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03.01.2011 - SBZ Ausgabe 01-2011

Top-Bäder über 9 m²

Optisch vereint und lichtdurchflutet präsentieren sich beide Räume  – dank großzügiger Verglasung.

Ende September wurden im Rahmen des SBZ-Kreativ-Wettbewerbs die Badprofis des Jahres 2010 ausgezeichnet. Sie lieferten in den drei Kategorien Gäste WC, Bad kleiner 9 m² und Bad größer 9 m² einen eindrucksvollen Nachweis der Leistungsfähigkeit von Badplanern und Bäderbauern. Viele Einsendungen überzeugten mit frischen Ideen, Raum- und Lichtkonzepten und letztlich perfekten Bädern. Bei der Bewertung durch die Jury sind nicht nur Anmutung und ­Erscheinung des Bades, sondern auch die im Rahmen der Ausschreibung erbetenen Detail- und ­Projektinformationen bzw. die Rahmenbedingungen der einzelnen Projekte eingeflossen. In dieser SBZ stellen wir zwei Top-Bäder über 9 m² und die dazugehörenden Badprofis vor. Nicola Stammer

Bäder über 9 m² sind statistisch gesehen in Deutschland, trotz gestiegenem Wellness­bewusstsein, leider immer noch kein Standard. Dabei bieten diese doch erst Raum für mehr Wellness und Luxus sowie Spielraum für planerische Kreativität. Mög­liche Zonierungen, großzügige Waschtischanlagen und Platz für eine Sauna sind nur einige Vorteile. Nicht nur die beiden unter Top- 10-platzierten Bäder zeigen, dass mehr m² auch mehr Wohnqualität bedeuten können.

Schreiner Architekten schafften fließende Übergänge

Badplanerin Katrin Härtel von den „Schreiner Architekten“ und Bäderbauer Jörg Erbe von der Erbe GmbH überzeugten mit einem Bad, das über seine Grenzen hinauswächst und erhielten damit die Auszeichnung zum „Top-10-Badplaner Deutschlands“. Dem Wunsch der Bauherren, die großzügige Gestaltung der Loftwohnung auch im Privat­bereich fortzuführen wurde mit einer großzügigen Öffnung mittels Glasschiebeanlage zwischen Schlafbereich und Bad geschaffen. So verschmelzen die Bereiche nicht nur optisch, sondern erhalten von zwei Seiten Tageslicht.

Intimität trotz großzügiger Öffnung

Fast eine komplette Seite des Badezimmers wurde zum Schlafbereich raumhoch verglast. So wird eine Großzügigkeit erreicht, die klimatische und akustische Probleme berücksichtigt. Die Wanne nimmt dabei den zentralen Mittelpunkt ein, offen zum Schlafbereich und rückwärtig mit einer halbhohen Wandscheibe als Raumteiler begrenzt. Hinter dieser verbirgt sich das WC und der Duschbereich, die auf diese Weise Intimität wahrt, aber Tageslicht und Durchblicke ermöglicht.

Funktional wurde der Raum so in Bereiche gegliedert. Auf der einen Seite befindet sich der Aktiv-Bereich mit einer sehr großzügigen Waschtischanlage von 3,50 m Länge über die gesamte Raumbreite sowie das blickgeschützte WC. Auf der anderen Seite bilden der große Duschbereich und die gegenüberliegende Sauna eine funktionale Wellness-Einheit zur Regeneration. Hinter der Sauna befindet sich das Gästebad, welches über einen kleinen Flur angeschlossen ist. Da die Loftwohnung genügend Platz bietet, kann der Schlafbereich auch als Fitnessraum umfunktioniert werden und so den Wellnessfaktor erhöhen.

Dezente Optik

Um der Großzügigkeit Ausdruck zu verleihen, wurden großformatige Fliesen (100 x 100 cm) gewählt. So wird der Fugenanteil gering gehalten und die Flächen wirken homogen. Alle Objekte und Wandelemente sind auf das Fliesenraster ausgerichtet. Der Fliesenanteil wurde auf ein Minimum reduziert, sodass der Großteil der Wandflächen glatt verspachtelt und weiß gestrichen ist, was den wohnlichen Aspekt erhöht. Als Kontrast zu den matten graumelierten Fliesen wurden bewusst Edelstahl-Kantenschutzprofile eingesetzt. Diese Optik setzt sich in der leicht glänzenden Linienstruktur der metallbeschichteten Waschtischkonsole fort. Stauraum findet man hier nicht – es sollen keine „Leichen“ angesammelt werden, nur das wirklich Nötige soll sichtbar und in direktem Zugriff sein. Die Sauna wirkt wie ein angeschlossener Raum, da sie mit GK-Platten verkleidet und ebenfalls weiß gestrichen wurde. So fügt sie sich perfekt in das Gesamtbild ein. Eine Glastür gibt den Blick auf den Innenraum frei, der mit nordischer Fichte ausgestattet ist. So harmoniert die Sauna mit dem Holzboden des Schlafbereiches, verbindet optisch und schafft einen warmen Gegensatz zu der modernen klaren Badarchitektur.

Das Jury-Urteil

Klarheit auf ganzer Linie und fallende Grenzen unter Berücksichtigung der verschiedenen Klimazonen zwischen Bad und Schlafbereich begeisterte die Jury ebenso wie die schnörkellose klare Strukturierung der Funktionsbereiche, die die Großzügigkeit nicht zerstört. Das Bad nimmt sich zurück und lässt Platz für die individuelle Entfaltung des Nutzers.

Ultramarin setzte auf Exklusivität

Badplanerin Bettina Hildebrandt von der Ultramarin GmbH und Geschäftsführer Stephan Krischer landeten mit ihrer Einsendung in der Kategorie Bäder über 9 m² unter den ersten drei Plätzen und erhielten die Auszeichnung zum „Top-10-Badplaner Deutschlands“. Der Wunsch der Bauherren nach einer hochwertigen Optik wurde durch viele Sonderanfertigungen und besondere Materialwahl umgesetzt. So entstand ein unverwechselbares individuelles Bad. Eingereicht und angemeldet war das Bad eigentlich für die Kategorie unter 9 m². Die aufmerksame Jury stellte jedoch fest, dass die Grundfläche über 12,5 m² betrug. Statt Bad und Einsender zu disqualifizieren, gruppierte sie es kurzerhand in die „offene Klasse“ um.

Optik und Haptik sorgen für Emotionalität

Die Reduzierung auf wenige Farben und Materialien sorgt für eine harmonische Ausstrahlung, die Abstufungen in Grau kombiniert mit Weiß für eine edle und dezente Optik. Die außergewöhnlichen Wandfliesen aus Feinsteinzeug bringen Emotionalität in die puristische Architektur. Ihre individuelle werkseitig horizontal gefräste Oberfläche verleiht dem Raum eine samtige Note, die durch gekonnte Lichtinszenierungen noch verstärkt wird. Im Nassbereich wurden die horizontalen Fugen ausgefüllt, um einen geringeren Pflege­aufwand zu erreichen. Raumhoch angewendet wirken sie wie ein textiler Wandbelag und erinnern in keiner Weise an eine Nasszelle. Die gleiche Fliese wurde auch für den Boden verwendet, nur hier ohne Fräsung und in einem Großformat. Die restlichen Wandflächen sind verputzt und mit einem passenden warmen Grau gestrichen. Abgerundet wird das Ganze durch angefertigte Objekte aus weißem Corian.

Wie aus einem Guss

Die klare Gliederung und kubistische Formensprache sorgt für ein ruhiges Erscheinungsbild. Wie aus einem Guss wirkt die Dusch- und Badeanlage durch eine optisch fortlaufende Sitzbank. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Verwendung des gleichen Materials für alle Objekte – bis auf das WC. Das Material Mineralwerkstoff bietet eine sanft matte Optik und warme Haptik.

Für Komfort im Duschbereich sorgt neben der Sitzbank eine in die Decke eingelassene Regenbrause, eine Schwallbrause sowie eine Handbrause. Beleuchtete Nischen über der Wanne und in der Dusche sorgen für Stimmungslicht und halten Shampoo und Duschgel bereit. Sowohl beim Duschen wie beim Baden genießt man den Blick ins Grüne. Nichts lenkt hierbei ab, denn die Fensternische wurde gestalterisch einbezogen und beherbergt neben einem Heizkörper noch Stauraum für angewärmte Handtücher. Die Waschtischanlage aus einem Guss ist pflegeleicht und bietet viel Ablagefläche. Ein darunter wandhängendes Möbel bietet genügend Stauraum für große Utensilien. Ein großzügiger Wand-Einbauspiegelschrank hält alle kleinen Dinge des Alltags bereit. Handtücher finden seitlich an einem Handtuchheizkörper Platz, so wird für eine klare aufgeräumte Optik gesorgt. Die Mineralwerkstoff-Wanne mit einem Gewicht von 200 kg musste per Autokran durch das Badezimmerfenster angeliefert werden.

Das Jury-Urteil

Die Jury lobte das Bad der Ultramarin GmbH, da hier eine Versinnlichung der puristischen Innenarchitektur durch die besonderen Wandfliesen erreicht wurde. Ihre Struktur bringt eine sinnliche Note und schafft trotz minimalistischer Anmutung ein Wohlfühlambiente. Schön, dass es Bauherren gibt, bei ­denen das Budget mitspielt.

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