SBZ Ausgabe: 13-2018

Meinung II

„Gut gemeinter Rat kann teuer werden“

Das Ziel der Energiewende ist eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung. Dies soll durch den Austausch fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien und die Erhöhung der Energieeffizienz gelingen. Wir haben gegenüber der Politik schon mehrfach unsere Forderung formuliert, dass die Umgestaltung der Energieversorgung zwar mit klaren Zielvorgaben, aber technologieoffen umgesetzt werden muss und dies mithilfe eines technisch machbaren und für die Verbraucher finanzierbaren Zeitplans. Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die es aber nicht im Baumarkt zum Spottpreis und im anschließenden Do-it-yourself-Modus geben wird.

Es ist äußerst positiv zu werten, dass Stiftung Warentest die Hausbesitzer dafür sensibilisiert, dass sowohl der Austausch einer ineffizienten Heizungspumpe als auch Maßnahmen zur Heizungsoptimierung – wie der hydraulische Abgleich – einen Beitrag zur Energieeinsparung und damit zur Energiewende leisten.

Doch objektiver Journalismus sollte Sachverhalte neutral und weitgehend objektiv erklären und vermitteln, Pro und Contra erfassen und dies ohne Superlative und Wertungen. Bei Formulierungen wie „Monteure beratschlagen die Auswahl selten mit dem Kunden“ und „Oft kaufen sie im Großhandel Modelle von Anbietern, die ihnen satte Rabatte gewähren“ ist diese Ebene meines Erachtens verlassen worden zugunsten von Mutmaßungen, Verallgemeinerungen und einer wertenden Tendenz.

Was würden denn die hoch qualifizierten Redakteure von Stiftung Warentest sagen, wenn man dem Verlag empfehle, sich die Texte doch gleich bei den Herstellern zu holen (da seien sie günstiger zu bekommen, als wenn man ein Redakteursgehalt bezahlt) und der Grafiker oder Layouter müsse sie dann nur noch in das Heft „einbauen“?

Wie in dem Brief unseres Schwesterverbandes exzellent dargelegt wurde, sind bei einem Pumpentausch eine Menge weiterer Aspekte zu beachten, wie Haftung und Gewährleistung, Förderfähigkeit, Ersatzteile, zu schulende Fachkenntnisse, Beratungsleistungen und Verrechnungssätze. Insofern gilt bei der scheinbar günstigeren Baumarktvariante leider der alte Grundsatz: Gut gemeinter Rat kann teuer werden.

  • Joachim Butz, Vorsitzender des Fachverbandes SHK Baden-Württemberg

SBZ

Literatur

  1. Teil: „Hat nichts mit der Realität zu tun“
  2. Teil: Meinung I
  3. Teil: Meinung II
  4. Teil: Meinung III
  5. Teil: Meinung IV
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