SBZ Ausgabe: 05-2019

Nachgefragt

„Sonst findet sich jemand, der uns die Arbeit abnimmt“

SBZ: Wie kam es zu dem Gedankenexperiment „Bad ohne SHK-Fachhandwerker“?

Marc Schulte: Wir haben eine Menge Bäderbauer in unserer Verbundgruppe – und alle haben sie das gleiche Problem: Zu wenig Mitarbeiter, kaum Nachwuchs, alle werden älter – und Nachfrage nach Bädern ist da. Wir müssen uns deshalb ernsthaft die Frage stellen, wie wir mit weniger und vielleicht auch weniger qualifiziertem Personal mehr Bäder bauen.

SBZ: Was waren die Vorgaben?

Schulte: Wir wollten keine Zukunftsmusik, sondern den Stand der Technik abbilden. Und keine Denk-Tabus: Geht nicht gibt’s nicht. Wenn man alles zusammenträgt, dann ist alles verfügbar, was es für dieses Online- und Offline-Geschäftsmodell braucht. Vom Laserscanner bis zum Bäderbau in einem Tag.

SBZ: Wer könnte so etwas umsetzen? Welche „Industrie“ ist da gemeint?

Schulte: Genau da muss man aufpassen. Wir reden nicht von der klassischen Sanitärindustrie. Die ist in diesem Modell eher vergleichbar mit dem Ziegelwerk, das Bausteine liefert. Es könnte eine neue Industrie geben, die aus diesen Bausteinen und aus individuell gefertigten Elementen eine Dienstleistung und ein Bad formt, die deutlich günstiger sind als alles, was wir kennen. Wir haben mit Professor Horst Wildemann gesprochen. Der Mann gilt als Kanban-Papst (Kanban = Methode der Produktionsprozess-Steuerung) und hat bei vielen Konfiguratoren der Autoindustrie mitgemischt. Und er meint: Wir bauen (besser: basteln) heute 70 Prozent zu teuer, weil viele Prozesse völlig aus der Zeit gefallen sind.

SBZ: Was muss diese neue Industrie können?

Schulte: Im Internet hoch sichtbar sein, einen guten Konfigurator mit einem Expertensystem und künstlicher Intelligenz verknüpfen, ein Prozess-Betriebssystem aufbauen und Onlineservice bieten – und perfekte Logistik. Und dann vieles den Kunden machen lassen.

SBZ: Warum wollen Sie hier eine Diskussion anstoßen?

Schulte: Weil Garant Bad + Haus sich als Plattform versteht und wir das Geschäftsmodell unserer Mitglieder verteidigen wollen. Und dazu müssen wir strategische Allianzen andenken, die über das aktuelle Vorstellungsvermögen der Branche hinausgehen. Wenn wir das Vakuum im Markt nicht bedienen, dann wird sich irgendein „Amazon-Bad-Klon“ finden, der die Arbeit für uns tut.

  • Marc Schulte ist Geschäftsleiter der Handwerkerkooperation Garant Bad + Haus.

Grafik: id-pool

Literatur

  1. Teil: Neues Bad in zwei Tagen, aber ohne SHK-Fachhandwerker
  2. Teil: Info
  3. Teil: Nachgefragt
  4. Teil: Autoren
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