 22. Dezember zum Besuch einer DDR-SHK-Delegation beim ZVSHK eingeladen wurden. So richtige Lust auf diesen Termin kurz vor Weihnachten hatte eigentlich niemand, und wenige Wochen nach dem Fall der Mauer war das DDR-Handwerk für uns auch noch ziemlich unbekanntes Niemandsland.

Einer jedoch war sofort Feuer und Flamme: der selbst aus dem sächsischen Kreischa stammende, leider viel zu früh verstorbene SBZ-Redakteur Erich Werner Streidt. Und was er uns dann vom Besuch der ersten DDR-SHK-Delegation beim ZVSHK berichtete, elektrisierte uns sofort: Tausende von selbstständigen oder genossenschaftlich organisierten Handwerksbetrieben im Bereich SHK gäbe es in der DDR, die sich möglichst schnell unter dem Dach des ZVSHK nach bundesdeutschem Vorbild organisieren wollten.

Vorausgegangen war diesem Besuch in St. Augustin eine Reise des ZVSHK-Sonderbeauftragten Ludwig Ruckelshausen in die DDR, eines begnadeten Netzwerkers mit vielfältigen Beziehungen. Unmittelbar nach dem Mauerfall sandte ihn der damalige ZVSHK-HGF Michael von Bock und Polach nach Osten mit der Aufgabe, geeignete Ansprechpartner zu finden für den Aufbau moderner SHK-Verbandsstrukturen in der Noch-DDR. Und er wurde fündig, eine vierköpfige Delegation aus Leipzig und Gera für eine erste Reise nach St. Augustin war schnell zusammengestellt.

Die Gäste kehrten nach diesem vorweihnachtlichen Blitzbesuch nicht mit leeren Händen in die Heimat zurück, sondern mit der festen Zusage des ZVSHK, sie bei der (Wieder-)Gründung von Innungen und Landesinnungsverbänden nach Kräften zu unterstützen. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Schon am 16. Januar 1990 wurden in Gera die SHK-Fachverbände Thüringen mit Manfred ­Pötzschner und Sachsen mit dem kürzlich verstorbenen, späteren ZVSHK-
Präsidenten Bruno Schliefke an der Spitze gegründet. Und keine zwei Monate später folgten die Fachverbände Land Brandenburg mit LIM Wilfried Frohberg und Sachsen-Anhalt mit LIM Joachim Eulenstein. Es stehen also gleich mehrere 30-Jahre-Jubiläen an im kommenden Frühjahr.

Weshalb erzähle ich Ihnen dies alles, obwohl es doch schon viele Jahre zurückliegt? Weil es für mich immer noch ein Wunder ist, wie schnell und absolut friedlich die deutsche Wiedervereinigung damals gelang. Echte Gänsehaut-Momente selbst beim Schreiben dieses Editorials, die spannendste Zeit in meinen 40 Verlegerjahren.

Wir haben dies Männern und Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu verdanken, die damals sofort gehandelt und neue, moderne und demokratische Strukturen geschaffen haben. Das SHK-Handwerk war dabei schneller und weitblickender als nahezu alle anderen Gewerke. Der zaghafte Zwischenschritt der Gründung eines DDR-Verbandes (wie bei vielen anderen Gewerken) kam für die SHK-Strategen um Michael von Bock und Polach und Bruno Schliefke nie infrage. Der Rest ist Geschichte … und zwar eine sehr erfolgreiche.

Ein Wunder? Schon – aber eigentlich auch kein Wunder, denn hier waren zupackende, mutige Handwerker am Werk. Ihnen gehört noch heute mein größter Respekt.

Herzlichst

Ihr
Erwin Fidelis Reisch
SBZ-Herausgeber