SBZ Ausgabe: 14-2017

Interview

„An der Wärmepumpe führt kein Weg vorbei!“

SBZ: Warum sollte ein Handwerker, wenn er es bisher noch nicht getan hat, auf Wärmepumpen setzen?

Matthias Wagnitz: Es spricht einiges dafür, dass fossile Wärmeerzeuger immer weniger und Wärmepumpen immer mehr installiert werden. Es wird zwar keinen Austausch zu 100 % geben, aber wenn ich weiter Wärmeerzeuger in großer Zahl verkaufen will, führt an der Wärmepumpe kein Weg vorbei.

SBZ: Welche grundsätzlichen Unterschiede gibt es bei Planung und Installation von Wärmepumpen zu Gas- oder Ölkesseln?

Wagnitz: Erst einmal zu den Gemeinsamkeiten: Eine vernünftige Planung muss sich immer um die Systemtemperatur kümmern und für Optimierung sorgen, etwa mit einem hydraulischen Abgleich. Nun zu den Unterschieden: Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen kommt noch der Schallschutz hinzu, bei Sole-Wasser-Wärmepumpen die Genehmigungen für Erdarbeiten oder Bohrungen. Wenn ich die Wärmepumpe draußen aufstelle, brauche ich eine Art Fundament. Dann sollte die Jahresarbeitszahl passen. Dazu kann auch ein hydraulischer Abgleich dienen. Zudem ist der Anteil der Elektrikerarbeit höher. Mit einer Elektrofachkraft, also jemandem mit dem kleinen Elektrikerschein, kann das ein SHK-Handwerksunternehmen zumindest teilweise selbst stemmen. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen hingegen geht es in den Drehstrombereich. Dann brauche ich einen richtigen Elektriker.

SBZ: Wie sieht die Wertschöpfung für den Handwerker aus im Vergleich zur Installation von Gas- oder Ölkesseln?

Wagnitz: Die Wertschöpfung ist höher, da ich einen höheren Materialanteil habe. Und am Material verdient der Handwerker Geld. Der Planungsaufwand steigt im Vergleich zu einem herkömmlichen Kesseltausch. Und der Montageaufwand ist gegenüber einem wandhängendem Gas-Brennwertgerät natürlich auch höher. Bei der Wartung hingegen gibt es etwas weniger zu tun. Die JAZ sollte überprüft werden. Bei luftgeführten Systemen muss auch mal das Gebläse gereinigt und bei solegeführten der Frostschutz gecheckt werden.

SBZ: Sollten Handwerker oder Planer zuerst wegen der einfacheren Installation mit Luft-Wasser-Wärmepumpen einsteigen?

Wagnitz: Fehler kann man bei allen neuen Techniken machen. Bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe ist die Höhe eines Schadens durch fehlerhafte Planung geringer, dafür schafft man sich eventuell Probleme mit schallempfindlichen Nachbarn.

SBZ: Was macht die Installation von geothermisch oder wasserbasierten Wärmepumpen komplizierter?

Wagnitz: Die Hydraulik im Haus ist erst mal die gleiche. Ich brauche aber wasserrechtliche Genehmigungen, da ich nicht bohren kann, wo ich will. Und die Kosten sind deutlich höher. Ich rechne deswegen damit, dass sich Luft-Wasser-Wärmepumpen stärker durchsetzen, weil auch der Planungsaufwand deutlich geringer ist.

SBZ: Was sollte ein Planer oder Handwerker, der ins Wärmepumpengeschäft einsteigt, unbedingt an typischen Anfängerfehlern vermeiden?

Wagnitz: Da wären der fehlende hydraulische Abgleich und daraus resultierend zu hohe Betriebstemperaturen. 70 °C Vorlauftemperatur sind eben entschieden zu hoch, und schlechte Jahresarbeitszahlen sind die Folge. Auf die Schallimmissionen muss geachtet werden. Letztlich sind das alles Planungsfehler, die ich aber vermeiden kann.

SBZ: Welche Schulungsmöglichkeiten gibt es durch den ZVSHK und wie sehen sie konkret aus?

Wagnitz: Wir organisieren mit den Fachverbänden Schulungen vor Ort. Mit dem Bundesverband Wärmepumpe sind wir im Moment in der Diskussion, weil wir dafür einen einheitlichen Standard wollen. Der VDI unterbreitet dafür entsprechende Vorschläge. Als Grundlage dienen Kenntnisse der Hydraulik. Wir bieten in Zusammenarbeit mit den Fachverbänden vor Ort Schulungen zur Fachregel „Optimierung von Heizungsanlagen im Bestand“ in Kombination mit unserer Software ZVPLAN an. Wenn die Hydraulik und daraus resultierend die Systemtemperaturen schon nicht stimmen, dann kann auch die beste Wärmepumpe keine ordentlichen Ergebnisse liefern.

SBZ: Welche weiteren Qualifizierungen braucht ein SHK-Handwerker?

Wagnitz: Zur Elektrik und zu den Kältemitteln bei Luft-Wasser-Wärmepumpen in Splitbauweise wurde ja schon einiges gesagt. Wenn die Wärmepumpe auch zur Kühlung genutzt werden soll, hat man ein Kondenswasserproblem, deswegen müssen die kaltgehenden Rohrleitungen anders gedämmt und verklebt werden. Zudem braucht man dann andere Kühlflächen und Raumthermostate. Aber der Meister ist omnipotent. Der kann das.

SBZ: Ist die derzeit viel diskutierte Kombination von Photovoltaik zur Teilversorgung der Wärmepumpe auch für Einsteiger schon eine Option?

Wagnitz: Wärmepumpe und Photovoltaik passen gut zusammen. Im Sommer habe ich in der Regel einen größeren Ertrag der Photovoltaikanlage, als an Haushaltsstrombedarf vorhanden ist. In dieser Zeit kann man einen Teil des Ertrages für die Warmwasserbereitung verwenden, die dann CO2-frei ist. Im Winter wird der Ertrag regelmäßig kleiner ausfallen als der Bedarf. Der klassische Haushaltsstrombedarf besteht bei einem berufstätigen Nutzer in der Woche darüber hinaus noch in den Abendstunden nach Sonnenuntergang. In dieser Jahreszeit wird das Gebäude aber tagsüber beheizt. Damit dürfte in dieser Zeit in den meisten Fällen der komplette Solarertrag genutzt werden können. Eine Autarkie ist allenfalls bilanziell über das gesamte Jahr möglich, nicht zu jedem Zeitpunkt.

  • Dr.-Ing. Matthias Wagnitz ist Referent für Energie- und Wärmetechnik beim ZVSHK.

Foto: Urbansky

Literatur

  1. Teil: So lohnt sich der Einstieg für Installateure
  2. Teil: Info
  3. Teil: Tipp
  4. Teil: Interview
  5. Teil: Autor
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