Top-Bäder der Kategorie Bad unter 9 m²
Zwei prämierte Bäder und ihre Badprofis Ende September wurden im Rahmen des SBZ-Kreativ-Wettbewerbs die Badprofis des Jahres 2010 ausgezeichnet. Sie lieferten in den drei Kategorien Gäste WC, Bad kleiner 9 m2 und Bad größer 9 m2 einen eindrucksvollen Nachweis der Leistungsfähigkeit von Badplanern und Bäderbauern. Viele Einsendungen überzeugten mit frischen Ideen, Raum- und Lichtkonzepten und letztlich mit perfekten Bädern. Bei der Bewertung durch die Jury sind nicht nur Anmutung und Erscheinung des Bades, sondern auch die im Rahmen der Ausschreibung erbetenen Detail- und Projektinformationen, bzw. die Rahmenbedingungen der einzelnen Projekte eingeflossen. In dieser SBZ stellen wir zwei prämierte Bäder unter 9 m2 und die dazugehörenden Badprofis vor. Nicola Stammer
- Top-Bäder der Kategorie Bad unter 9 m²
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Kleine Bäder müssen nicht langweilig sein. – In der Praxis findet man oft Schlauchbäder vor, die nur über eine Grundfläche von 4 bis 9 m2 verfügen. Doch die Größe ist keine Entschuldigung für stiefmütterliche Planungen und letztendlich langweilige Badezimmer. Sie sollte für engagierte Badspezialisten viel mehr eine Herausforderung bedeuten. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen anhand der prämierten Beispiele ein paar Tipps geben und Ihnen aufzeigen, was es zu beachten gilt. Wie engagierte Badprofis auch schwierige Aufgaben angehen und welch überraschende Ergebnisse dabei herauskommen können, zeigten nicht nur die prämierten Bäder.
Marion Kuschel und Thilo Dreyer überzeugten
Badplanerin Marion Kuschel und Bäderbauer und Firmenchef Thilo Dreyer, beide von der Dreyer Haustechnik GmbH, schafften es mit ihrem Bad unter die ersten drei Plätze und erhielten dafür die Auszeichnung Top-10-Badprofi Deutschlands. Dem Wunsch der Bauherren nach einem klaren und ruhigen Raumeindruck wurde nicht nur entsprochen, sondern der Dreyer GmbH gelang es, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Die Vorgaben der Bauherren stellten eine Herausforderungen dar, denn der Fußbodenbelag – der sich auch im Eingangsbereich und Flur befindet – sollte unbedingt erhalten bleiben. So mussten das ganze gestalterische Konzept und die Materialien hierauf abgestimmt werden.
Natürlichkeit mit Pfiff
Im Mittelpunkt des neuen Bades steht die Waschschüssel aus massivem Naturstein. Die einzigartige Maserung sorgt allein schon für einen Hingucker, der noch übertrumpft wird durch die scheinbar schwebende Natursteinkonsole, auf der sich die schwere Schale befindet. Eine technische Meisterleistung, denn diese spannt sich über die ganze Länge des Raumes. Und das von der WC-Vorwand unterm Fenster bis in den Duschbereich, wo sie als Sitzbank fungiert.
Alles wirkt wie aus einem Guss, denn die verwendeten Materialien sind fast alle natürlichen Ursprungs und farblich harmonisch aufeinander abgestimmt. Auch die Wände in Terrastone-Wand-Dekorputz wurden in einer besonderen Körnung und durch Beimischen von Farbpigmenten in ihrer Wirkung zurückhaltend gewählt, um die Einrichtung kontrastreich in Szene zu setzen. Im Duschbereich wurden die Wandflächen mit einer wasserfesten Imprägnierung ergänzt. Auch die Eingangstür in Holz wurde in der Spiegelumrahmung und der Holzjalousie vor dem Fenster gestalterisch aufgegriffen und rundet das Ganze ab. So zeigen alle Materialien unverwechselbar Charakter.
Ausgewogene Kontraste
Perfekt wurden hier von Marion Kuschel Kontraste und Gegensätzlichkeiten kombiniert. Denn erst bei genauem Hinschauen und Analysieren fallen diese auf: Sei es der schon erwähnte Gegensatz der schweren Natursteinschale zu der schwebend anmutenden Natursteinkonsole, wird hier der Kontrast noch zusätzlich farblich unterstützt. Die Schale ist vom Grundton cremefarben, während die Konsole in einem dunkelbraunen Naturstein dazu gewählt wurde. Aber auch in der Formensprache finden wir bewusst eingesetzte Kontraste: Das runde Becken auf geometrischer Konsole mit einer Wandarmatur, die stilistisch auf ein Edelstahlrundrohr reduziert ist. Das Wasser fließt förmlich wie aus einem Brunnen in einen Trog.
Ein echter Mehrgewinn
Ein echter Mehrgewinn für die Bauherren und die Optik ist die durchgehende Natursteinablage, die im Duschbereich als Sitzbank oder/und Ablage für Utensilien fungiert. Die Glasabtrennung formt sich fast unsichtbar um diese und engt den Raum dadurch optisch nicht ein. Die Duschtrasse wurde auf Maß aus Mineralwerkstoff angefertigt, um über die gesamte Breite ein Material zu haben. Dabei wurde auf Pflegeleichtigkeit und angenehme Haptik geachtet. Auf kleinstem Raum wurden auf diese Weise mit einer erstaunlichen gestalterischen Großzügigkeit viele Funktionen verwirklicht.
Die Lichtplanung rundet das Ensemble perfekt ab. Bewusst werden nur die Objekte durch schwenkbare Downlights angestrahlt und so in Szene gesetzt. Dazu Downlights unter der Konsole, um die schwebende Wirkung zu erhöhen (im Bereich der Dusche spritzwassergeschützt). Eine pure Formensprache und Materialästhetik, ohne jegliche Verzierungen, nichts was das Auge vom Besonderen ablenkt – und in seinem Ambiente warm und behaglich. Alles in allem ist dieses Dusch-Bad sicher ein Gewinn für die Nutzer und auch für die Immobilie.
Das Jury-Urteil
Die Jury lobte das Dreyer-Bad besonders wegen seiner ganzheitlichen harmonischen und warmen Ausstrahlung. Ein Bad, das alle Sinne anspricht und den Alltag draußen lässt. Die Abstimmung der Farben und Natur-Materialien vermitteln Geborgenheit und Individualismus. Gepaart mit Detailliebe und perfekter Umsetzung. Die schwebende Natursteinplatte über die ganze Raumlänge gibt Großzügigkeit und ist gleichzeitig Waschtisch und Bank in der Dusche. Nicht nur gestalterisch und funktional überzeugend, sondern auch eine technische Meisterleistung.
Starkberaten punktete mit einer überraschenden Raumgliederung
Badplanerin Andrea Stark und Bäderbauer Ralf Klein landeten mit ihrer Einsendung in der Kategorie Bäder bis 9 m2 unter den ersten drei Plätzen und erhielten dafür die Auszeichnung zum Top-10-Badprofi Deutschlands. Ihr Bad bietet Zonierungen nach Funktionsabläufen, sorgt für Intimität und vielfältige Lichtinszenierungen.
Maskulin, formal zurückhaltend
Nachdem das Reihenhaus nach und nach zum Schmuckstück umgebaut wurde, fehlte zur Abrundung das Badezimmer. Die Bauherren hatten klare Vorstellungen an ihre neue Wohlfühloase: modern, eine klare Formensprache und eher maskulin in seiner Ausstrahlung sollte es sein. Vor allem aber sollte eine Walk-In-Dusche untergebracht werden. Eine nicht leichte Aufgabe, denn zusätzlich sollte es neben einem Waschplatz, WC und viel Stauraum auch eine Badewanne geben – und das auf nur 8 m2.
Um in dem langgestreckten Raum eine Walk-In Dusche zu realisieren, wird der gesamte hintere Teil in einer Breite von 90 cm zum Duschbereich erklärt. Da ein bodengleicher Einstieg technisch nicht möglich war, erhielt der gesamte Bereich ein mit Mosaik gefliestes Podest. Ein Bodenablauf am hinteren Ende erledigt die Entwässerung. Eine Just Rain in der Decke und eine Handbrause sorgen für Komfort, ergänzt durch einen Klappsitz. Duschutensilien finden in einer beleuchteten Nische griffbereit Platz und beim Verlassen der Dusche warten angewärmte Handtücher. Durch eine Ständerwand wird der Duschbereich auf 140 cm vom übrigen Bad abgeteilt. Mit einem Abstand von 30 cm zur Decke finden hier LED-Leuchten Platz und sorgen für ein sanftes indirektes Raumlicht. Die eingestellte Wand sorgt für Intimität beim Duschen und bildet den Hintergrund für den Waschplatz. Dieser wandert sozusagen damit in den Raum und löst sich von der üblichem „Immer-an-der-Wand-lang“-Platzierung von Objekten. Verstärkt wird die Wirkung durch die Wahl einer Waschsäule als architektonisches Stilelement. Die Wand ist im oberen Bereich komplett verspiegelt und verleiht dem Raum so optisch Weite. Ein auf dem Spiegel platzierter beleuchteter Wand-Kosmetikspiegel sorgt zusätzlich für Komfort beim Schminken und Rasieren. Keine Ablage stört das Gesamtbild, alles sollte aufgeräumt und klar in seiner Wirkung sein. Die notwendigen Utensilien finden in einem seitlichen wandhängenden Hochschrank mit Apothekerauszug Platz. Selbst der Föhn mit integrierter Steckdose ist so funktional untergebracht. Optisch ist das Schrankelement kaum zu erkennen, denn die schmale Holzfront wurde den Raumfarben angepasst und durch eine seitliche Verspiegelung ergänzt.
Besondere Lösungen
Duschbereich und Waschplatz bilden eine Einheit und genauso auch Wanne und WC. Die Badewanne wurde zur Dusche hin mit einer L-förmigen halbhohen Installationswand eingefasst, die rückwärtig das WC verbirgt. So ist das WC vom Eingang nicht sichtbar und wahrt Intimität. Die Wand nimmt sowohl den Unterputzspülkasten, als auch die Wannenarmaturen auf. Die baulichen Gegebenheiten des Fensters in diesem Bereich mit einer Brüstungshöhe von nur 88 cm stellten ein Problem dar. Eine WC-Drückerpositionierung auf der Ablage oder hinter dem aufgeklappten WC-Sitz kam nicht in Frage. So wurde der Drücker seitlich an der Außenwand positioniert. Ein doppelter Gewinn: denn da aus Platzmangel kein separates Bidet eingebaut werden konnte, übernimmt das WC mit Unterkörperdusche diese Funktion mit. Da die Wanne bei den Bauherren eine untergeordnete Rolle spielt, reichte der verbleibende Platz von nur 150 cm Länge aus. Um halbwegs entspanntes Baden zu ermöglichen, wurde eine extra hohe Wanne gewählt. Durch eine flexible Abdeckung entstand eine Sitzmöglichkeit.
Die Verfliesung beschränkt sich auf eine Serie in drei unterschiedlichen Formaten. Am Boden sowie an den eingestellten Wänden und der Wanne sorgen Fliesen 30x60cm für eine großzügige Raumwirkung. Im Duschbereich gewährt das Rechteckmosaik Trittsicherheit und an den Duschwänden wirkt das Riemchenformat wie eine rustikale Häuserwand. Die Farbgebung des Feinsteinzeugs variiert von grau-braun mit einem leichten Blau. Die restlichen Wände wurden in einem Cappuccino-Ton gestrichen und lassen die Möglichkeit offen, den Raum später durch eine andere Wandfarbe neu zu gestalten.
Licht als Stimmungsträger
Die Lichtspiele beruhen auf der technischen Affinität des Bauherren. Beim Betreten des Bades entflammt über einen Bewegungsmelder gesteuert automatisch das LED-Licht in der Stufe zur Dusche sowie das LED-Licht in der Wannenverkleidung. Sie sorgen für ein sanftes Grundlicht. Das ist besonders bei nächtlicher Benutzung vorteilhaft. Zusätzlich lässt sich an der Tür das Licht in der Duschtrennwand schalten und zaubert interessante Lichtspiele an die Spanndecke. Die Lichtnut in der Duschzone und der Kosmetikspiegel lassen sich vom Waschplatz aus betätigen. Das I-Tüpfelchen ist eine e-mood-Leuchte von Duravit, die je nach gewünschter Nutzung das Bad in entspannendes oder aktivierendes Licht taucht. Es können 20 minütige Lichtabfolgen per Schalter oder Fernbedienung gewählt werden.
Das Jury-Urteil
Vor allem die Raumgliederung hat die Jury überrascht. Das neue Raumkonzept mit eingestellten Wandelementen schafft funktionale Zonen. Sie sorgen für Intimität und geben dem Raum eine neue Note. Jeder Bereich erhält dadurch seine eigene Wertschätzung. Mit viel Augenmaß und Gespür wurde hier trotz des relativ kleinen Raumes ein interessantes Bad bis ins Detail kreiert.





